Unsere Themenseiten

Obst am Straßenrand

:

Neubrandenburger sind aktive "Mundräuber"

Bei Neverin ist der Straßenrand ein Schlaraffenland, aus dem sich Obstliebhaber kostenfrei bedienen können.
Bei Neverin ist der Straßenrand ein Schlaraffenland, aus dem sich Obstliebhaber kostenfrei bedienen können.
Anke Brauns

An vielen öffentlichen Straßen und Wegen sind die Bäume voll Obst. In Neubrandenburg ist eine Internetseite sehr beliebt, die zeigt, wo man sich in Maßen bedienen kann.

Himbeeren im Stargarder Bruch, Hagebutten am Reitbahnsee oder eine ganze Straße voll mit Pflaumenbäumen zwischen Neverin und Rossow. Im Spätsommer hängen die Bäume und Sträucher voll mit allerlei gesunden Leckereien. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, kommt öfter mal in der Versuchung, schnell in einen Apfel zu beißen oder eine Kirsche in den Mund zu stecken.

Wenn man gezielt nach einer Obst- oder Beerensorte suchen möchte, kann man sich auf der Internetseite „mundraub.org“ schlau machen. Rund um Neubrandenburg sind rund 100 Standorte aufgelistet, besonders südwestlich der Stadt. Da finden sich vor allem Äpfel, Mirabellen sowie Birnen und Pflaumen aber auch Kastanien. Rund um Burg Stargard oder Friedland sind deutlich weniger Standorte gemeldet.

Eingetragen wurden die Standorte von Hobby-Pflückern, die ihre Mitmenschen an ihren Funden teilhaben lassen wollen. Das Motto von „mundraub.org“ lautet: „Wir verbinden Menschen mit Obstbäumen“. Das erklärte Ziel des Projektes ist es, für ein „fruchtiges Grundauskommen“ aller Menschen in Deutschland zu sorgen.

Gewerbliche Nutzung nicht gern gesehen

Wichtig ist allerdings, dass man den Mund nicht zu voll nimmt. Der Straftatbestand des Mundraubs ist zwar seit 1975 abgeschafft, doch rein rechtlich ist es eine Form des Diebstahls, auch wenn die Bäume auf öffentlichen Flächen oder an Straßen stehen. In Neubrandenburg drückt man da ein Auge zu. „Was die Natur an Früchten hergibt, steht für die Bevölkerung zur Verfügung“, sagt Stadtsprecherin Anett Seidel. „Man sollte allerdings darauf achten, die Bäume und Sträucher beim Pflücken nicht zu beschädigen.“ Auch eine gewerbliche Nutzung des Gepflückten ist gar nicht gerne gesehen. Freuen würde sich die Stadt, wenn sie Wildobstbestände gemeldet bekäme. „Das ist für uns von Interesse, wo so etwas noch steht“, führt die Sprecherin an.

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte toleriert ebenfalls das Obstsammeln von Bäumen an seinen Kreisstraßen. „Natürlich gehen wir davon aus, dass es bei entsprechenden Mengen für den eigenen Haushalt bleibt“, unterstreicht Sprecherin Haidrun Pergande. Und selbstverständlich müssten Sammler ihre Fahrzeuge bei der Gelegenheit so abstellen, dass sie den Verkehr nicht behindern oder Bankette beschädigen. „Wer am Straßenrand Obst sammelt, ist für seine Sicherheit selbst verantwortlich“, gibt die Sprecherin zu bedenken.

Auch im Amt Neverin wird das Pflücken geduldet. Die Kommune ist sogar ganz froh darüber, wenn Menschen im Herbst etwa Fallobst von Radwegen aufklauben und mitnehmen, das spart den Aufwand für die Beseitigung. Wer schnell mal mit dem Auto anhalten und Obst einsammeln will, sollte allerdings aufpassen. „An engen und schlecht einsehbaren Stellen kann es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen, wenn dort die Fahrzeuge einfach abgestellt werden“, sagt Alexander Diekow, Leiter Fachbereich Bau und Ordnung beim Amt Neverin.

Nicht an Privateigentum vergreifen!

Aufpassen müssen Obstliebhaber aber auch, dass sie sich nicht an Privateigentum vergreifen und etwa auf fremde Grundstücke vordringen. Denn dann droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei der zuständigen Behörde nachfragen, ob von einem Baum oder Strauch geerntet werden darf. In der freien Natur kann man zumindest rechtlich bedenkenlos zugreifen. „Wälder sind grundsätzlich öffentlich zugänglich“, führt Diekow an. Als wild lebende Pflanzen gelten alle nicht kultivierten Gewächse.

Hier gibt es mehr Informationen zur Initiative "Mundraub".