KEIN PFARRER

Neubrandenburger Priester wettert gegen Chefs aus Hamburg

Priester Felix Evers verlässt Neubrandenburg und übernimmt eine katholische Gemeinde in Hamburg-Billstedt. Der 48-jährige zieht allerdings ein bitteres Resümee.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Zum Abschiedsgottesdienst von Felix Evers war die katholische Kirche in Neubrandenburg noch einmal gut gefüllt.  
Zum Abschiedsgottesdienst von Felix Evers war die katholische Kirche in Neubrandenburg noch einmal gut gefüllt.   Frank Wilhelm
Felix Evers bei seinem letzten Gottesdienst in Neubrandenburg. Er hinterlässt die Gemeide eher mit einem weinenden Auge.
Felix Evers bei seinem letzten Gottesdienst in Neubrandenburg. Er hinterlässt die Gemeide eher mit einem weinenden Auge. Frank Wilhelm
Ungewöhnlicher Ort für eine Messe: Felix Evers gemeinsam mit einer Reisegruppe des Dreikönigsvereins Neubrandenburg auf dem See Genezareth im Jahr 2017.
Ungewöhnlicher Ort für eine Messe: Felix Evers gemeinsam mit einer Reisegruppe des Dreikönigsvereins Neubrandenburg auf dem See Genezareth im Jahr 2017. Frank Wilhelm
Neubrandenburg.

Die Pfarrei St. Lukas Neubrandenburg muss vorerst ohne einen Priester auskommen. Der scheidende Pfarrer Felix Evers, der die katholische Gemeinde in Hamburg-Billstedt übernimmt, hat keinen Nachfolger, wie das Erzbistum Hamburg bestätigte. Der designierte Nachfolger, ein Priester aus Güstrow, habe aus persönlichen Gründen abgesagt.

Deshalb geht der 48-jährige Evers auch mit einem „sehr schlechten Gewissen”, wie er sagte. Zu einem Gutteil sei der Personalmangel hausgemacht. Evers forderte Reformen und mehr finanzielles Engagement auch für Gemeinden in ländlichen Regionen wie in Mecklenburg-Vorpommern. „Geld hat die katholische Kirche doch weiß Gott genug. Das Kölner Bistum ist das reichste auf der Welt. Das Geld muss nur anders verteilt werden“, erklärte er.

Zahl der Neupriester reicht nicht

Laut dem Erzbistum Hamburg seien die Gottesdienste in der Pfarrei Neubrandenburg abgesichert. Allerdings nur, weil eine Riege pensionierter Priester bis heute fast jedes Wochenende unterwegs zu Gottesdiensten ist. Arnold Handke (79 Jahre), Norbert Werbs (78), Adolf Lehnert (80), Heinrich Kuhlage (84) und Anton Beer (80) in Friedland, das ist die Riege der betagten Senioren, die teilweise seit Jahren schon ehrenamtlich in der Seelsorge unterwegs sind. Auf Dauer könnten sich die Kirchen-Oberen aber nicht aufs Ehrenamt verlassen, stellte Evers klar.

Das Erzbistum räumt die Personalsorgen ein. „Die Zahl der Neupriester kann die Zahl der Priester, die in den Ruhestand gehen, nicht ausgleichen. Das ist eine Situation, die sich für das Erzbistum Hamburg wie für die gesamte katholische Kirche in Deutschland stellt”, erklärte ein Sprecher des Bistums. Es komme immer wieder vor, dass Pfarrstellen unbesetzt blieben. Diese würden durch einen Pfarradministrator wie jetzt in Neubrandenburg besetzt.

Gemeinde wird viel zugemutet

Evers wandte sich gegen Beschwichtigungsversuche. „Der Gemeinde wird in schwerer Zeit viel zugemutet“, sagte er und erinnert an die unerledigte Aufarbeitung des Missbrauchs durch den früheren Pfarrer Hermann Josef Timmerbeil zwischen 1946 und 1975. Vom großen Hamburg aus gelte die östlichste Gemeinde des Bistum mit ihren rund 4500  Mitgliedern aber eben als „kleiner pastoraler Raum“. Zur Pfarrei Neubrandenburg gehören unter anderem auch die katholischen Gemeinden von Malchin, Stavenhagen, Friedland und Woldegk.

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