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Neubrandenburger Unternehmen sucht Investoren in der Insolvenz

Erst kam die Liquiditätskrise, dann auch noch Corona. Aber das Neubrandenburger Unternehmen SMW sieht sich trotz der Widrigkeiten auf gutem Weg. Insolvenz, Investition, Investorensuche – diese drei Begriffe stehen in den nächsten Wochen im Mittelpunkt.
Geschäftsführer Michael Walter ist sich sicher, dass die Arbeitsplätze bei der Firma SMW Zukunft haben.
Geschäftsführer Michael Walter ist sich sicher, dass die Arbeitsplätze bei der Firma SMW Zukunft haben. Jörg Franze
SMW ist ein wichtiger Zulieferer für Eisen- und Straßenbahnhersteller und fertigt unter anderem Drehgestelle, Zugvo
SMW ist ein wichtiger Zulieferer für Eisen- und Straßenbahnhersteller und fertigt unter anderem Drehgestelle, Zugvorrichtungen, Kupplungen sowie Puffer für Lokomotiven und Waggons. Jörg Franze
Neubrandenburg ·

Eine Krise reicht wohl nicht: Als Michael Walter Anfang des Jahres zum Amtsgericht gehen musste, um für die Neubrandenburger Spezialmaschinen- und Werkzeugbau GmbH (SMW) eine akute Zahlungsunfähigkeit anzumelden, war Corona noch ein Problem im fernen China. Doch als das Insolvenzverfahren vor einigen Wochen eröffnet wurde, hatte die Welt schon eine Pandemie-bedingte Vollbremsung erlebt.

Corona erschwert Einsparungen

„Die Insolvenz ist ja ein Verfahren mit klaren Regeln und läuft planmäßig. Aber Corona hat uns in den vergangenen Wochen vor ganz neue Herausforderungen gestellt“, sagt Walter und führt gleich ein Beispiel an. Denn die Lieferung einer neuen Maschine, die eine kostengünstigere Produktion im eigenen Werk statt teurer Fremdvergabe ermöglichen soll, hat sich dadurch gleich um mehrere Wochen verzögert. Schließlich kommt das gute Teil aus Spanien, ebenso die Monteure dazu – und das war wegen der Corona-Maßnahmen nicht möglich.

Ein weiteres Problem: Nach Ostern musste SMW gut 14 Tage auf Leiharbeiter aus Polen verzichten, weil diese berechtigterweise das Fest bei ihren Familien im Heimatland verbringen wollten, danach aber in Quarantäne mussten. „Gut 2000 Stunden Schweißertätigkeit sind uns so verloren gegangen“, rechnet der SMW-Geschäftsführer vor.

Dem Mittelstand fehlt eine rettende Kapitaldecke

Aber Walter und Insolvenzverwalter Ralph-Jörn Kurschus wollen das Unternehmen aus der Neubrandenburger Oststadt weiterhin auf Kurs bringen. Ein rund 100 Seiten starkes Gutachten, das der Rechtsanwalt erstellt hat, bildet die Basis dafür. Das Unternehmen sei ordentlich geführt worden, bescheinigt Kurschus. „Aber im Mittelstand fehlt eben die Kapitaldecke, um eine schwierige Situation wie Ende 2019 auszubügeln“, ergänzt Michael Walter.

Der ist von Firmeninhaber Eckhard Gellrich ohnehin nach Neubrandenburg geholt worden, um an einer Nachfolgelösung für die Firma zu arbeiten. „Jetzt steht die Suche nach möglichen Investoren eben im Zuge des Insolvenzverfahrens an. Aber auch ohne diesen Schnitt wäre dies ein Thema gewesen“, sagt Walter.

Geschäftsführer: Mitarbeiter müssen keine Angst um ihren Job haben

Für Investoren sei das Unternehmen weiterhin attraktiv, glauben die Verantwortlichen. „Eckhard Gellrich ist einer der herausragenden europäischen Fachmänner für den Bereich Zug und Stoß“, sagt Walter. SMW sei eine anerkannte High-Tech-Schmiede, die zudem noch mit einer Vielzahl an notwendigen Zertifikaten, die für die Belieferung bestimmter Kunden notwendig seien, wuchern könne. Die mit Leiharbeitern rund 220 Beschäftigten müssten also auch bei Umsetzung der Pläne keine Angst um ihren Job haben. „Im Gegenteil, wir haben weiterhin Bedarf an Fachkräften“, sagen Kurschus und Walter.

SMW genießt europaweit einen guten Ruf

Bei der Investorensuche müsse man auch keineswegs bei Null anfangen. Es gebe diverse Interessenten, die bereits Absichtserklärungen unterzeichnet hätten. Das Bieterverfahren werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen, sagt Kurschus. Auch eine kartellrechtliche Überprüfung sei wahrscheinlich notwendig. Der Insolvenzverwalter rechnet deswegen nicht damit, dass SMW die Planinsolvenz noch in diesem Jahr hinter sich lassen wird.

 

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