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Neubrandenburgs Böllerdebatte führt zu Meinungsfeuerwerk

Wie eine Alternative zu überbordender Silvesterknallerei und Müllbelastung aussehen könnte – daran scheiden sich die Geister. Die Debatte hat gerade erst begonnen.
Leergeschossene, aber nicht weggeräumte Böller-Batterien gehören zu den unschönen Hinterlassenschaften der
Leergeschossene, aber nicht weggeräumte Böller-Batterien gehören zu den unschönen Hinterlassenschaften der Feuerwerksnacht. Paul Zinken
Neubrandenburg.

An der Frage, wie und wo in Neubrandenburg künftig „geböllert“ werden darf, entzündet sich ein Feuerwerk verschiedener Meinungen. Hintergrund ist das Bestreben, sowohl der Gefährdung von Natur und Bauwerken als auch den riesigen Müllmengen entgegenzuwirken. Der Vorschlag von Oberbürgermeister Silvio Witt, mit einem zentralen Feuerwerk eine attraktive Alternative zur ausufernden privaten Knallerei zu bieten, findet ein gespaltenes Echo.

Eine zentrale Veranstaltung?

Nicht über die Köpfe der Einwohner hinweg zu handeln, fordert Hans-Jürgen Schwanke, CDU-Stadtvertreter und Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Ordnung und Sicherheit. Auf seine herausfordernde Frage im jüngsten Ausschuss, wer denn bereit sei, sofortigen Verzicht aufs Böllern zu geloben, heben alle Anwesenden prompt die Hand – ein definitiv nicht repräsentatives Votum.

Ein generelles Verbot privater Feuerwerke sei politisch nicht durchsetzbar, gibt denn auch Thomas Schröder (Die Linke) zu bedenken. Eine zentrale Veranstaltung jedoch könne ein „Hotspot“ sein, ein Erlebnis für viele, die dann auf die eigene Zündel-Zeremonie verzichten könnten. Für bestimmte Orte in der Stadt sei ein Verbot allerdings erforderlich, verweist Schröder zum Beispiel auf die historischen Wahrzeichen der Stadt. Im Hinblick auf das Müllaufkommen meldet er allerdings Zweifel an, ob die zusätzlich aufgestellten Container der vergangenen Silvesternächte wirklich „was bringen“ als Motivation, die Raketen-Überbleibsel umgehend aufzuräumen.

50.000 Euro Reinigungskosten

Die einfach stehen gelassenen Feuerwerksbatterien sprechen jedenfalls eine andere Sprache, bestätigt der stellvertretende Oberbürgermeister Peter Modemann. In der Neujahrsnacht 2020 hätten sich vielfach Bushaltestellen und die Mittelstreifen der großen Straßen als beliebte „Abschussrampen“ erwiesen – und leider wohl anonym genug, dass sich die privaten Feuerwerker für ihre Hinterlassenschaften nicht zuständig fühlen. Auf rund 50.000 Euro beziffert die Stadtverwaltung die Kosten für die diesjährigen Reinigungs- und Aufräumarbeiten, die sich über mehrere Wochen hinzogen.

Müllvermeidung ebenso wie Umwelt-, Tier- und Lärmschutz, aber auch Sicherheitsfragen zählt Rainer Kirchhefer (Bündnis 90/Die Grünen) als Aspekte der Feuerwerksdebatte auf. Er fände es erstrebenswert, im Sinne des Verursacherprinzips die Stadt von den Aufräumkosten zu entlasten und dafür die Urheber in die Pflicht zu nehmen. Selbst das wäre „nur die zweitbeste Lösung“, meint Modemann: „Die beste wäre es, jeder würde Müll vermeiden oder eben selbst wegräumen.“

Eine mögliche zentrale Veranstaltung solle indessen nicht so verstanden werden, dass halb Neubrandenburg sich an einem Fleck versammelt: Anzustreben sei eher ein Feuerwerk, das durch günstige Platzierung von vielen gesehen werden kann. Die Diskussion über Müllvermeidung, knallerfreie Zonen und eine ansehnliche Alternative dürfte somit noch lange nicht erschöpft sein.

 

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