AUSSTEHENDE STEUERN UND ABGABEN

Neveriner Solarfläche wird zwangsversteigert

Ein Grundstück in Neverin muss Ende März zwangsversteigert werden. Die Gemeinde will so an ausstehende Steuern und Abgaben kommen. Auf der Fläche stehen Solaranlagen. Das undurchsichtige Gestrüpp von Eigentümern und Betreibern ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker.
Das Grundstück mit dem Solarpark in Neverin wird Ende März zwangsversteigert.
Das Grundstück mit dem Solarpark in Neverin wird Ende März zwangsversteigert. Tim Prahle
Neben dem alten Solarpark (hintere Fläche) wir zurzeit ein neuer gebaut. Allerdings mit anderem EIgentümer und Betre
Neben dem alten Solarpark (hintere Fläche) wir zurzeit ein neuer gebaut. Allerdings mit anderem EIgentümer und Betreiber. Tim Prahle
Neubrandenburg ·

Ein gut 50 000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem Solaranlagen stehen, soll zwangsversteigert werden. Insgesamt könnten gar drei Flächen, die neben den Anlagen auch ein Trafohaus und weitere Gebäude beheimaten, mit einen Verkehrswert von knapp 412 000 Euro einen neuen Besitzer finden. Mindestens 206 000 Euro müssten geboten werden. Es ist sicher kein Zufall, dass sich diese Neuigkeit vom ehemaligen Wertstoffhof Neverin gerade in der Brunner Bürgerinitiative „Kleiner Landgraben“ schnell herumsprach. Für die Gegner des Solarparks in Brunn stellt der Neveriner Fall vieles von dem dar, was auch sie befürchten.

Der Hintergrund der Zwangsversteigerung beim Amtsgericht Neubrandenburg am 30. März sind ausstehende Steuern und Abgaben. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) hat auch das Land Mecklenburg-Vorpommern bereits finanzielle Ansprüche angemeldet.

Wie viel der Eigentümer der Gemeinde Neverin schuldet, war zunächst beim Amt Neverin nicht in Erfahrung zu bringen. Auch zum Wohnort des Schuldners machte das Amt keine Angaben. Doch klar ist: Die Besitzverhältnisse hatten sich in den letzten Jahren häufig verändert. Selbst Bürgermeister Nico Klose kam kaum noch mit. Seiner aktuellen Kenntnis zufolge gebe es einen Eigentümer aus den USA.

Neben dem Besitzer des Bodens geht aus dem Gutachten für die Zwangsversteigerung auch ein laufender Pachtvertrag hervor, der mit übernommen werden muss. Die Solaranlage wurde in Anteilen über eine Investmentfirma aus Schweinfurt (Bayern) vermarktet. 2016 ging sie ans Netz, auf vorerst 20 Jahre ist die Pachtdauer angesetzt.

Solaranlagen sollen nicht mehr in Betrieb sein

Dass von dem Grundstück aus mal Geld in den Gemeindehaushalt floss, ist nach Angaben von Bürgermeister Klose länger her. 2014 habe die Gemeinde ganze 408 Euro erhalten. Dazu kommt, dass die Anlagen nach bislang unbestätigten Nordkurier-Informationen seit gut einem Jahr gar nicht mehr im Betrieb sind. Im März 2019 hatten Unbekannte 37 Wechselrichter im Wert von 110 000 Euro erbeutet. Nun hat die grundsätzliche Existenz der Solaranlagen wenig mit der Zahlungsunwilligkeit des Eigentümers zu tun. Doch die unübersichtlichen Besitzverhältnisse kommen Kritikern neuer Solarflächen entgegen.

Andere Investoren sind ebenfalls nicht begeistert. „Es ist nicht vergleichbar mit dem, was wir bei uns vorhaben“, sagt beispielsweise Landwirt Max Albrecht, der in Ihlenfeld 20 Hektar bebauen möchte. Dies sei kein Glücksspiel, sondern eine nachhaltige regionale Investition. Auch Jörg Fischer, Vorstandsmitglied der EnviTec Biogas GmbH, die für das große 200-Hektar-Vorhaben in Brunn verantwortlich ist, hatte sich bereits einige Male gegen solch schwarze Schafe ausgesprochen. Sein Unternehmen hingegen habe sich über Jahre in der Region als verlässlicher Partner erwiesen. Doch vielleicht holt die Zwangsversteigerung zumindest die Fläche wieder in regionalen Besitz zurück. Bürgermeister Klose zufolge gebe es erste Interessensbekundungen. Direkt neben der alten wird darüber hinaus noch in diesem Jahr eine neue Anlage von einer Firma aus der Müritzregion in Betrieb genommen.

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