Modernes Restaurant statt Führerschule der Deutschen Ärzteschaft in Alt Rehse: Eigentümerin Gabriele Wahl-Multe
Modernes Restaurant statt Führerschule der Deutschen Ärzteschaft in Alt Rehse: Eigentümerin Gabriele Wahl-Multerer mit einem ihrer Gäste bei der Eröffnung. Pablo Himmelspach
Zur Eröffnung waren neben Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt und Stadtpräsident Jan Kuhnert Unterneh
Zur Eröffnung waren neben Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt und Stadtpräsident Jan Kuhnert Unternehmer, Ärzte und Anwälte eingeladen. Pablo Himmelspach
Die mit Reet gedeckten Häuser ließ Gabriele Wahl-Multerer von regionalen Firmen sanieren.
Die mit Reet gedeckten Häuser ließ Gabriele Wahl-Multerer von regionalen Firmen sanieren. Pablo Himmelspach
Restaurant-Eröffnung

Ort mit NS-Vergangenheit nun ein Ort für die schönen Dinge des Lebens

In Alt Rehse entsteht ein Hotel auf dem Gelände der einstigen Nazi-Ärzteschule. Die Eigentümerin will einen Ort der Ruhe erschaffen – und bleibt trotz der aktuellen Krisen positiv.
Alt Rehse

Die dunkle Vergangenheit des Ortes verblasst mit seiner neuen Bestimmung. Im Restaurant „Park am See“ in Alt Rehse glänzt der hölzerne Tresen. An der Tür werden die Gäste von lächelnden Kellnern mit Sekt und Orangensaft empfangen und auf den Tischen machen Kerzen warmes Licht. Viele wichtige Leute sind zur Eröffnung an diesem Donnerstagabend da: Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt, Stadtpräsident Jan Kuhnert (beide parteilos) sowie Ärzte, Staatsanwälte und Unternehmer aus der Region. „Für viele war der Park bisher mit der NS-Geschichte verbunden. Doch der wunderschöne Park kann nichts dafür“, sagt Eigentümerin Gabriele Wahl-Multerer in ihrer Empfangs-Rede.

Fertigstellung durch Lieferproblem und Personalmangel verzögert

Vor sechs Jahren kaufte die Münchener Unternehmerin das 65 Hektar große Areal, ließ die denkmalgeschützten Häuser sanieren – und schuf eine Wohlfühloase am Tollensesee. Ein Projekt, mit dem sie sich in einer positiven Weise einbringen wolle. „Damit es den Menschen besser geht“, sagt die Unternehmerin. Damit meint sie die Zusammenarbeit mit Firmen aus der Region, die die mit Reet gedeckten Häuser modernisiert haben. Entstanden sind 29 Gästezimmer, Seminar- und Tagungsräume, eine Festhalle sowie Saunen und ein Fitnessstudio. Das Motto des Hotels lautet: „Stress aus – Leben an.“

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Doch ganz stressfrei war die Realisierung des Vorhabens nicht. „Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht“, verrät Gabriele Wahl-Multerer ihren Gästen. Die Fertigstellung des Restaurants sei lange durch coronabedingte Lieferprobleme sowie Personalmangel verzögert worden.

Im Schloss soll eine Ayurveda-Klinik entstehen

Und auch die Inflation lässt die Unternehmerin nicht kalt, dass die Zukunft hart werde, sei ihr klar. Dennoch zeigt sie sich mutig: „Ich bin in meinem Alter krisengeprüft, weshalb mich die jetzige auch nicht abschreckt. Wir müssen weiter machen und Ja zum Leben sagen“, sagt sie.

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In Alt Rehse sei sie noch lange nicht am Ende angelangt. Behutsam wolle sie das Areal weiterentwickeln, in dem noch unsanierten Schloss soll eine Ayurveda-Klinik entstehen. „Der Ort soll für Ruhe, Gesundheit und Gemeinsamkeit stehen“, sagt die Eigentümerin.

Die NS-Zeit wird hier nicht mehr im Vordergrund stehen

Damit möchte sie Licht auf die dunkle Geschichte des Parkes folgen lassen. 1935 wurde in Alt Rehse die „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ eröffnet – ein zentraler Ort für die Elite der in der NSDAP organisierten Mediziner. Die Ärzte wurden dort ideologisch geformt, inklusive Vorbereitung auf Zwangssterilisationen und „Euthanasie“. Gabriele Wahl-Meuterer will sich dem stellen und etwas Neues schaffen. „Die Zeit des Nationalsozialismus wird hier nicht mehr im Vordergrund stehen“, sagt sie.

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