Seit Monaten kämpfen Mitarbeiter des Bonhoeffer-Klinikums für den Erhalt des Perinatalzentrums Level 1 in Neubranden
Seit Monaten kämpfen Mitarbeiter des Bonhoeffer-Klinikums für den Erhalt des Perinatalzentrums Level 1 in Neubrandenburg. Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum/Anke Brauns
Frühchenstation

Neubrandenburger Klinikmitarbeiter erhalten Abfuhr aus Berlin

Dem Perinatalzentrum Level 1 in Neubrandenburg droht die Schließung. Seit das bekannt ist, versuchen die Mitarbeiter, die Politik zu erreichen. Nun kam die erste Enttäuschung.
Neubrandenbrug

Der Petitionsausschuss des Bundestages will nicht von sich aus bei der Debatte um die Mindest-Fallzahen bei Level-1-Zentren eingreifen. So lässt sich die Antwort aus Berlin zusammenfassen, die Klaus Gryzbeck jetzt erreichte. Knapp 5000 Unterschriften hatte der Klinikmitarbeiter gesammelt, um für den Erhalt des Level-1-Perinatalzentrums in der Frühchenstation des Neubrandenburger Klinikums zu kämpfen.

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Hier werden Neugeborene mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm behandelt, doch ab 2024 droht die Schließung, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nur noch Einrichtungen finanzieren will, die auf mindestens 25 Fälle im Jahr kommen. So viele sind es in der dünn besiedelten Neubrandenburger Region aber nicht. Vom Petitionsausschuss erhoffte sich Gryzbeck ein Eingreifen, um für Mecklenburg-Vorpommern mit nur vier Kliniken eine Ausnahmeregelung zu erreichen.

Petitionsausschuss sieht „keinen parlamentarischen Handlungsbedarf”

Doch der Ausschuss sieht laut dem Antwortschreiben, das dem Nordkurier vorliegt, „keinen parlamentarischen Handlungsbedarf.“ Dabei verweist er auf die Studien, nach denen die Versorgungsqualität besser ist, wenn eine Mindestanzahl von Fällen erreicht wird. Erst durch die Behandlungsroutine würde das Risiko für Komplikationen und Sterbefälle sinken. Es ist die gleiche Begründung, die auch der G-BA und die Krankenkassen verwenden. In Berlin waren mehrere Petitionen zu dem Thema gelandet, die zusammengefasst behandelt wurden.

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Das sei „ernüchternd, aber nicht unerwartet“, sagt ein resigniert wirkender Klaus Gryzbeck. Dass auch der Petitionsausschuss die Vermutung äußert, ein Krankenhaus, das die Mindestmenge nicht erreiche, würde womöglich unsicherer für die Patienten sein, ist für Gryzbeck „schon ein Schlag ins Gesicht.“

Chefarzt warnt vor Gefahr durch lange Wege

Auch Dr. Sven Armbrust, der Leiter der Kinder- und Jugendklinik, hält von den Mindestmengen als einzigem Parameter wenig. „Wir haben in Neubrandenburg schon lange bevor es Untergrenzen für die Perinatalzentren gab, mehr Pflegekräfte eingestellt“, sagt er. Ganz viele andere Zentren würden die Forderung noch nicht erfüllen – selbst wenn sie die geforderte Mindestmenge von 25 Fällen im Jahr behandeln. Zudem sei die Anzahl verstorbener Frühchen – denn nur darum gehe es schließlich bei der Qualitätssicherung – in allen großen Kliniken von MV sehr gering. „Es sind Einzelfälle und wir arbeiten gemeinsam jeden kritisch auf“, sagt der Leiter der Neubrandenburger Kinderklinik. Es sei bedauerlicherweise und naturgemäß so, dass wenige Neugeborene trotz aller Anstrengungen nicht gerettet werden können.

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Für Sven Armbrust scheitert die gewünschte Zentralisierung der medizinischen Leistung zudem an der Praxis. „In den seltensten Fällen sind Frühgeburten planbar“, betont er. Werden Standorte wie Neubrandenburg, Greifswald und eventuell sogar Cottbus gestrichen, würde beim Transport nach Rostock oder Berlin wertvolle Zeit verloren gehen. „Der Hubschrauber kann auch nicht immer fliegen“, sagt Sven Armbrust. Dabei gelte in der Medizin bei Frühgeborenen gerade die erste „goldene Stunde“, als besonders wichtig. In dieser Zeit müsse alles optimal laufen, Organsysteme und Kreislauf umgehend mittels Beatmung funktionsfähig gemacht werden. „Sonst wird das Kind das ganze Leben mit den negativen Folgen umgehen müssen.“

Hoffnung ruht jetzt auf Landesregierung

Krankenpfleger Klaus Gryzbeck will sich auch deswegen nicht von der Absage aus Berlin unterkriegen lassen. „Zu sagen: ‚Bringt ja alles nix‘, bringt ja auch nix“, meint er. Womöglich will der Motorradfahrer mit den Bikerfriends MV noch mal nach Berlin zur Kundgebung fahren. Doch die politische Hoffnung liegt nun erst einmal bei der Landesregierung. Diese müsse die Krankenkassen überzeugen, dass Mecklenburg-Vorpommern von der Mindestmengen-Regelung ausgenommen bleibt. Die Staatskanzlei in Schwerin hatte jüngst Unterstützung versprochen.

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Kommentare (1)

Das kommt davon, wenn man den dazu zuerst im Kreistag gestellten Antrag der AfD ablehnt. Hätten die dem Antrag zugestimmt, hätte mit dem entsprechend bundesweiten Echo das eigentliche Thema Beachtung bei den Regierungsparteien bekommen, damals auch noch CDU.