Die Neubrandenburger Schwimmhalle im Weideweg ist über 40 Jahre alt. Für einen Neubau wird ein Standort gesucht, was
Die Neubrandenburger Schwimmhalle im Weideweg ist über 40 Jahre alt. Für einen Neubau wird ein Standort gesucht, was aber umstritten ist. Mirko Hertrich
Das denkmalgeschützte Lokschuppen-Areal in Neubrandenburg ist nach Ansicht eines beauftragten externen Büros trotz e
Das denkmalgeschützte Lokschuppen-Areal in Neubrandenburg ist nach Ansicht eines beauftragten externen Büros trotz einer hohen Belastung mit Altlasten aussichtsreichster Standort. Ulrich Leist
Einer der in der Machbarkeitsstudie untersuchten Standorte für die neue Schwimmhalle ist der sogenannte Divi-Parkplatz un
Einer der in der Machbarkeitsstudie untersuchten Standorte für die neue Schwimmhalle ist der sogenannte Divi-Parkplatz unweit des alten Standorts am Weidenweg. Mirko Hertrich
Diskussion

Neue Schwimmhalle für Neubrandenburg - hier könnte sie stehen

Auf der Suche nach dem besten Platz für den Neubau der Neubrandenburger Schwimmhalle sieht eine Machbarkeitsstudie einen möglichen Bauplatz ganz weit vorne. Es wird aber noch dauern, bis die Pläne umgesetzt werden können.
Neubrandenburg

Das denkmalgeschützte Areal rings um den alten Lokschuppen am Neubrandenburger Bahnhof hat bei der Auswahl eines geeigneten Standortes für eine neue Schwimmhalle erneut das Rennen gemacht. Das ist das Ergebnis einer erweiterten Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros „Kplan“, welche am Mittwoch auf einer Sondersitzung von gleich drei Ausschüssen der Stadtvertretung in der Aula der Regionalschule Ost in der Oststadt vorgestellt wurde.

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Messeplatz weit abgeschlagen

Mit über 80 Prozent der sogenannten Zielerreichung ist der Lokschuppen als Sieger aus der Untersuchung von „Kplan“ hervorgegangen. Dahinter reihen sich im Ranking des Ingenieurbüros der Weidenweg sowie abgeschlagen das RWN-Gelände und weit abgeschlagen der Messeplatz ein.

Als besonders gut wurde bewertet, dass das Lokschuppen-Areal zu 100 Prozent im kommunalen Besitz sei und nur unweit von Bahnhof, Busbahnhof und Zentrum liege. Wegen des Denkmalschutzes sei der städtebauliche Mehraufwand mit 6,2 Millionen Euro zwar hoch. Die Autoren der Machbarkeitsstudie sehen aber je nach gewählter Variante Förderpotenziale.

Kosten von mindestens 22,1 Millionen Euro

Vor allem die Aussicht auf diese Fördermittel sind es, die für die Stadt den Standort im denkmalgeschützten Lokschuppen-Areal am Neubrandenburger Bahnhof interessant macht. Nach den Worten von Neubrandenburgs oberstem Stadtplaner Frank Renner lägen die Kosten dort für die Errichtung „unter Beachtung von Denkmalschutz und Sanierung“ mit 22,1 Millionen Euro zwar am höchsten. Da sich das Lokschuppen-Areal aber in einem Städtebaufördergebiet befindet, setzt die Stadt auf Mittel von Land und Bund von 10 bis 12 Millionen Euro. Der städtische Anteil würde sich laut Renner dann auf knapp 10 Millionen Euro belaufen.

Am Standort am Weidenweg stehen ebenfalls Fördermittel in ähnlicher Höhe in Aussicht. Messeplatz und RWN-Gelände kriegen keine Förderung. Damit müsste die Stadt die Kosten von über 15 Millionen Euro alleine schultern, was in der Machbarkeitsstudie als mögliches K.O.-Kriterium angeführt wird.

Ein Schwimmhallen-Neubau auf dem Divi-Parkplatz hat aus Sicht von „Kplan“ trotz Fördermitteln ebenfalls einen Haken. Denn als Ausgleich für die wegfallenden Parkplätze in Innenstadtnähe müsste für gut sechs Millionen Euro ein dreigeschossiges Parkhaus mit 465 Plätzen gebaut werden. Hinzu kämen „erhöhe Gründungsaufwendungen“, so Renner. Damit würde der städtische Anteil der Grobschätzung zufolge bei rund 13,4 Millionen Euro liegen.

