Die 44-jährige Mandy Jahnke pendelt täglich von Neustrelitz nach Strasburg. Nicht selten sieht sie unterwegs Wildunf
Die 44-jährige Mandy Jahnke pendelt täglich von Neustrelitz nach Strasburg. Nicht selten sieht sie unterwegs Wildunfälle. ZVG
Falko Gildhorn pendelt auch täglich zur Arbeit.
Falko Gildhorn pendelt auch täglich zur Arbeit. ZVG
Mobilität

Nicht ohne mein Auto – so funktioniert Pendeln in MV

43 Prozent der Menschen in MV nutzen täglich das Auto. Gerade Pendler haben im Land der weiten Wege oft kaum Alternativen – wie unsere Beispiele zeigen.
Pasewalk

Falko Gildhorn aus Neubrandenburg und Mandy Jahnke aus Neustrelitz verbringen jede Woche einen ganzen Arbeitstag im Auto. Sie gehören zu den 43 Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die täglich ihr Auto nutzen. Wer in MV lebt, verbringt überdurchschnittlich viel Zeit auf der Straße, im Bundesdurchschnitt sitzen nur 34 Prozent täglich am Steuer. Das geht aus dem aktuellen Energiewendebarometer der staatlichen Förderbank KfW hervor.

Falko Gildhorn arbeitet bei der Sparkasse Uecker-Randow in Pasewalk. Seit einem Jahr tourt der 42-Jährige dafür täglich von Neubrandenburg in die Kleinstadt. Das sind 45 Minuten pro Tour, meistens auf der Autobahn. Zur Arbeit und zurück fährt er am Tag 100 Kilometer. In der Woche, so rechnet Falko Gildhorn, verbringt er rund einen ganzen Arbeitstag auf der Straße.

Im Monat gehen 100 Euro nur für Sprit drauf

Das Pendeln kostet ihn rund 100 Euro im Monat für Kraftstoff, wovon er einen Teil von der Steuer absetzen kann. Manchmal bildet er mit Kollegen Fahrgemeinschaften, dann wird das Geld geteilt. „Ich bin mit dem Auto einfach flexibler und unabhängiger“, sagt der dreifache Vater. Auch kann er im Auto schon arbeiten: „Ausgerüstet mit Freisprechanlage und Navigationsgerät kann ich schon wichtige Termine abklären.“

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Manchmal macht ihm die Fahrerei sogar Spaß. „Man erlebt unterwegs so einiges.“ Besonders beeindruckend sind für ihn Vogelschwärme zur Zeit des Vogelzugs. „Kraniche oder Gänse im Sonnenaufgang zu beobachten, das ist schon gigantisch.“ Doch auch Lastwagen im Graben oder Polizeikontrollen gehören für ihn zum Alltag.

Laut Energiebarometer ist das Auto für 63 Prozent der Befragten ein Garant für Unabhängigkeit. Wäre der Personennahverkehr besser eingestellt, würden 52 Prozent der Menschen im Nordosten auf Bus oder Bahn umsteigen. Auch Falko Gildhorn würde das gern tun. Doch heute müsste er für jede Tour eine halbe Stunde mehr Zeit einplanen.

Jede Woche mit Wildunfällen konfrontiert

So geht es auch Mandy Jahnke, die täglich von Neustrelitz nach Strasburg zur Arbeit fährt. Gern würde die 44-Jährige den Bus oder die Bahn nutzen. „Es wäre einfach sicherer und entspannter“, sagt sie.

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Für die Fahrt zu ihrer Arbeitsstelle, der Kommunalen Zusatzversorgungskasse Mecklenburg-Vorpommern, braucht sie eine Stunde pro Tour. Das sind zwei Stunden am Tag auf der Straße. Gerade im Winter, wenn es dunkel ist, ist das anstrengend und gefährlich. Viele Lkw sind auf der Strecke unterwegs. Wöchentlich sieht sie Wildunfälle. Sie selbst konnte unlängst einem Waschbären nicht ausweichen, der Schaden belief sich auf 3000 Euro.

Auto hat große Bedeutung für viele Haushalte

Auch sie kommt auf 100 Euro Spritkosten im Monat. Sie und ihr Mann haben zwei Autos. Das Energiebarometer hat im Durchschnitt ein Auto pro Haushalt in MV ermittelt. Damit liegt das nordöstliche Bundesland knapp unter dem bundesdeutschen Wert von 1,1 Pkw pro Haushalt.

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Für das Energiewendebarometer werden jährlich etwa 4000 Haushalte in Deutschland zu Entscheidungen und Einstellungen rund um das Thema Klimaschutz befragt. Die Ergebnisse zeigten deutlich, welche hohe Bedeutung das Auto für die Mobilität der meisten Haushalte immer noch habe, sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Wenn Emissionen des Verkehrs reduziert werden sollen, müsse man zum einen die Elektrifizierung der Autos vorantreiben. Zudem sei es aber auch nötig, den Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel, wie den öffentlichen Nahverkehr, zu erleichtern.

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