Streit um Weg

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Neubrandenburger Kleingärtner können Kriegsbeil begraben

Auf den Weg durch „feindliches“ Territorium im „Steepenweg“ waren die Mitglieder des Gartenvereins „Steepenblick“ angewiesen. Jetzt nicht mehr.
Auf den Weg durch „feindliches“ Territorium im „Steepenweg“ waren die Mitglieder des Gartenvereins „Steepenblick“ angewiesen. Jetzt nicht mehr.
Thomas Beigang

Seit fünf Jahren streiten sich die Vorstände und Pächter zweier Neubrandenburger Gartenvereine um das Recht, einen Weg benutzen zu dürfen. Die absurde und folgenreiche Zankerei hat nun jemand beendet, der in Sachen Land sonst in ganz anderen Dimensionen denkt.

Am Ende erscheint alles ganz einfach: Ein neuer Weg verbindet den im Süden der Stadt blühenden Kleingartenverein „Steepenblick“ wieder mit der Außenwelt. Der Chemnitzer Landwirt Toni Jaschinski, der den Acker zwischen der Gartenanlage und Lutizenweg gepachtet hat, gab die Erlaubnis, auf dem Land einen Weg anzulegen. „Gott sei Dank“, sagt der Vorsitzende des Kleingartenvereins, Hans-Jürgen Bünger und auch der Neubrandenburger „Ober-Gärtner“, der Mann aus der Geschäftsstelle des Regionalverbandes der Gartenfreunde, Uwe Richter, macht drei Kreuze: „Eine gute Nachricht“.

Der Streit dort drehte sich seit Jahr und Tag um eine Zufahrt, die über das Territorium des benachbarten Vereins „Steepenweg“ führt, auf die die Gärtner vom Steepenblick aber angewiesen sind, wollen sie mit dem Auto auf ihre Parzellen gelangen. Auseinandersetzungen über die Nutzung des Weges gab es bereits seit Beginn des Bestehens der Kleingartenanlage. Aber im September 2011 kam es zur Neuwahl des Vorstands im Kleingartenverein Steepenweg. Mit der Neuwahl begann auch eine Eskalation in dem Streit um die Durchfahrtsmöglichkeiten. Zeitweise verwehrte der „Steepenweg“ sogar das Durchfahrtsrecht für die Kleingärtner des „Steepenblicks“. Gerichte beschäftigten sich mit der Angelegenheit – unter anderem wegen Sachbeschädigungen und Landfriedensbruch – eine Lösung schien trotz einstweiliger Verfügungen weit entfernt.

SPD-Landtagsabgeordneter hilft

Bis jetzt. Am Dienstag ist der neue Weg gemulcht worden, am Freitag wollen die Kleingärtner noch ein paar Löcher verfüllen, damit Autos schadlos die Trasse passieren können. Landpächter Jaschinski mag nicht an den Verlust denken, den ihm das fehlende Land bei der Ernte bereiten kann: „So viel ist das nicht“, winkt er ab und zeigt auf den Neubrandenburger Manfred Dachner, dem die Kleingärtner wohl den Erfolg zu verdanken haben. Der Landtagsabgeordnete der SPD und Vorsitzende des Petitionsausschusses im Landtag macht daraus auch gar keinen Hehl. Und verweist darauf, dass die Lösung des Wegestreits zwischen den beiden Neubrandenburger Kleingartenvereinen sogar das große Europa beschäftigt hat.

Denn die landwirtschaftliche Fläche, auf der die neue schmale Trasse entlang führen soll, gilt als von der EU subventioniert. „Die kann man nicht einfach umwidmen und einfach so einen kleinen Weg drauf anlegen“, schüttelt der Chef des Petitionsausschusses mit dem Kopf. Der in den Gartenstreit hineingezogen wurde, weil Pächter vom „Steepenblick“ sein Gremium anschrieben. Dachner nervte seinen Parteifreund, Landwirtschaftsminister Till Backhaus, so lange, bis der einverstanden war und sogar noch ein wenig Geld für den Wegebau herausrückte. Ganz öffentlichkeitswirksam will Backhaus an Dachners Seite im Sommer bei einer Gartenparty der Pächter vorbeischauen und das Geld übergeben.

Aufatmen sicher auch im Neubrandenburger Rathaus, das nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit in eine mögliche Versöhnung der beiden Vereine gesteckt hatte. Selbst OB Silvio Witt (parteilos) versuchte sich in zwei Runden an der Schlichtung des Streits. Zu spät alles allerdings für einige ehemalige Vereinsmitglieder. „Einige, die älter waren und auf ihre Autos angewiesen waren, um an die Gärten zu kommen, hatten inzwischen aufgegeben“, bedauert „Steepenblick“-Chef Bünger.

Kommentare (7)

Kann sich der Vorstand sich so beschissen, wegen der Wegbenutzung unter Gartenfreunde, anderen Verein, den müsste man aus dem Wege gehen, und verachten

Ist das ein Suchbild? Haben sich Herr Jaschinski und Herr Dachner in die Büsche verschlagen?

:) Danke für den Hinweis, die Bildunterschrift wird natürlich geändert...

wird denn da Vidioüberwacht, wer die größten Anscheißer sind, oder der freie Bürger.

Gartenverein ist wie Schnittlauch, von außen grün und innen hol.

Es ist kein Privatweg, der Weg ist für alle da, das ist solche Sache mit dem Weg Herr Dachner

Warum werden hier Steuergelder rausgeworfen, obwohl bereits ein Weg vorhanden ist? Nur weil sich hier einige Holzköpfe nicht einigen können, müssen sich eine Menge Leute mit dem Kleinkrieg Einzelner beschäftigen. Und am Ende bekommen diese zur Belohnung noch Geld. Super! Das sind doch alles Flächen der Stadt, die nur an die Kleingärtner verpachtet wurden. Eine Lösung wäre gewesen, den Pachtvertrag mit den Kleingärtnern zu kündigen und dann einen neuen Vertrag mit den vernüftigen Kleingärtnern (die es dort hoffentlich auch gibt) zu schließen, in dem das Wegerecht geklärt ist. Wer nicht bereit gewesen wäre dies zu aktzeptieren hätte dann seinen Garten aufgeben müssen. Leider ist hier die Stadt wieder einmal vor Einzelinteressen eingeknickt.