DIEBSTAHL

Pastor erwischt Raubkopierer auf frischer Tat

Mit Blick auf den Saisonbeginn mahnt Rambows Pastor i.R. Eckart Hübener zur Wachsamkeit an Andachtsorten. Er hatte nämlich eine Begegnung mit einem dreisten Dieb.
Silke Voß Silke Voß
Pastor i.R. Eckart Hübener zeigt die Langwitzer Silikon-Maske, die der „Raubkopierer“ angefertigt hatte, um sich davon selbst „ein Bild zu machen“. Die Frau auf dem Kapellenkreuz in Langwitz trägt ein Hirtengewand und soll Zuflucht und Rat bieten.
Pastor i.R. Eckart Hübener zeigt die Langwitzer Silikon-Maske, die der „Raubkopierer“ angefertigt hatte, um sich davon selbst „ein Bild zu machen“. Die Frau auf dem Kapellenkreuz in Langwitz trägt ein Hirtengewand und soll Zuflucht und Rat bieten.
Lupendorf.

„Der Mensch wird des Wegs geführt, den er wählt.” So steht es bibelgemäß am Pilgerkreuz in Tressow, einer Station von sieben auf dem Mecklenburger Kapellenweg im „Grenzgebiet“ zwischen Müritzregion und der Mecklenburgischen Schweiz. Auf kriminellen Abwegen allerdings war ein Mann aus Mitteldeutschland hier unterwegs. Dem haben offenbar die Bronzefrauen an den Kreuzen derart gefallen, dass er sich davon Abgüsse machen wollte.

Zu seinem Pech ist er aber auf frischer Tat in Lupendorf ertappt worden. Das Silikon, das er über das Bronze-Relief zum Aushärten mit der Aufschrift „Bitte nicht entfernen“ modelliert hatte, war jedenfalls auch noch frisch, als der Rambower Pastor i.R. Eckart Hübener gerade mit einer Frauenfahrradtruppe des Wegs kam. Dort wartete der „Raubkopierer“ noch, bis der Baustoff fest war, schildert Hübener jetzt eine Begebenheit aus dem vorigen Herbst.

Anzeige bei Polizei erstattet

Der Geistliche, Initiator des Pilgerwegs zu einstigen Dorfkapellen, reagierte angemessen resolut. Er zwang den Mann vor seinen Zeuginnen, die Matrix abzuziehen. „Ich habe ihm erklärt, dass er einen Urheberrechtsbruch begangen hat, denn die künstlerische Idee stammt von der Gessiner Bildhauerin Kathrin Wetzel. Sie hatte von der Kirchengemeinde Rambow-Gielow den Auftrag erhalten, die sieben verschiedenen Bronzen für die Pilgerstationen zu fertigen.“

Offenbar habe der Mann die Bildnisse zu privaten Zwecken vervielfältigen wollen. Da er der Aufforderung Eckart Hübeners, ihm die auch von anderen Bildnissen angefertigten Silikonmasken auszuhändigen, nicht gefolgt sei, hat der Geistliche schließlich Anzeige bei der Polizei erstattet.

Angesichts des Frühjahrs, mit dem wieder viel mehr Menschen im Freien unterwegs sind, macht Hübener die Tat nun auch öffentlich, damit jeder weiß: „Wir sind wachsam.“ Nicht jeder könne sich schließlich einfach so zu schaffen machen an den Andachtsorten für die einstigen Glaubensstätten – wenn sie schon mit Steinbänken und Bronzetafeln extra solide gestaltet sind, auf dass mutwillige Zerstörer eigentlich keine Chance haben.

Künstlerin sieht es positiv

Der Urheberin der Bronzebilder, Kathrin Wetzel, war nach Prüfung des möglichen Straftatbestands von der Polizei empfohlen worden, die Angelegenheit zivilrechtlich weiter zu verfolgen. „Aber auf diesen Ärger habe ich keine Lust“, sagt die Bildhauerin aus Gessin, die das Ganze inzwischen mit einem Augenzwinkern und sogar von einer positiven Seite aus betrachtet. „Wenn sich jemand an der Kunst vergreift, muss sie doch eine besondere Anziehungskraft haben!“ Für sie gehört diese Geschichte inzwischen zu der des Pilgerwegs dazu.

Wer jedoch kein Verständnis für diese Art geistigen Diebstahls aufbringen kann, dem verdeutlicht sie allerdings auch: „Stellen Sie sich vor, Sie haben Kühe auf der Weide, und weil jemand denkt, ach, die stehen da so herum, melkt er sie jeden Tag. Da würden Sie doch auch nicht tatenlos zusehen!“

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