Ob Bürgermeisterin Claudia Ellgoth und Stadtvertretervorsteher Gerhard Quast (links) oder eine Drohnenaufnahme vom gehobe
Ob Bürgermeisterin Claudia Ellgoth und Stadtvertretervorsteher Gerhard Quast (links) oder eine Drohnenaufnahme vom gehobenen Großen Stein – Altentreptow wird im Imagefilm in schönen Bildern präsentiert. Fotos aus dem Imagefilm, Montage: NK
Die Lea-Toll-Schule ist ein von zwei Förderschulen in Altentreptow. Im neuen Imagevideo der Stadt wird sie allerdings nic
Die Lea-Toll-Schule ist ein von zwei Förderschulen in Altentreptow. Im neuen Imagevideo der Stadt wird sie allerdings nicht gezeigt oder erwähnt. Das ruft Kritik hervor. Tobias Holtz
Vorwurf der Ausgrenzung

Passen Kinder mit Handicap nicht zum Image von Altentreptow?

Die Kritik am Imagefilm der Stadt Altentreptow reißt nicht ab. Zwar wirbt die Verwaltung mit einer attraktiven Schullandschaft, vergisst aber, zwei wichtige Bildungseinrichtungen zu erwähnen.
Altentreptow

Das neueste Marketinginstrument der Stadt Altentreptow schlägt weit über die Grenzen von MV hinaus hohe Wellen – allerdings längst nicht nur im positiven Sinne. Das siebenminütige Video lässt manchen Zuschauer sogar fassungslos zurück. „Ich finde es skandalös und beschämend, dass die beiden Bildungseinrichtungen für junge Menschen mit Beeinträchtigungen in Altentreptow überhaupt nicht erwähnt werden. Stattdessen zählt die Bürgermeisterin nur die vier Schulen im Amt auf, die sich in kommunaler Trägerschaft befinden“, moniert Frank Pagenkopf und steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Auch einige Eltern, deren Kinder die Schulen mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung besuchen, finden es mehr als traurig, dass diese seit Jahren bestehenden Institutionen von den Filmemachern anscheinend vergessen wurden.

Nicht einmal auf der Internetseite aufgeführt

„Offensichtlich passen Kinder und Jugendliche, die eine Behinderung haben oder auf irgendeine Weise gehandicapt sind, nicht zu dem Image, das die Stadt nach außen hin vermitteln will. Oder wie soll man das verstehen?“, fragt Pagenkopf. Obwohl er mittlerweile als Sonderpädagoge bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin arbeitet, habe er den Bezug zu seiner Heimatregion nicht verloren.

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Umso mehr ärgert es ihn, dass die genannten Fördereinrichtungen noch nicht einmal auf der offiziellen Internetseite der Stadt auftauchen. „Familien, die das schulische Angebot vor Ort gerne in Anspruch nehmen möchten, sich in Altentreptow aber noch nicht auskennen, wissen somit gar nichts über die vorhandenen Möglichkeiten. Das ist in meinen Augen eine Schande und grenzt schon an Diskriminierung“, machte Pagenkopf seinen Standpunkt deutlich.

Stadtverwaltung betont Bedeutung der Schulen

Als der Nordkurier die erste Stadträtin Silvana Knebler mit diesen Vorwürfen konfrontierte, stellte sie in Vertretung von Bürgermeisterin Claudia Ellgoth unmissverständlich klar, dass die Verwaltung die beiden Schulen nicht bewusst außen vor gelassen habe. „Das war auf keinen Fall unsere Absicht, aber wir mussten uns aufgrund der vorgegebenen Länge des Films ziemlich einschränken, sodass die Einrichtungen, die in den Händen des Landkreises liegen, nicht vorgekommen sind. Das ist natürlich nicht optimal gelaufen, man hätte sie wenigstens kurz nennen können“, gibt Knebler allerdings zu. Was die fehlenden Einträge auf der Homepage betrifft, sehe die Verwaltung kein Problem darin, die Schulen nachträglich zu ergänzen.

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Für Frank Pagenkopf geht dieser angekündigte Schritt allerdings nicht weit genug. „Ich erwarte von der Bürgermeisterin, dass sie sich etwas einfallen lässt, um diesen Fauxpas wiedergutzumachen. Immerhin leisten diese Schulen eine wichtige Arbeit, die man gar nicht oft genug hervorheben kann“, findet der Sonderpädagoge.

Bürgermeisterin reagiert schließlich selbst

Kurz darauf meldete sich die Rathauschefin dann selbst bei ihm und reagierte auch gegenüber dem Nordkurier auf die vorgebrachte Kritik. Die Verwaltung habe im Vorfeld der Dreharbeiten mehrfach einen öffentlichen Aufruf gestartet, um herauszufinden, wer sich an dem Film beteiligen möchte. Jedoch sei von den beiden Förderschulen niemand auf die Stadt zugekommen, sodass man davon ausgegangen sein, dass kein Interesse bestehe.

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„Eventuell wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere themenbezogene Imagefilme über Altentreptow geben, wo wir den Einrichtungen die Möglichkeit geben werden, sich vorzustellen, sofern es gewünscht ist“, stellte Ellgoth klar. Außerdem werde sie persönlich beim Landkreis als Träger nachfragen, ob es möglich sei, die Kontaktdaten für interessierte Eltern auch über die Internetseite der Stadt und des Amtes zu verlinken. „Uns liegt sehr viel daran, dass beide Einrichtungen auch weiterhin in Altentreptow erhalten bleiben, obwohl der aktuelle Schulentwicklungsplan etwas anderes vorsieht. Deshalb werden wir gemeinsam für den Standort kämpfen“, versicherte die Rathauschefin.

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