Rund 350 Leute sollen am Wochenende mitten im Wald gefeiert haben – und das bei sehr hoher Waldbrandgefahr.
Rund 350 Leute sollen am Wochenende mitten im Wald gefeiert haben – und das bei sehr hoher Waldbrandgefahr. Privat
Mittags nach der Party: Einzelne Helfer wollen dafür sorgen, dass kein Müll liegen bleibt.
Mittags nach der Party: Einzelne Helfer wollen dafür sorgen, dass kein Müll liegen bleibt. Paulina Jasmer
Diese Schranke soll Leute davon abhalten, den Forstweg zu nutzen. Nach der Party war sie kaputt.
Diese Schranke soll Leute davon abhalten, den Forstweg zu nutzen. Nach der Party war sie kaputt. Paulina Jasmer
Bis zu 300 Feiernde

Partygänger ignorieren Waldbrandwarnung in Neubrandenburg

In einem Waldstück in der Nähe des Campingplatzes Gatsch Eck haben Feierfreudige die Nacht zum Tag gemacht. Dabei herrschte akute Waldbrandgefahr.
Neubrandenburg

Die rote Schranke hing kaputt in ihren Angeln. Das Warnschild, das sagt, dass es sich um einen Forstweg handelt, auf dem unter anderem Motorfahrzeuge verboten und nur die Forst gestattet ist, war beschmiert. Revierförster Torsten Loop war am Sonntagmittag mit dem Fahrrad gekommen, genau gelegen an der Holperpiste in Richtung Campingplatz Gatsch Eck. Seit Stunden suchte er diesen Forstweg immer wieder auf. Das Problem: Seit der Nacht hatten junge Leute den Wald zwischen Buchort und Gatsch Eck für sich vereinnahmt. Mit einer fetten Party auf einer Wiese im Wald.

Polizei erhielt Hinweis auf 300 Feiernde

Die Polizei bestätigte auf Nordkurier-Nachfrage, dass es einen Hinweis auf 300 Feiernde in dem Wald gab. Die Beamten hätten dann jedoch weit weniger Menschen angetroffen, diese belehrt und des Platzes verwiesen, sagte eine Sprecherin. „Von einem Verantwortlichen sind zudem die Personalien aufgenommen worden“, führte sie aus. Fraglich scheint dabei, wieso die Polizei beim Hinweis 300 Feiernder gerade mal sechs Beamte schickte. Sprecherin Susann Ossenschmidt begründete dies zum einen mit der Verfügbarkeit an Kräften zur Mitternachtszeit und zum anderen auch mit der speziellen Beurteilung der Lage. Man habe keine Aggressionen bei den Feiernden erwartet. Dazu, dass die Party noch die ganze Nacht mit weit mehr Menschen dauerte, hatte die Polizei keine Informationen.

Revierförster Loop sah derweil noch ganz andere Probleme. „Wir haben Waldbrandstufe 4, also sehr hohe Gefahr“, erklärte er im Hinblick auf die andauernde Trockenheit. Die Leute würden im Wald stehen und rauchen, eine echtes Risiko also. Er hatte in der Nacht die Polizei gerufen, doch noch am Morgen hätten die Leute gefeiert, wenngleich nicht in der Größenordnung wie noch nachts. Gegen Sonntagmittag dann räumten die letzten Partygäste auf. „Was? Es ist schon 11 Uhr?“, fragte eine junge blonde Frau, als der Nordkurier vorbeikam.

Im Juni gab es in der Region bereits mehrere Waldbrände. Eine Auswahl an berichte dazu finden Sie hier:
Brand auf 3000 Quadratmeter Ödland in Neubrandenburg
Holzstapel geht bei Friedland in Flammen auf
Feuerwehr löscht Waldbrand in Neustrelitz
Feuerwehr muss mehrere Waldbrände löschen 
▶ Wieder Feuer beim Neubrandenburger Waldfriedhof – Brandstiftung?

Brodaer Partyszene nicht beteiligt

Seit mehr als zwölf Stunden herrschte schon Partylaune im Wald. Die Musik war aber ausgeschaltet, die Boxen und Anlagen verstaut in einem Hänger. Im Hintergrund türmten sich pralle Müllsäcke. Die Wiese war weitestgehend wieder müllfrei. Erst kurz vor der Party sei sie „durch Kontakte“ gemäht worden. Wie die jungen Leute von dieser Lichtung gewusst haben? „Durch Google Maps“, lautete die banale Antwort. Ein Klick auf dieses Geoportal im Internet zeigt, wo was wächst, bebaut oder versteckt ist.

Dabei war es in der Nacht zu Sonntag gar nicht die Lautstärke gewesen, die Revierförster Loop zur Lichtung lotste. Die jungen Leute berichteten, dass sie extra „gemessen“ und deshalb auch diese Wiese genommen hätten, um nicht wegen unzulässigen Lärms dran zu kommen. „Ich war zur Jagd. Und als ich hier vorbeikam, konnte ich nicht durch die Schranke, weil die Leute sie mit ihrem eigenen Schloss gesichert hatten, sodass niemand durchkam“, erklärte derweil der Fachmann. Ein für den Förster gesperrter Forstweg? So nicht, dachte sich der Revierförster, der allerlei Schleichwege kennt und von der anderen Seite die Party aufsuchen konnte.

Mehr als 300 Leute feierten mitten im Wald eine Techno-Party. Sie würden aber nicht zu der Partybande vom Brodaer Strand oder vom Belvedere gehören, beteuerten sie. Immer wieder kommt es dort zu Polizeieinsätzen. Am Strand seien „Kinder“, sagten die Partyfans um die 20 Jahre alt. Sie würden stets außerhalb von Neubrandenburg feiern – und nun zum Leidwesen von Torsten Loop.

Zwölf Feuerlöscher für ein Waldstück ...

Die Partyleute indes zeigten sich nun ob der Waldbrandstufe etwas zerknirscht. Sie dachten, wenn sie an zwölf Feuerlöscher denken, könnte das reichen. Aber nicht für Torsten Loop. „Wenn der Wald brennt, reichen auch zwölf Feuerlöscher nicht“, sagte der Mann, der für den Wald verantwortlich ist. Er könne es den jungen Leuten bei allem Verständnis feiern zu wollen, nicht durchgehen lassen oder ein Auge zudrücken. Es stünde zu viel auf dem Spiel. Um die Lichtung tue es ihm im Übrigen auch Leid. In Windeseile war sie per Traktor gemäht worden, wie die jungen Leute stolz verkündeten. „Das war eine extra angesähte Blühwiese für Insekten“, meinte Torsten Loop mit Blick auf die zertrampelte Fläche.

 

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