FALSCHER VERTEILER

Peinliche Datenpanne im Polizeipräsidium Neubrandenburg

Die Unachtsamkeit eines Polizeibeamten hat eine große Datenpanne bei der Polizei in Neubrandenburg ausgelöst. Eine versuchte Rettungsaktion ging schief.
Andreas Becker Andreas Becker
Ein Polizist hat eine E-Mail an die Presse geschickt.
Ein Polizist hat eine E-Mail mit privaten Daten an die Presse geschickt. Andrea Warnecke
Neubrandenburg.

„Der Polizei Mecklenburg-Vorpommern ist der Datenschutz ein wichtiges Anliegen.” Mit diesem Satz rühmt sich die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern auf ihrer Internetseite. Die Landespolizei animiert die Bürger dazu, sich gegebenenfalls mit ihrem Anliegen – seien es beispielsweise eine Anfrage oder eine Anzeige – an die Internetwache der jeweiligen Polizeidienststelle zu wenden. Mit der Internetwache möchte die Polizei dem Online-Zeitgeist entsprechen und den Zugang zur Polizei erleichtern.

Dass dieser Anspruch und der damit dringend erforderliche Datenschutz nicht immer erfüllt werden kann, zeigt ein erschreckender Vorgang, der sich am Samstagabend im Polizeipräsidium Neubrandenburg abgespielt hat. Dort hatte sich eine Frau (Name der Redaktion bekannt) an die Internetwache gewandt. „Die Frau hatte eine Anfrage”, bestätigte Nicole Buchfink, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Neubrandenburg, den Vorgang.

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Der zuständige Polizeibeamte auf der Internetwache antwortete der Frau. Er bestätigte in seiner Antwortmail den Eingang der Anfrage und teilte mit, dass die Anfrage „zuständigkeitshalber an das Polizeirevier Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen, d.Red.) weitergeleitet” werde. Weiter hieß es in der Mail von der Internetwache an die Frau: „Sollten Sie Nachfragen oder weitere Hinweise haben, wenden Sie sich bitte an diese Dienststelle.”

Bild, ZDF, NDR, RTL, dpa und Nordkurier informiert

Doch dann geschah der krasse Fehler: Bevor der Polizeibeamte die Antwortmail absendete, wollte er noch das Polizeirevier Barth in Kopie setzen. Dessen Mailadresse lautet: pr.barth@polmv.de. Als der Beamte die Buchstaben „pr” eintippte, erschien stattdessen ein großer Presseverteiler des Polizeipräsidiums. Auch dieser beginnt mit den Buchstaben „pr”. Dass auf dem Bildschirm des Beamten binnen Bruchteilen von Sekunden Mailadressen von insgesamt 158 verschiedenen Medien aufploppte, bemerkte der Polizist nicht. Er drückte auf den Sendeknopf – und informierte unter anderem den Nordkurier, die Bild-Zeitung, das ZDF, den NDR, RTL und die Deutsche Presseagentur über die Anfrage der Frau. Inklusive des Aktenzeichens – das beinhaltete die Mail ebenfalls.

Als der Beamte seinen Fehler dann doch bemerkte, wollte er die Mail mit dem großen Verteiler zurückholen. Doch dazu war es längst zu spät.

Nicole Buchfink war der Vorfall, mit dem der Nordkurier die Pressesprecherin am Montagmittag konfrontierte, hörbar unangenehm. „Wir haben mit dem Mitarbeiter in der Zwischenzeit ein entsprechendes Gespräch geführt und ihn zu mehr Sorgfalt ermahnt”, sagte Buchfink. „Das war ein menschlicher Fehler. Wir müssen versuchen, diese Fehler zu vermeiden.” Von einer Datenpanne könne aber keine Rede sein – schließlich seien keine personenbezogenen Daten genannt worden. Eine Einschätzung, die wohl kaum der Wahrheit entspricht. Sowohl der Nachname der Frau als auch ihre Mailadresse liegen jetzt in 158 Redaktionsstuben.

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Kommentare (2)

Der Umgang mit Computer und/oder Schreibmaschine ist für den ein oder anderen Polizisten wohl immernoch ein rotes Tuch.
Ich habe mal eine Anzeige wegen Diebstahl machen wollen.
Der gute Mann war mehr als überfordert Buchstaben auf der Tastatur zu finden geschweige denn korrekt zu tippen.
Aber das war bestimmt auch nicht Ausbildungsinhalt bei der Volkspolizei.

"Von einer Datenpanne könne aber keine Rede sein – schließlich seien keine personenbezogenen Daten genannt worden. Eine Einschätzung, die wohl kaum der Wahrheit entspricht. Sowohl der Nachname der Frau als auch ihre Mailadresse liegen jetzt in 158 Redaktionsstuben."
Es ist wohl höchste Zeit, mit der Frau Buchfink über ihre offensichtlichen Wahrnehmungsstörungen zu reden!

„Das war ein menschlicher Fehler. Wir müssen versuchen, diese Fehler zu vermeiden.” Amen. Frau Buchfink scheint in ihrer ganzen Schlichtheit entgangen zu sein, dass viele Fehler menschlich sind und trotzdem verfolgt und bestraft werden (auch von der lächerlichen Behörde, für die sie arbeitet). Ohne Sinn und Verstand, also genauso, wie diese Dame hier argumentiert.
Die Polizeidirektion kann froh sein, wenn sie aufgrund dieses (menschlichen) Fehlers keine Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung bekommt und in der Folge dementsprechend auch verurteilt wird.