BAHNHOFSTOR NEUBRANDENBURG

▶ Passanten sauer über „aggressive“ Stelen

An der Neugestaltung des Bahnhofstors scheiden sich die Geister. Viel Kritik entzündet sich vor allem an den gewaltigen stählernen Objekten.
Wahrhaft wehrhaft zeigt sich das „Bahnhofstor“ allen, die hier den ersten Eindruck von der Innenstadt bekommen.
Wahrhaft wehrhaft zeigt sich das „Bahnhofstor“ allen, die hier den ersten Eindruck von der Innenstadt bekommen. Susanne Schulz
Dieses 2017 im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellte Modell ließ die heutige Wirkung der Stelen offenbar nicht ahnen.
Dieses 2017 im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellte Modell ließ die heutige Wirkung der Stelen offenbar nicht ahnen. Susanne Schulz
Neubrandenburg.

Noch bevor das langwierig umgestaltete Bahnhofstor am Freitag eingeweiht wird, schlägt die Diskussion um den neuen „Eingang“ zur Innenstadt schon hohe Wellen. Schuld daran sind vor allem die Stelen aus Cortenstahl, mit denen der Verlauf der Stadtmauer bis an die Stargarder Straße heran nachgebildet wird.

Denn die gewaltigen Objekte wirken – auch im Vergleich zu den 2017 veröffentlichten Entwurfszeichnungen – nicht eben filigran. „Abweisend“, „erdrückend“ und „aggressiv“ finden viele Passanten den Anblick, andere sprechen gar von „Panzersperren“. Auch positive Stimmen mischen sich in die Debatte, loben die „architektonisch gelungene Verbindung zwischen den Zeiten“, zwischen backsteinerner Historie und stählernem Zitat.

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„Schön, dass die Veränderung zu Diskussionen anregt“, kommentiert Oberbürgermeister Silvio Witt den Aufruhr, nicht ohne anzumerken, dass „ein Kommentar bei Facebook nicht wirkliches Engagement im realen Leben und auch nicht die Arbeit von Fachleuten“ ersetze. Mehrere Planungsbüros – Neubrandenburger wie auch auswärtige – waren zu Entwürfen aufgefordert worden, aus denen letztlich die nun sichtbaren Veränderungen hervorgingen.

Stelen verwehren Blick auf Brunnen und Kirchturm

Während die grüne, nunmehr betonsockelfreie Umgebung des Fritz-Reuter-Denkmals durchaus freudig und der neue Standort des sanierten Mudder-Schulten-Brunnens zumindest versöhnlich aufgenommen wird, entzündet sich an den 20 Stahl-Stelen einiger Zorn. Tatsächlich verwehrt ihre massive Präsenz allen, die sich aus Richtung Bahnhof nähern – und das sind allein 70 Prozent der stadteinwärts rollenden Fahrzeuge, ganz zu schweigen von Zug- und Bus-Ankömmlingen –, den freien Blick auf Brunnen, Museumseingang und gar Kirchturm.

Frank Renner indessen, seines Zeichens Fachbereichsleiter für Stadtplanung, Wirtschaft, Bauaufsicht und Kultur in der Stadtverwaltung, verweist vor allem auf die Raumwirkung innerhalb der Stadtmauer. „Wenn die Fläche zum Bahnhof hin aufgelöst wäre, hätten wir keine Platz-Situation, in der auch der Brunnen angemessen zur Geltung kommt“, sagt er.

Über die Dicke der Scheiben und den rostfarbenen Cortenstahl könne man sicher „trefflich streiten“, jedoch sei bewusst ein Material gewählt worden, das sich von der Stadtmauer abhebe. In Kontur und Größe werde deren Dimension jedoch aufgegriffen, um das Signal zu setzen: Hier fängt die Innenstadt an. Einige der Stelen sollen Witt zufolge noch farbige Informationstafeln erhalten und in den Zwischenräumen beleuchtet werden.

Das Bahnhofstor macht Neubrandenburg übrigens nicht zu einer Stadt der fünf Tore: Die Bezeichnung ist lediglich der Tatsache entlehnt, dass im Zuge der Eisenbahnanbindung die mittelalterliche Wehranlage an dieser Stelle durchbrochen wurde. Die Sanierung des Friedrich-Engels-Rings und der Stargarder Straße boten Gelegenheit, die gesamte Anlage neu zu gestalten. So wurde der zuvor seit Jahren trockene Mudder-Schulten-Brunnen restauriert und im Oktober am neuen Standort neben dem Franziskanerkloster wieder in Betrieb genommen, und auf der gegenüberliegenden Seite entstand rund um das Fritz-Reuter-Denkmal eine Grünanlage mit harmonischem Übergang zur Wallanlage. Am Freitag um 13 Uhr wird der Bereich feierlich eingeweiht.

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Kommentare (4)

Auch wenn man das Wort "Kunst" in viele Richtungen aufweiten kann, hier haben die Schöpfer des missratennen Schrottplatzes total versagt. Diese Gebilde erinnern sehr stark an die Archtektur des Dritten Reiches, die auch am Größenwahnsinn gescheitet sind.
irgendwie haben die Schöpfer den Auftrag und den Sinn des Ganzen nicht verstanden. Ein Tor ist niemals eine Anhäufung von riesigen Säulen, soviel verstand hat slbst ein Schulanfänger.....

Kunstverständnis - Schule - NETTO76

Wie man hört, sollen dies die ersten Gründungen für das Projekt „Neubrandenburg in 100 Jahren“ sein, bis dann man die Innenstadt komplett untertunneln möchte, um sie endlich motorfrei zu bekommen.

Wo wird denn hier der Kirchturm verdeckt? Denn stört ja jedes Haus bis zu diesem. Wenn es danach geht stört eher das MarienCaree(oder wie das heißt). Wo da seitweise nichts war, war es mal schön wie die Kirche zum Marktplatz wirkte.
Und mal abgesehen davon, daß die Autofahrer da nichts sehen, die sollen sich auf das Fahren konzentrieren. Oder parken und sich die Innenstadt in Ruhe angucken.
Ich finde es gar nicht schlecht, mal sehen wie es am Freitag wirkt.
Wie aber gleich wieder jemand aufs 3.Reich dabei kommt, verstehe ich nicht. Eher wird dem Besucher mal gezeigt, daß es hier nicht immer eine Durchfahrt war.