Kita-Leiterin Wenke Stadach hat eine echte Rekord-Petition zum Erhalt der Sprach-Kitas angestoßen.
Kita-Leiterin Wenke Stadach hat eine echte Rekord-Petition zum Erhalt der Sprach-Kitas angestoßen. Mirko Hertrich
Claudia Seele befürchtet den Verlust von Fachwissen, falls das Programm bereits jetztendet.
Claudia Seele befürchtet den Verlust von Fachwissen, falls das Programm bereits jetztendet. NK-Archiv
Der Petitionsausschuss des Bundestags wird sich noch im Oktober mit dem Neubrandenburger Anliegen befassen.
Der Petitionsausschuss des Bundestags wird sich noch im Oktober mit dem Neubrandenburger Anliegen befassen. Thomas Imo
Sprach-Kitas

Neubrandenburgerin schafft Rekord-Petition

Eine Neubrandenburger Kita-Leiterin sammelte Unterschriften, um Sprach-Kitas zu retten. Nur drei Petitionen erreichten in den vergangenen 15 Jahren noch mehr Stimmen.
Neubrandenburg

Mehr als 270.000 Unterschriften sind für die Petition einer Neubrandenburgerin für den Erhalt von „Sprach-Kitas“ bereits eingegangen. Diese aktuelle Zahl teilte der Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki (SPD) diese Woche mit Verweis auf die Geschäftsstelle des Petitionsausschusses mit. „Und es wird noch immer ausgezählt“, betonte er.

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Mit dieser Zahl erreichte Kita-Leiterin Wenke Stadach aus der Neubrandenburger Oststadt schon jetzt einen Achtungserfolg. Sie hatte die Petition gestartet und breite Unterstützung für die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ bekommen. Die Bundesregierung hatte die finanzielle Unterstützung für das Programm fristgemäß auslaufen lassen, bundesweit regte sich Widerstand. Schon jetzt ist klar: Die Petition der Neubrandenburgerin ist gemessen an den Unterschriften nicht nur die erfolgreichste des Jahres, sondern auch eine der größten der vergangenen 15 Jahre.

Seit 2010 holten gerade mal drei Petitionen noch mehr Unterschriften. Einen Erfolg garantiert die bloße Menge allerdings nicht. Als Greenpeace knapp 368 000 Unterschriften sammelte, um den Klimaschutz als Staatsziel ins Grundgesetz schreiben zu lassen, wurde dem Anliegen im Petitionsausschuss nicht entsprochen.

Kräftiger Rückenwind für Anhörung am 17. Oktober

Erik von Malottki wird sich nach eigenen Angaben selbst als einer der Berichterstatter der Petition annehmen, sagt er. Die Berichterstatter kümmern sich vor dem Ausschuss um die Anliegen. Zum Prozedere gehört auch, dass die Neubrandenburger Kita-Leiterin am 17.  Oktober nach Berlin reisen wird, wo die zuständige Ministerin Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen) Rede und Antwort stehen muss. „Ich freue mich riesig über die viele Unterstützung. Wir gehen mit kräftigem Rückenwind in die öffentliche Anhörung und ich freue mich darauf, persönlich mit der Bundesfamilienministerin und den Abgeordneten die beste Lösung für eine Fortführung der Sprach-Kitas zu diskutieren“, ließ Wenke Stadach wissen.

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Sie selbst erfährt derzeit von allen Seiten Lob. „Wir sind sehr stolz auf das Engagement und den Erfolg von Wenke Stadach“, sagte Thiemo Fojkar vom Internationalen Bund (IB) auf Nordkurier-Anfrage. Der IB ist Träger der von Wenke Stadach geleiteten Oststadt-Kita.

Die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ hofft konkret auf eine Verlängerung des Programms um zwei Jahre, damit es zwischen Bund und Ländern eine geordnete Übergabe geben und Fachkräfte gehalten werden können.

Alle Kinder profitieren von der Sprachförderung

„Andernfalls droht ein enormer Ressourcenverlust“, sagt Claudia Seele. Sie leitet die Fachstelle Mehrsprachigkeit bei dem freien Jugendhilfeträger RAA-MV. Darüber arbeitet sie für eigene Projekte insbesondere mit Sprach-Kitas und dem dort ausgebildeten Personal zusammen. Sprach-Kitas praktizieren „alltagsintegrierte Sprachbildung“. So werde weit mehr gesprochen, bei jeder Aktivität, die Sprache sei immer dabei, erläutert Claudia Seele. Das bildet nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch Kinder mit deutscher Muttersprache. Dank zusätzlichem Personal hätten die Kitas zudem die Möglichkeit, ganz spezifisch auf die Familien zuzugehen. 15 Sprach-Kitas gibt es allein in Neubrandenburg – durch die bisherige Förderung mit Kapazitäten für Aufgaben, die eine Kita sonst nicht stemmen könnte. „Dieses Fachwissen darf nicht verloren gehen“, betont Claudia Seele.

Am 19.  Oktober wird der Haushalt des Bundesfamilienministeriums in Berlin besprochen. Die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ hat für dieses Datum einen bundesweiten Aktionstag angekündigt, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.

Link zur Online-Petition für Sprach-Kitas

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