Baubeginn nicht vor 2025

Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) sagte, oberstes Ziel der Stadt sei es, dass es eine neue Schwimmhalle geben solle. Die Stadtverwaltung hofft auf ein abschließendes Votum der Stadtvertretung im kommenden Jahr. Der Oberbürgermeister rechnet aber nicht mit einem Baubeginn vor 2025. Diese Zeit werde benötigt für die Planungen und die Beantragung der notwendigen Fördermittel.

Das auf die Planung von Schwimmhallen und Spaßbädern spezialisierte Unternehmen „Kplan“ aus Bayern hatte den alten Lokschuppen bereits im Frühjahr mit einer Zielerreichung von 80 Prozent zum am besten geeigneten Platz für den Bau einer neuen Schwimmhalle in Neubrandenburg gekürt. In der Stadtvertretung regten sich aber Bedenken vor allem hinsichtlich der Kosten für Altlastenbeseitigung, Bau und Betrieb. Vor allem die CDU-Fraktion hält den Standort auf dem Divi-Parkplatz an der Neustrelitzer Straße unweit der bestehenden Schwimmhalle für besser geeignet. Sie wünscht sich dort in der Nähe auch einen Ersatzneubau für die Grundschule Süd, die aus allen Nähten platzt.

Lokschuppen-Areal ist weiterhin kontaminiert

Das stark mit Altlasten kontaminierte Lokschuppen-Areal ist seit Jahren ungenutzt. Der Bau einer Schwimmhalle auf dem kontaminierten Boden war schon 2015 Bestandteil der Pläne zur Wiederbelebung des gesamten Lokschuppen-Areals zwischen Vogelviertel und Bahnhof. Die Stadt hatte das Gelände 2014 von der Bahn erworben, weil der Neubrandenburger Unternehmer Marco Gillmeister ehrgeizige Pläne mit dem Areal in der Tasche hatte und dort unter anderem auch eine Schwimmhalle errichten wollte. Das Vorhaben scheiterte dann aber aus verschiedenen Gründen.

Witt lobte, dass Marco Gillmeister „den Standort platziert“ hat in der öffentlichen Diskussion. Er gab zu bedenken, dass bei einer Entscheidung gegen das Lokschuppen-Areal als Schwimmhallen-Standort dieses aber immer noch da sei. Die Kommune oder Privatinvestoren stünden dann vor „großen Herausforderungen“. Das Lokschuppen-Areal ist auch im Gespräch als neue Heimstatt eines Digitalisierungs- und Innovationszentrums (DIZ). Nach den Worten Frank Renners könnten beide Projekte auf dem Areal realisiert werden. Mit Blick auf die Vorarbeit von Marco Gillmeister sagte der Stadtplaner, dieser habe nachgewiesen, dass man eine Schwimmhalle „in so einem Denkmal auch unterbringen kann“.

Vereine drücken aufs Tempo

Anders als bei der ersten Vorstellung der Machbarkeitsstudie im Frühjahr verlief die Diskussion bei der als Informationsveranstaltung gedachten Sondersitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung, Finanzen sowie Generationen, Bildung und Sport am Mittwochabend in der Schulaula sehr sachlich ab. Die anwesenden Vertreter Neubrandenburger Sportvereine wie der Polizeisportverein 90 Neubrandenburg (PSV), Sportclub Neubrandenburg (SCN) sowie der Neubrandenburger Schwimmsportverein „Delphin“ stellten viele Sachfragen, drängten aber aufs Tempo. Vertreter des PSV sprachen sich für den Lokschuppen als Standort aus, die anderen Funktionäre plädierten für den Weidenweg unter anderem wegen ihrer Ansicht nach kürzerer Wege und besserer Erreichbarkeit.

In einem Abschlussstatement wies Oberbürgermeister Silvio Witt noch einmal darauf hin, dass die Stadtvertreter die Entscheidung zum Standort treffen müssen. Das Gutachten sei als „Entscheidungshilfe zu“ betrachten. Im Februar wird die Verwaltung seinen Worten nach eine entsprechende Beschlussvorlage einbringen, um im Ergebnis einen Beschluss zum Standort zu haben und die Schwimmhallen-Planung weiter vorzutreiben zu können.

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