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Not macht erfinderisch: Wie Dörfer dem demografischen Wandel trotzen

VonChristiane JackeRollende Bankfilialen, ein Kita-Fahrservice, private Autos als Busersatz: In vielen Regionen kommen Menschen auf originelle Ideen, um mit ...

Arztsprechzeiten finden, Verwaltungsdinge erledigen oder mit den Enkeln skypen - das Internet kann älteren Menschen Vieles erleichtern, gerade wenn sie abgelegen wohnen.  FOTO: Patrick Pleul

VonChristiane Jacke

Rollende Bankfilialen, ein Kita-Fahrservice, private Autos als Busersatz: In vielen Regionen kommen Menschen auf originelle Ideen, um mit dem Altern der Gesellschaft zurecht-
zukommen. Einige Beispiele.

Hessen
Weil es zu wenig Busse auf dem Land gibt, werden in Nordhessen private Autofahrten in die Fahrpläne von Bussen und Bahnen aufgenommen. Menschen sollen dadurch mobiler werden, auch wenn mal kein Bus fährt.
Das Pilotprojekt „Mobilfalt“ des Nordhessischen Verkehrsverbundes ist bundesweit einmalig. Findet sich zu den festen Zeiten kein privater Fahrer, übernimmt ein Taxi die Tour. Der Autofahrer bekommt – unabhängig von der Zahl seiner Fahrgäste – 30 Cent pro Kilometer. Die Kosten für jeden Mitfahrer liegen bei einem Euro pro Fahrt.

Sachsen
Moderne Bürgerterminals sollen den Menschen in Sachsen künftig lange Anfahrtswege zum Amt ersparen. Ausgerüstet sind die Multifunktionsgeräte mit Scanner, Drucker, Bildschirm und Lesegerät für den Personalausweis.
Per Videotelefon können die Bürger auch direkten Kontakt zu einem Verwaltungsmitarbeiter aufnehmen, der beim Ausfüllen von Anträgen hilft. Zunächst zehn Geräte werden in den nächsten zwei Jahren getestet – dort, wo es keine eigene Verwaltung mehr gibt.

Sachsen-Anhalt
Wenn die nächste Kita zu weit weg ist, bringt das Eltern in eine schwierige Situation. Ein Modellprojekt in Sachsen-Anhalt bietet Hilfe. In der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf holt dass KitaMobil Kleinkinder von zu Hause ab, bringt sie in eine Tagesstätte und fährt sie wieder zurück. An Bord achtet eine Begleitperson auf die kleinen Mitfahrer.

Saarland
In dem 90-Seelen-Ort Riesweiler an der französischen Grenze kommt der Bankautomat zu den Bewohnern. Regelmäßig hält hier ein Bus der Sparkasse. Die mobile Bankfiliale ist vor allem für die älteren Leute wichtig. Die Dorfbewohner können hier Geld abheben oder Kontoauszüge drucken, aber auch Extra-Service in Anspruch nehmen: Briefe nimmt der Fahrer schon seit eh und je mit zur Post, im Bus gibt es auch Briefmarken.
Die neueste Idee: Bestellung und Lieferung von Supermarkt-Produkten. Der Bus der Kreissparkasse Saarpfalz ist einer von ein paar Dutzend, die nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giro-Verbandes durch deutsche Lande fahren. Sie sollen dutzende geschlossene Kleinstfilialen ersetzen.

Brandenburg
Arztsprechzeiten finden, Verwaltungsdinge erledigen oder mit den Enkeln skypen – das Internet kann älteren Menschen Vieles erleichtern, gerade wenn sie abgelegen wohnen. Ehrenamtliche helfen in Brandenburg Senioren auf dem Weg ins Internet. Die „Online-Paten“ setzen sich mit ihnen zusammen und erklären den Umgang mit dem Computer. Noch in diesem Jahr soll das Projekt von fünf auf sieben Gemeinden ausgeweitet werden.

Thüringen
Viele ältere Leute leben allein und zurückgezogen. Beim Projekt „Herbstzeitlose“ im Kreis Saalfeld-Rudolstadt im Süden von Thüringen kümmern sich rund 90 Ehrenamtliche um solche Menschen. Die Begleiter gehen mit zum Spazieren, zum Einkaufen oder zum Arzt. Sie lesen aus der Zeitung oder einem Buch vor oder sind einfach nur da, um zuzuhören und Gesellschaft zu leisten.

Baden-Württemberg
Fitnessgeräte für Oma und Opa neben der Kinderrutsche: Die schwäbische Kleinstadt Langenau will bis zum Herbst einen Mehrgenerationenpark bauen – einen großen Spielplatz mit Anlagen für Junge und Alte. Neben Rutsche und Wippe sind Fitnessgeräte speziell für ältere Menschen geplant.
Der Park soll für Rollatoren bequem zugänglich sein und ältere Menschen zu mehr Bewegung motivieren. Er entsteht in einem kinderreichen Neubaugebiet und in der Nähe eines Gesundheitszentrums und eines Altenpflegeheims.