BAHN

Neubrandenburger Züge fallen aus, damit Güter rollen können

Weil bei Bernau eine Brücke saniert wird, können derzeit zwischen Angermünde und Berlin keine durchgehenden Züge fahren. Während die Personenzüge einfach ausfallen, wird der Güterverkehr umgeleitet – über Pasewalk und Neubrandenburg. Und selbst dort müssen deswegen Personenzüge ausfallen.
Die Bahnstrecke zwischen Pasewalk und Neubrandenburg ist eingleisig – zu wenig Platz für Personen- und Güterz&
Die Bahnstrecke zwischen Pasewalk und Neubrandenburg ist eingleisig – zu wenig Platz für Personen- und Güterzüge. Andy Bünning
Pasewalk.

Pendler auf der Strecke von Bützow über Güstrow, Teterow, Malchin, Neubrandenburg und Pasewalk nach Stettin brauchen traditionell gute Nerven: Alle paar Monate fallen dort wegen Bauarbeiten Züge aus, mitunter müssen die Fahrgäste dann monatelang auf Busse umsteigen.

So ist es auch seit Ende November und noch bis zum 14. Dezember auf dem Abschnitt zwischen Neubrandenburg und Pasewalk: Bis zu zwölf Züge am Tag fallen dort gegenwärtig aus und werden durch Busse ersetzt. Begründung der Bahn: Brückenbauarbeiten.

Strecke, auf der gebaut wird, ist nicht die einzige, auf der deswegen Züge ausfallen

Doch auf Nachfrage bestätigt der Staatskonzern, was zuvor bereits der NDR berichtet hatte: Die Brücke, um die es geht, befindet sich in Bernau. Dort ist gegenwärtig die Strecke zwischen Angermünde und Berlin unterbrochen. Personenzüge werden nicht umgeleitet – ihre Fahrgäste müssen in Bernau in die S-Bahn umsteigen und sind bis zu eine Stunde länger unterwegs. Doch auf der gesperrten Strecke fahren täglich auch mehr als ein Dutzend Güterzüge aus der PCK-Raffinerie in Schwedt nach Berlin.

Die Züge sind für einen Großteil der Bezin-, Diesel- und Kerosinversorgung in der Hauptstadtregion zuständig. Und deswegen werden sie umgeleitet: Über Pasewalk und Neubrandenburg. Weil auf dieser Strecke aber die Kapazitäten nicht ausreichen, fallen Personenzüge aus, damit die Güterzüge rollen können. Obendrein entfällt auch noch die nächtliche Betriebspause, während der normalerweise gar keine Züge fahren: Auch nachts rollen derzeit fast im Stundentakt Kesselwagen aus Schwedt über die Strecke, bestätigten Anwohner dem Nordkurier.

MV-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) ist sauer

Verkehrsminister Pegel ist „unzufrieden“ Die Bahn räumte auf Nordkurier-Anfrage ein, dass die Situation ungünstig für die betroffenen Fahrgäste sei. Man habe die Ausfälle aber extra „pendlerfreundlich“ gestaltet. Sie liegen am frühen Morgen, am späten Vormittag und in den Abendstunden, sodass möglichst wenige Berufspendler betroffen sind. Trotzdem sorgt der Ausfall nicht nur bei den leidgeprüften Bahn-Kunden, sondern selbst bei MV-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) für Ärger: „Wir sind mit dieser Situation sehr unzufrieden“, sagte er dem Nordkurier. Ursache für die Streichungen ist aus seiner Sicht die Tatsache, dass die Bahn „zur Kostenreduzierung ihre Infrastruktur erheblich zurückgebaut hat, sodass sie für Umleitungs- und Störungsfälle nicht mehr leistungsfähig ausgestattet ist.“

Diese Entscheidungen seien allerdings auf Bundes- und nicht auf Landesebene gefallen. Das Land habe deswegen keine Handhabe. Indirekt profitiert Pegels Behörde allerdings schon: Das Land zahlt der Bahn nur für solche Züge Geld, die auch tatsächlich fahren. Für jeden ausgefallenen Zug muss sie deswegen weniger Geld an die Bahn überweisen. An die Pendler wird davon allerdings nichts weitergegeben.

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