Bei einem Kinderfest im Mai war der Neubrandenburger Marktplatz voll mit jungen Familien. Eine Prognose der Stadt geht allerdi
Bei einem Kinderfest im Mai war der Neubrandenburger Marktplatz voll mit jungen Familien. Eine Prognose der Stadt geht allerdings davon aus, dass die Bewohner der Stadt immer älter und vor allem deutlich weniger werden. Tim Prahle
Bevölkerungs-Prognose

Neubrandenburger werden immer älter – und weniger

In Neubrandenburg werden künftig jährlich doppelt so viele Menschen sterben wie geboren werden. Der erwartete Zuzug in die Stadt kann das nicht ausgleichen.
Neubrandenburg

Die Zahl der Einwohner Neubrandenburgs wird bis 2035 stark abnehmen. Eine am Donnerstag vorgestellte Bevölkerungsvorausberechnung der Stadtverwaltung prognostiziert, dass in der Vier-Tore-Stadt in 13 Jahren weit weniger als 60.000 Menschen leben könnten. Damit folgt die drittgrößte Stadt in MV dem Landes- sowie Bundestrend.

Zur Wendezeit hatte die damalige DDR-Bezirksstadt noch gut 90.000 Einwohner und galt als eine der jüngsten Städte der DDR. Mit der Wiedervereinigung kam die große Abwanderungswelle, die erst Mitte des vergangenen Jahrzehnts gestoppt werden konnte. Der Demografie kann sich das Oberzentrum allerdings nicht entziehen.

Sterbefälle überwiegt Geburten

Rico Jonassen von der Kommunalen Statistikstelle hat sich für die Vorausberechnung die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte angeschaut. Diese Zeit war geprägt von einem geringen Geburtenniveau, Abwanderung sowie einer demografischen Alterung. Einige dieser Trends setzten sich fort, andere konnten durchbrochen werden. Fakt ist aber: der sogenannte Sterbeüberschuss lässt sich nicht mehr ausgleichen.

Aufgrund der Altersstruktur in Neubrandenburg geht der Statistiker davon aus, dass die Zahl der jährlichen Sterbefälle in Neubrandenburg auf 900 steigt. Da bei einem gleichzeitigen Rückgang der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter und einer Zahl von 1,5 Kindern pro Frau auch nur 400 Neubrandenburger geboren werden, liegt das sogenannte Sterbesaldo bei 500 Menschen im Jahr. Kurz gesagt, es sterben mehr als doppelt so viele Neubrandenburger als geboren werden, lautet die Prognose.

Dem kann auch nicht die Tatsache entgegenwirken, dass Neubrandenburg mittlerweile mehr Menschen anzieht als abwandern. Die Bevölkerungsvorausberechnung bis 2035 geht davon aus, dass die Vier-Tore-Stadt künftig ein positives Wanderungssaldo von 50 Menschen im Jahr erzielen kann. Laut Jonassen zieht Neubrandenburg vor allem Menschen im ausbildungsrelevanten Alter an. „Zum Studium oder zur Ausbildung kommt man nach Neubrandenburg.“ Mit Ende der Berufsausbildung kehren viele junge Familien mit Kindern der Vier-Tore-Stadt aber den Rücken. Ohnehin: „Die leichten Wanderungsgewinne werden den Gestorbenen-Überschuss nicht ausgleichen können“, fasst der Statistiker zusammen.

Bürgermeister will wieder 70.000 Einwohner

Auf dieser Basis geht die Statistikstelle in ihrer Vorausberechnung davon aus, dass die Bevölkerungszahl in Neubrandenburg bis 2035 um fast 10 Prozent sinkt, bei Kindern und Jugendlichen wird sogar ein Rückgang von 18 Prozent prognostiziert, die Zahl der Neubrandenburger im erwerbsfähigen Alter ist voraussichtlich um 15 Prozent rückläufig. Die Zahl der Senioren steigt dagegen um 6 Prozent. Das Durchschnittsalter der Neubrandenburger wird bis 2035 auf 48,9 Jahre prognostiziert.

Summa summarum schätzt Rico Jonassen voraus, dass der Bevölkerungsbestand von aktuell knapp 64.000 bis 2035 auf 58.000 sinkt. Selbst bei einem jährlichen Wanderungssaldo von lediglich 150 Menschen würde die Vier-Tore-Stadt dann nur noch 59.100 Einwohner zählen. Auf die Frage von Ratsherr Marco Messner (Bürger für Neubrandenburg), ob das von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) ausgegebene Ziel von 70.000 Einwohnern bis 2030 zu erreichen ist, sagte der Statistiker mit Blick auf die Wanderungsentwicklung der vergangenen 30 Jahre kurz: nein.

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Kommentare (1)

Kinder machen! Das Einzige das wirklich dagegen hilft.