VERSCHIMMELTER BRATEN UND WARTEN AUFS PAKET

Notruf in Neubrandenburg missbraucht

Viele zehntausend Anrufe erreichen die Leitstellen der Polizei und Feuerwehr jedes Jahr. Nicht alle sind notwendig und fehl am Platz. Wer allerdings beim Missbrauch erwischt wird, riskiert unter Umständen harte Strafen.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Am Donnerstagabend rasten Einsatzfahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes auf den Datzeberg. Ein Mann hatte hier die Zündung einer Bombe angedroht.
Am Donnerstagabend rasten Einsatzfahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes auf den Datzeberg. Ein Mann hatte hier die Zündung einer Bombe angedroht. Felix Gadewolz
Neubrandenburg.

Ein 41 Jahre alter Neubrandenburger hat auf dem Datzeberg unter Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften für viel Aufregung gesorgt. Der offensichtlich verwirrte Mann rief über den Notruf sowohl in der Einsatzleitstelle der Polizei als auch in der Rettungsleitstelle an und gab bekannt, dass er eine Bombe besitze und die auch gleich hochgehen lassen wolle. Durch das zuständige Polizeihauptrevier Neubrandenburg wurden sofort mehrere Funkstreifenwagen zum Einsatz gebracht. Zeitgleich alarmierte die Rettungsleitstelle die Feuerwehr, einen Rettungswagen sowie einen Notarzt. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte wurde der 41-Jährige in der Kurzen Straße angetroffen, durch Polizisten in Gewahrsam genommen und an den Notarzt übergeben. Durch diesen erfolgte eine Einweisung ins Klinikum Neubrandenburg. Bei der Durchsuchung des Mannes und seiner Wohnung, konnten keine Sprengmittel festgestellt werden.

Missbrauch von Notfall-Leitungen wie den Polizeianschluss 110 sind jedoch beileibe kein Kavaliersdelikt. Wie eine Sprecherin der Neubrandenburger Polizei am Freitag erklärte, sei dies in jedem Fall eine Straftat, für die im Wiederholungsfall Geldstrafen oder sogar bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe blühen. 14 Fälle habe es im vergangenen Jahr allein in der Stadt Neubrandenburg gegeben, einen mehr im Jahr 2016. „Die Anrufer sollten sich nicht sicher sein“, hieß es. In aller Regel könne die Polizei die Anschlüsse identifizieren.

Doch nicht nur offensichtlicher Missbrauch von Notrufen ärgert Polizisten, sondern auch Anrufer, von denen die Beamten für richtige Hilferufe abgehalten werden. So erzählt eine Mitarbeiterin der Einsatzleitstelle der Polizei in Neubrandenburg von dem Anruf der älteren Dame, die Hilfe der Polizei forderte, weil ein Nachbar noch immer nicht ein Paket gebracht hatte, das er vom Paketdienst für die Frau angenommen hatte. Oder der über die Nummer 110 geäußerte Ärger eines Mannes über verschimmelten Weihnachtsbraten und das die Ehefrau ihn damit bestimmt vergiften wolle. Aber – so hieß es, deshalb werde kein „echter“ Anrufer in die Warteschleife geschickt. „Sind in der Neubrandenburger Einsatzleitstelle alle Telefone besetzt, schaltet das System automatisch zu einer anderen Polizeidienststelle um“, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums.

Manchmal allerdings, wenn die Lage ruhig ist, nehmen sich die Beamten auch Zeit für Gespräche mit Anrufern, „die einfach nur reden wollen“.

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