Nachdem die Katze die Nacht im Haus des Tierschutzvereins verbracht hatte, gab ein Vereinsmitglied es am nächsten Morgen
Nachdem die Katze die Nacht im Haus des Tierschutzvereins verbracht hatte, gab ein Vereinsmitglied es am nächsten Morgen in die Hände des städtischen Tierheims. Dort sollte das Tier seine letzten Stunden verbringen. Kurt Kadow
Tierschutzverein

Neubrandenburger Tierärztin für Katzenbaby-Einschläferung angezeigt

Laut Neubrandenburgs Tierschutzverein-Chef wurde gar nicht erst versucht, die Katze zu behandeln. Die Darstellung der Tierärztin bezeichnet er als Lüge.
Neubrandenburg

Der Vorwurf, den Kurt Kadow gegen eine Tierärztin erhebt, klingt heftig. „Hiermit stelle ich Strafanzeige wegen der Tötung einer jungen Katze.” Doch der Vorsitzende des Neubrandenburger Tierschutzvereins ist sich sicher. Dass die junge Fundkatze eingeschläfert und nicht behandelt wurde, sei eine Straftat. „Das Kitten war zwar dünn, fraß und trank aber genug und machte einen sehr gesunden Eindruck”, schätzt Kadow ein.

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Am 4. Juli erhielt der stadtbekannte Katzen-Freund einen Anruf. Im Kulturpark befinde sich beim Ziegengehege ein Katzenkitten. Kadow tat das, was er in Situationen wie diesen immer tut – er stieg in sein Auto, fuhr zur Fundstelle und nahm das Tier in die Obhut des Tierschutzvereins. Das Tierheim hatte zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen.

Nachdem die Katze die Nacht im Haus des Tierschutzvereins verbracht hatte, gab ein Vereinsmitglied es am nächsten Morgen in die Hände des städtischen Tierheims. Dort sollte das Tier seine letzten Stunden verbringen. „Am Abend wurde es durch die Tierärztin getötet”, sagt Kurt Kadow. Kurt Kadow sagt bewusst „getötet” und nicht „eingeschläfert”. Denn die Tierärztin und das Tierheim hätten nicht versucht, die Katze zu behandeln.

Tierärztin stellt Darmverschluss fest

Die verantwortliche Tierärztin sagt jedoch etwas anderes. Die Katze sei stark geschwächt gewesen, als eine Mitarbeiterin des Tierheims sie am Mittag zu ihrer Sprechstunde brachte. „Das Tier konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten”, sagt die Ärztin. Es habe eine Körpertemperatur von 35 Grad gehabt, worauf es ein Schmerzmittel bekam und mithilfe einer Wärmebox gewärmt wurde.

Anschließend suchte die Tierärztin nach dem Grund für die Unterkühlung und die Unterernährung – und stellte Anzeichen eines Darmverschlusses fest. Fester Kot habe wahrscheinlich den Darm verstopft und die Verdauungstätigkeit zum Erliegen gebracht, so dass die Katze nichts mehr fressen konnte. „Wir haben daraufhin einen Einlauf gemacht, aber das war erfolglos”, sagt sie.

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Die einzige Möglichkeit, die Katze zu retten, wäre der Ärztin zufolge eine Operation gewesen – wofür das Kitten aber zu schwach gewesen sei. „Sie war absolut nicht narkosefähig”, gibt die Veterinärmedizinerin ihre Einschätzung wieder. Deshalb habe sie beschlossen, die junge Katze zu erlösen. „Sonst wäre sie in den folgenden Stunden verstorben und dies eventuell qualvoll”, sagt die Tierärztin. Röntgenaufnahmen, die ihre Diagnose bestätigen würden, könne sie nicht herausgeben. Die Hinweise seien jedoch eindeutig gewesen. „Die Entscheidung, ein Tier einzuschläfern, ist nie leicht und wird nie aus wirtschaftlichen Gründen getroffen. Im Falle der kleinen Katze war es auf Grund der Befunde leider eindeutig”, sagt die Ärztin.

Auch das städtische Tierheim wehrt sich gegen die Vorwürfe. Eine Sprecherin betont, dass alles Notwendige unternommen und die Fürsorgepflicht erfüllt worden sei. „Die Katze wäre ohne Nichtstun jämmerlich verstorben”, sagt sie. Dem Urteil einer Tierärztin sollte darüber hinaus Glauben geschenkt werden.

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Eine Erklärung, die Kurt Kadow in Aufruhr versetzt. „Das mit dem Darmverschluss ist nur ein Vorwand – eine Lüge”, behauptet der Vorsitzende des Tierschutzvereines. Die Katze habe noch am Morgen des Tages der Einschläferung normal Kot abgegeben, wie seine Mitarbeiterin ihm bestätigt habe. Auch Nahrung habe sie aufgenommen. Es sei zudem nicht der erste Fall, der nach diesem Schema ablaufe. „Mehrfach wurden Tiere noch am Tag der Einlieferung eingeschläfert, obwohl sie nur kleine Beschwerden hatten”, sagt Kadow. Er wolle deshalb keine gefundenen Tiere mehr ans Tierheim geben – und an seiner Strafanzeige festhalten.

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