In Harald Wandels Arbeitszimmer stehen die Gitarren immer griffbereit – und werden oft auch gegriffen.
In Harald Wandels Arbeitszimmer stehen die Gitarren immer griffbereit – und werden oft auch gegriffen. Susanne Schulz
Kultur

Neubrandenburger Liedermacher feiert seinen 70. mit Festival

Der Neubrandenburger Liedermacher Harald Wandel hat schon immer deutliche Worte gefunden. Musikalische Weggefährten erwartet er am Wochenende zu einem „Überflieger“-Festival – bei dem der Meister poetisch-satirischer Songtexte erstmals auch eigene Prosa liest.
Neubrandenburg

„Nichts muss bleiben, wie es ... nichts darf bleiben, wie es ... nichts wird bleiben, wie es war“ – in dieser sich entschlossen steigernden Zeile aus seinem „Lied vom großen Wandel“ treibt Harald Wandel das Spiel mit seinem eigenen Namen auf die Spitze. Der verlangt ja auch geradezu danach, sinnhaft verarbeitet zu werden; zumal das Leben des Neubrandenburger Liedermachers und Architekten an Wandel und Wechselfällen wahrhaft reich ist. Mit sich im Reinen zu sein, ist ein grundlegendes Fazit des 70-Jährigen, der dem runden Geburtstag am kommenden Wochenende ein kleines Festival mit Lese-Café und Live-Konzert im Neubrandenburger Latücht folgen lässt.

"Überflieger” und eine Premiere

„Überflieger“ ist das Motto des musikalischen Zusammentreffens von Wandel selbst, seinem Musikerkollegen Arno Schmidt und dem Akustik-Duo Steinlandpiraten – eine Marke, die der Gastgeber schon zu seinem 60. und 65. Geburtstag einführte und nun also zum dritten Mal zelebriert. Eine Premiere wiederum verspricht der literarische Teil: Erstmals stellt der Liedermacher eigene Prosa-Texte vor. Es ist an der Zeit, dass sein Publikum nicht nur Songtexte zu hören bekommt. Immerhin hat er sich schon zu Schulzeiten Aufsatz-Duelle geliefert mit einem Freund, der heute Schriftsteller ist – sein Lied „Die goldenen Zeiten“ erzählt davon.

Doch zunächst reizte es den Kleinmachnower, Protestsänger zu werden: Songs zu schreiben gegen Missstände in der DDR und später auch im ganzen Deutschland, auf dass sich daran etwas ändere. „Ein Dissident war ich nie“, stellt er klar. Doch seine Texte waren beißend genug, dass ihm wohlmeinende Juroren eindringlich von solcher Deutlichkeit abrieten.

In etlichen Defa-Filmen präsent

Eine Botschaft, von der er sich indessen nie beeindrucken ließ: Dass er „nie eine Karriere im Sinn gehabt“ habe, machte es ihm leicht, mit seiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten. Nicht zu Schulzeiten, die er nach der 8. Klasse beenden musste; woraufhin er erst Maurer und dann Betonbauer (mit Abitur) lernte, um schließlich in Weimar Architektur zu studieren. Nicht bei Kabarett-Auftritten an der Berufsschule, die ihm Probeaufnahmen bei der Defa und ein gutes Dutzend Filmrollen einbrachte, unter anderem in „Der Mann, der nach der Oma kam“, „Rotfuchs“ und dem Science-Fiction-Film „Eolomea“.

Auch nicht im Architektenberuf, der ihn 1975 nach Neubrandenburg führte: „Da gab‘s was zu tun, das war ,Neuland unterm Pflug‘“, zitiert er einen berühmten sowjetischen Roman, um seine Motivation zu beschreiben. Bis heute bestreitet er mit Projektierungsaufträgen seinen Lebensunterhalt; manchmal erschüttert, mit was für Summen bei Großprojekten „jongliert“ wird; manchmal berührt von privaten Auftraggebern, die ihr Erspartes für den Traum vom Häuschen zusammenkratzen.

Nur das Sich-Verkaufen hat ihn nie interessiert

Seine eigene Biografie sieht Harald Wandel geprägt davon, „alles erleben, alles beobachten, alles beschreiben“ zu wollen; von dem Streben, gut zu sein in dem, was er tut, und noch besser zu werden – nur das Sich-Verkaufen habe ihn nie interessiert. Zuhauf fließen Eindrücke und Beobachtungen seines Lebens in Lied- und eben auch Prosatexte; in einem Schrankfach stapeln sich Mappen und Notizbücher voller Aufzeichnungen. Sie zu weiteren Geschichten zu formen, ist sein großer Traum.

Erst einmal will er am Sonnabend erkunden, „ob die Leute das mögen“. Und anschließend vielleicht weiteres auf den Weg bringen: eine Kleinkunst-Reihe in mehreren Orten der Seenplatte, mit Künstlern verschiedener Sparten – Literatur, Musik, Puppenspiel – aus der Region, in der Hoffnung auf Unterstützung durch den Landkreis. Die steht auch in Aussicht für den „Überflieger“-Abend am Sonnabend im Latücht, der wesentlich durch die Neubrandenburger Stadtwerke ermöglicht wird. Kartentelefon: 0395 56389026

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