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Ohne Populismus geht es nicht: Eurogegner holen Schwung

Bernd Lucke sorgte mit manchmal markigen Sprüchen für Stimmung im Saal.  FOTO: Marc Tirl

VonThomas LanigEs war vor allem der Tag von Bernd Lucke. Er ist jetzt unbestritten der starke der neuen Anti-Euro-Partei. Die Alternative für Deutschland ...

VonThomas Lanig

Es war vor allem der Tag von Bernd Lucke. Er ist jetzt unbestritten der starke der neuen Anti-Euro-Partei. Die Alternative für Deutschland (AfD) nimmt Kurs auf den Bundestag.

Berlin.So eine Parteigründung ist keine einfache Sache. Mit großem Enthusiasmus waren rund 1500 Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) nach Berlin gekommen, mit großer Lust, sich selbst zu feiern und den Euro-Gegnern endlich eine schlagkräftige Organisation zu geben. Aber zweieinhalb Stunden nach Beginn des Gründungsparteitags hatte sich die Versammlung an der Satzung festgebissen, etwa an der Frage, ob der Name der Partei mit oder ohne Anführungszeichen geschrieben werden soll.
Dass am Ende doch ein großer Schritt vorwärts Richtung Bundestag gelang, ist vor allem einem Mann zu verdanken. Prof. Bernd Lucke (50) nahm die Sache mit einer streckenweise fulminanten Rede in die Hand.
Der Ökonom sprach von einer „Degeneration des Parlamentarismus“, die meisten Abgeordneten der Altparteien seien zu „meinungslosen und überforderten Erfüllungsgehilfen“ der Bundesregierung geworden. „Diesen Euro, den Haftungs- und Schuldeneuro, wollte das Volk nicht“, rief er aus, immer wieder von tosendem Beifall unterbrochen.
Fast handstreichartig peitschte Lucke, Vater von fünf Kindern und drei Jahrzehnte Mitglied der CDU, den Beschluss zur Teilnahme an der Bundestagswahl durch. Und weil es so einfach war, kam das Wahlprogramm gleich hinterher. Ohne Debatte. Lucke wusste genau, dass der Parteitag nicht ohne Programm auseinandergehen durfte. Deshalb wurde die inhaltliche Diskussion nach hinten verschoben.
Mit manchmal markigen Sprüchen machte der schmale Professor Stimmung: „Wollt Ihr, dass mit Euren Steuern Griechenland finanziert wird? Wollt Ihr für ein Land zahlen, in dem Steuerhinterziehung Volkssport und Korruption Gewohnheit ist?“ Schwer, solche Sätze nicht als populistisch einzustufen. Aber damit hat die neue Partei anscheinend kein Problem. „Wir sollten den Vorwurf des Populismus als Auszeichnung betrachten“, sagt Konrad Adam, konservativer Publizist und ein weiterer Wortführer der neuen Partei.
Nicht endgültig beantwortet wird in Berlin die Frage, wie es die neue Partei mit rechten Positionen hält. Gelingt es ihren politischen Gegnern, sie in diese Ecke zu drängen, dürften die Erfolgsaussichten dramatisch
sinken.