Im Wahllokal im Jahnviertel sowie 17 weiteren waren die Neubrandenburger am Sonntag zur Wahl des Oberbürgermeisters aufge
Im Wahllokal im Jahnviertel sowie 17 weiteren waren die Neubrandenburger am Sonntag zur Wahl des Oberbürgermeisters aufgerufen. Tim Prahle
Die Wahlbeteiligung nach Neubrandenburger Stadtgebieten.
Die Wahlbeteiligung nach Neubrandenburger Stadtgebieten. NK-Grafik
Oberbürgermeister-Wahl

Nur jeder dritte Neubrandenburger nutzte sein Wahlrecht

Nicht einmal 20.000 Neubrandenburger machten zur Oberbürgermeisterwahl ihr Kreuzchen. Bei der Beteiligung gab es jedoch deutliche Unterschiede in den einzelnen Stadtgebieten.
Neubrandenburg

Der deutliche Wahlsieg von Amtsinhaber Silvio Witt (parteilos) bei der Oberbürgermeisterwahl zieht sich durch alle Stadtteile Neubrandenburgs. Wie das vorläufige Ergebnis zeigt, landet der alte und neue Rathauschef nirgendwo bei unter 80 Prozent der gültigen Stimmen. Die Zustimmung schwankte zwischen den einzelnen Wahllokalen zwischen 83 und 91 Prozent.

Weit größere Unterschiede in den einzelnen Stadtgebieten gab es bei der Wahlbeteiligung. 35,4 Prozent sind mit der niedrigste Wert seit 2001. Einzig bei der Stichwahl zwischen Einzelbewerber Hans-Joachim Schröder und Paul Krüger (CDU) 2008 stieß die Wahl mit 35,1 Prozent auf noch weniger Interesse.

Wegen Corona kaum „Präsenz-Wahlkampf”

„Die Wahl ist das Recht eines jeden Neubrandenburgers, da bin ich bei so einer Wahlbeteiligung genauso enttäuscht wie andere auch“, kommentiert Stadtpräsident Dieter Stegemann (CDU) auf Anfrage. Allerdings sei es beiden Kandidaten auch kaum möglich gewesen, in die Offensive zu gehen, führt er aus. Corona hatte „Präsenz-Wahlkampf“ stark eingeschränkt. „Ich bin der festen Überzeugung, dass ein offensiverer Wahlkampf auch für mehr Beteiligung gesorgt hätte“, sagt der Stadtpräsident.

Doch die Analyse scheint müßig angesichts der Tatsache, dass Kommunalwahlen bei den Neubrandenburgern ohnehin nicht ganz so hoch im Kurs stehen wie etwa Bundes- und Landtagswahlen. Noch im September zog es etwa im Stadtgebiet West rund 80 Prozent der Wähler an die Urne oder zur Briefwahl, vergangenen Sonntag lag die Wahlbeteiligung im Westen und der Innenstadt zusammengerechnet bei 46,1 Prozent. Damit hatten die dortigen Einwohner noch immer die größte Wahlbereitschaft. Die Stadt hatte für die einzelnen Stadtgebiete gemeinsame Briefwahllokale organisiert, weswegen die Daten nicht in allen Fällen dezidiert die Unterschiede zwischen allen zehn Stadtgebieten feststellen lassen.

Norden Neubrandenburgs bleibt Schlusslicht

So wurden die Briefwahlstimmen aus dem Reitbahnviertel und dem Datzeviertel gemeinsam ausgezählt. Auch wenn es wohl nicht allzu viel zum Zählen gab: Die Wahlbeteiligung im Norden lag bei gerade mal 21,1 Prozent. Nur etwas mehr als jeder Fünfte wollte von seinem Mitspracherecht um die Besetzung des höchsten Verwaltungsamtes der Stadt mitbestimmen. Das Reitbahnviertel war schon bei den Wahlen im September mit unter 50 Prozent Wahlbeteiligung Schlusslicht.

Ein Grund für die Kommunalpolitik, sich verstärkt auf die beiden Viertel zu fokussieren? „Es ist bereits einiges im Datzeviertel und im Reitbahnviertel passiert“, sagt Stadtpräsident Stegemann. Auch wenn sich sicherlich immer etwas finden ließe, dass noch nicht in Ordnung ist. „Es begreifen aber insgesamt zu wenige, was von der Kommunalpolitik ausgeht. Dass die Stadtvertreter und der Oberbürgermeister die Ansprechpartner vor Ort sind und Entscheidungen auf den Weg bringen“, sagt Stegemann.

Dann ließe sich wohl auch ein gestärkter inhaltlicher Wahlkampf machen. Den Stadtpräsidenten selbst hatte der Sieg Silvio Witts nicht überrascht. „Man sieht regelmäßig, dass er hohe Sympathiewerte in der Bevölkerung genießt“, sagt er. Das half beim Wahlsieg mit 16.325 Stimmen. Das sind deutliche 87,52 Prozent aller Neubrandenburger Wähler. Aber streng genommen eben auch nur 30,8 Prozent aller Neubrandenburger Wahlberechtigten.

Lesen Sie hier einen Kommentar zur Oberbürgermeisterwahl in Neubrandenburg: Wahlverlierer sind mal wieder die Nichtwähler

zur Homepage