Bauarbeiten

Neubrandenburger Stadtviertel im Stau-Würgegriff

Während Bauarbeiten am Pferdemarkt bereits an den Autofahrer-Nerven zerren, hat die Stadt längst mit der nächsten Großbaustelle begonnen. War das wirklich notwendig?
Auto hinter Auto hinter Auto: So sieht es Tag für Tag in der Großen Krauthöferstraße aus.
Auto hinter Auto hinter Auto: So sieht es Tag für Tag in der Großen Krauthöferstraße aus. Tim Prahle
Die Straßensanierung in der Ziegelbergstraße soll noch bis zum Jahresende 2022 andauern.
Die Straßensanierung in der Ziegelbergstraße soll noch bis zum Jahresende 2022 andauern. Tim Prahle
Die Arbeiten am Pferdemarkt sind bis Dezember 2021 geplant.
Die Arbeiten am Pferdemarkt sind bis Dezember 2021 geplant. Tim Prahle
Neubrandenburg

Für kurze Zeit schien am Pferdemarkt am Montag die große Freiheit zu winken. Überraschend und früher als geplant waren am Nachmittag nicht nur die zwei Spuren zur Demminer Straße und die Innenspur des Rings geöffnet, sondern auch der Abzweig zur Woldegker Straße, wie Nordkurier-Leser berichteten. Es dürfte ein kurzes Vergnügen gewesen sein, von Dienstag an, will sich das Straßenbauamt die beiden Abbiegespuren vorknöpfen. Das dürfte vor allem im Katharinenviertel zu spüren sein, das Verkehrsteilnehmer bereits seit Wochen als Umleitung nutzen.

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Dass ausgerechnet hier seit Juli ebenfalls gebaut wird, stößt da zuweilen auf Unverständnis. Bereits seit Juli laufen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Ziegelbergstraße. So sammelt sich der gesamte Verkehr in der Großen Krauthöferstraße, gerade im Kreuzungsbereich kommt es bei Abbiegern und Gegenverkehr zu teilweise abenteuerlichen Konstellationen. Gibt es da nicht bessere verkehrsplanerische Lösungen? Tatsächlich habe die Stadt darüber nachgedacht, die Große Krauthöferstraße während der Bauarbeiten am Pferdemarkt als Einbahnstraße auszuweisen, sagt Stadtsprecherin Anett Seidel. Die Idee sei verworfen worden, da sich dann zu viel Verkehr in der Katharinenstraße – immerhin in Teilen verkehrsberuhigte Zone – gesammelt hätte. Der aus der Großen Krauthöferstraße ausgesperrte Verkehr hätte sich seinerseits seinen Weg durch das Viertel suchen müssen. Diese Belastung sollte den Anwohnern dort nicht zugemutet werden – zumal mit den Arbeiten an der Ziegelbergstraße die Möglichkeiten begrenzt sind.

Stadt pocht auf Fördermittelfrist

Doch die Stadtverwaltung beharrt darauf, dass ein anderer Zeitpunkt für die umfangreichen Arbeiten dort nicht möglich war. Unter anderem, weil sonst Fördermittel verfallen wären. 900.000 Euro kamen alleine vom Verkehrsministerium in Schwerin, wie dieses mitteilte. Dort widersprechen aber die Verantwortlichen der Darstellung der Stadt. Die bewilligten Fördermittel seien alleine daran gekoppelt, dass die Maßnahme an der Ziegelbergstraße bis zum 30. Juni 2023 abgeschlossen ist. Alles andere liege in der Planungshoheit Neubrandenburgs.

Dort hatten die Planer anderweitig auf die Parallel-Baustelle am Pferdemarkt reagiert und die Arbeiten an der Ziegelbergstraße in drei Bauphasen unterteilt. Nur die erste von den Abschnitten zur Molkereistraße bis zur Wilhelm-Külz-Straße soll zeitgleich laufen. Die Strecke bis Mühlenholzstraße unter Vollsperrung und die zur Großen Krauthöferstraße unter halbseitiger Sperrung sollen 2022 folgen. Zum Jahresende 2022 soll der zweite Bauabschnitt fertiggestellt sein.

Beharren auf halbes Jahr Pufferzeit

Ein halbes Jahr Puffer, um die Fördermittel nicht zu verlieren, hätte die Stadt also durchaus gehabt. Doch wegen des großen Umfangs der Maßnahme an der Ziegelbergstraße habe man genau den behalten wollen. Denn wer wisse schon, auf was die Bauarbeiter unter dem Asphalt alles stoßen, dass die Maßnahme in die Länge zieht, heißt es aus dem Rathaus.

Nun hätte die Stadt Neubrandenburg beim Fördermittelgeber auch eine Verlängerung des Bewilligungszeitraums beantragen können. Das sei bislang nicht geschehen, aber immer noch möglich, teilte das Verkehrsministerium mit. Doch die Stadt winkt dankend ab. „Wir wollen keine Verlängerung, sondern mit den Arbeiten vorankommen und fertig werden“, sagte Sprecherin Seidel. Andernfalls würden alle anderen Sanierungsmaßnahmen, die die Stadt in den kommenden Jahren plant, sich ebenfalls nach hinten verschieben.

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Kommentare (1)

kann man nur mit dem Kopf schütteln. Erst heißt es: Wir müssen alles zeitgleich machen, damit die Fördermittel fließen, dann: Wir beantragen keine Verlängerung der Förderfrist - wir wollen fertig werden, um woanders weiterzumachen. Schön, dass es da keine Rolle spielt, ob der Verkehr fließt oder nicht. Zum Wohle des Verkehrs müssen wir diesen lahmlegen! Tut mir leid, aber den Scheiß der hier verzapft wird kann ich nicht nachvollziehen. Frei nach dem Motto, wenn der Patient tot ist, kann er nicht mehr krank werden.