TEMPO-SMILEY GEGEN VERKEHRSBELASTUNG

Neubrandenburgern vergeht das Lachen

Der starke Verkehr raubt den Anwohnern in der Carlshöher Straße die Nerven. Von einer Maßnahme der Stadt versprechen sie sich aber auch nicht viel.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Bei diesem Anblick vergeht den Anwohnern das Lachen.
Bei diesem Anblick vergeht den Anwohnern das Lachen. Stadt Neubrandenburg
Neubrandenburg.

Über das grinsende Gesicht auf der Geschwindigkeitsanzeige kann Gabriele Suhr nur höhnisch lachen. Die Anwohnerin der Carlshöher Straße am Rande der Neubrandenburger Oststadt kann ihren schönen Garten des Hauses, in dem sie mit ihrem inzwischen pflegebedürftigen Mann seit 1978 wohnt, kaum nutzen. Beinahe im Minutentakt donnern werktags schwere Laster über die Straße in Richtung Oststadt.

An Ruhe ist dabei nicht zu denken. Bei einer Unterhaltung versteht man sein Gegenüber nur schwer, obwohl schon eine hohe Hecke das Schlimmste abhält. Auch der Staub von den Kieslastern macht den Anwohnern zu schaffen. Oftmals sind ihren Beobachtungen zufolge die Planen zur Sicherung der Ladung nicht richtig angebracht. Auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten sich manche Fahrer nicht, für sie ist Zeit Geld, also drücken sie aufs Tempo.

Immer wieder Beschwerden von Bürgern

Gegen die Belastung durch den Verkehr laufen die Anwohner schon lange Sturm. Die Verwaltung hat nun zumindest einen Schritt gemacht. In der Carlshöher Straße wurde Ende vergangener Woche eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage installiert. Dem Autofahrer wird darauf angezeigt, wie schnell er unterwegs ist. Die Anlage erfasst den in Richtung Oststadt fahrenden Verkehr. Bei Einhaltung des Tempolimits erscheint die gefahrene Geschwindigkeit und danach ein Smiley. Bei Überschreitung des Tempolimits erscheint ebenfalls die gefahrene Geschwindigkeit, die zulässige Geschwindigkeit und ein trauriger Smiley.

Immer wieder habe es Anfragen und Beschwerden von Bürgern gegeben, die sich über zu schnelles Fahren in der Carlshöher Straße beklagt hätten, teilte die Verwaltung mit. Die Stadt habe sich sich deshalb für diese mobile Geschwindigkeitsmessanlage entschieden. „Erfahrungswerte besagen, dass durch die Anzeige Autofahrer sensibilisiert werden und somit Geschwindigkeitsreduzierungen bis zu zehn Prozent möglich sind“, hieß es seitens der Stadt. Mit dem Einsatz sollen Vergleichswerte zu bereits durchgeführten verdeckten Messungen ermittelt werden.

Dünne Antwort vom Petitionsausschuss

Die Anwohner sind da skeptisch. Für sie ist es ohnehin nicht verständlich, warum der Verkehr etwa von der Kiesgrube überhaupt in Richtung Oststadt rollen darf. „Dort stehen bis zur Bundesstraße insgesamt sieben Ampeln“, sagt Gabriele Suhr. An allen müssten die tonnenschweren Lastwagen im schlimmsten Fall anhalten. Das heißt, bremsen, wieder anfahren, höherer Dieselverbrauch und damit Emissionen sowie Lärmbelastung. Anwohner monieren auch, dass der überregionale Transportverkehr die Strecke nutzt, um Staus auf dem Friedrich-Engels-Ring zu umgehen.

Am liebsten wäre es den Anliegern der Carlshöher Straße, die Stadt würde zur alten Regelung zurückkehren, dass der Transportverkehr über die Steinstraße geführt werde. „Auf der Strecke gibt es auch nur eine Ampel“, sagt Kurt Rekow vom ACE Auto Club Europa. Das alte Rechtsabbiegerschild wurde seinen Angaben zufolge einfach mal abmontiert. Seitdem donnern die Lastwagen an dem Wohngebiet vorbei.

„Warum interessiert sich eigentlich keiner für uns“, gibt sich Gabriele Suhr resigniert. Eine Anfrage an den Petitionsausschuss des Landtages sei beispielsweise erst nach zwei Jahren nichtssagend beantwortet worden. Ihre Mitstreiter und Sie wünschen sich von der neuen Stadtvertretung Impulse, auch wenn sie sich wenig Hoffnung machen. Die Verwaltung prüft derweil weitere Aufstellmöglichkeiten für den mobilen Smiley im Stadtgebiet.

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