ALTENHAGEN IST NICHT HAMBURG

Pfarramt beginnt laut und herzlich mit Rock’n’Roll

Das Pfarrhaus in Altenhagen ist nicht nur saniert, es ist auch wieder bewohnt. Der neue Pfarrer, der seinen Dienst in der größten Kirchengemeinde der Region am 1. Oktober beginnt, ist gerade mit dem Einzug beschäftigt. Wobei es eine kleine akustische Panne gab ...
Christina Weinreich Christina Weinreich
Pfarrer Georg Hildebrandt: „Im Grunde meines Herzens bin ich ortsfest und weiß, wo meine Gemeinde ist.“ Wenn er sich nicht mit geistlichen Dingen beschäftigt, liest und wandert der Pfarrer gern und mag die Musik der Rolling Stones.  Fotos: Christina Weinreich/© VeremeeV_1980 - Fotolia.com
Pfarrer Georg Hildebrandt: „Im Grunde meines Herzens bin ich ortsfest und weiß, wo meine Gemeinde ist.“ Wenn er sich nicht mit geistlichen Dingen beschäftigt, liest und wandert der Pfarrer gern und mag die Musik der Rolling Stones. Fotos: Christina Weinreich/© VeremeeV_1980 – Fotolia.com
Pfarrer Georg Hildebrandt: Im Grunde meines Herzens bin ich ortsfest und weiß, wo meine Gemeinde ist. Foto: Christina Weinreich
Pfarrer Georg Hildebrandt: Im Grunde meines Herzens bin ich ortsfest und weiß, wo meine Gemeinde ist. Foto: Christina Weinreich
Altenhagen.

Als Georg Hildebrandt aus Hamburg zurück in seine neue Wohnung nach Altenhagen kam, hörte er in seinem Pkw die Rolling Stones. Nicht gerade leise. Bei der Band geht das nicht. Beim Aussteigen aus dem Pkw erreichten ihn strenge Blicke aus Richtung Friedhof. Der ist direkt neben Hildebrandts neuer Wohnstätte. Natürlich schaltete er sofort ab. Der Pfarrer merkte einmal mehr, Altenhagen ist nicht
Hamburg.

Früher hätte er sich nie vorstellen können, auf dem Dorfe leben zu können. Er glaubte immer, ein echter Großstadtmensch zu sein. Und stellt nun mittlerweile fest, „dass ich es genieße, auf dem Dorf zu leben“, sagt Georg Hildebrandt. Seit Juli ist der waschechte Hamburger nun schon Altenhagener und konnte dazu in ein komplett saniertes Haus einziehen. „Ich fühl’ mich wohl hier“, sagt der neue Pfarrer. Bis zur Rente möchte er schon bleiben. Bis dahin hat er noch knapp vier Jahre Zeit, eigene Ideen von einem aktiven und interessanten Gemeindeleben umzusetzen. Er mag keine Vertretungsdienste mehr
leisten, wie er sie zuvor 2017 in Putbus und nun ein Vierteljahr in Anklam absolvierte. Davor waren unter anderem Hamburg und Jahrzehnte die schöne Insel Amrum Einsatzorte für den Seelsorger. „Im Grunde meines Herzens bin ich ortsfest und weiß gern, wo meine Gemeinde ist“, sagt der 62-Jährige. Der Pfarrer ist allein nach Altenhagen gezogen. Er ist geschieden, hat aber eine Partnerin. Sie lebt in Hamburg und kann aus beruflichen Gründen nicht mit umziehen.

700 Gemeindemitglieder auf großem Territorium

Ganz unvorbereitet ist der Geistliche nicht nach Altenhagen gekommen. Er hat eine Abhandlung von Pfarrer Matthias Bartels gelesen, der ebenfalls einige Jahre in Altenhagen als Pastor tätig war. „Er schrieb, dass die Gegend hier die am dünnsten besiedelste in ganz Deutschland sein soll. Auf einem Qua-
dratkilometer leben 27 Menschen.“ Sein Arbeitsgebiet umfasst 24 Dörfer, 11 Kirchen, mehrere Friedhöfe und 700 Gemeindemitglieder und ist auf einem großem Territorium verteilt. Diese Struktur ist neu für den Kirchenmann, der in Hamburg genau das Gegenteil erlebte: 3000 Gemeindemitglieder auf einer sehr konzentrierten Fläche.

Er sei eher der Mensch, der Schwierigkeiten sucht, weil man mit ihnen wächst. Was seine Zukunft in Altenhagen betreffe, habe er ein ganz gutes Gefühl. „Mir sind hier bereits viele nette Leute begegnet“, sagte Georg Hildebrandt. Er habe auch den Eindruck, dass die Christen hier engagierter sind als an seinen anderen Arbeitsorten. Es sei deshalb ein schwerer Schlag für ihn gewesen, als er hörte, dass der Organist Lothar Knepper kürzlich verstorben ist, der den Kirchenchor vor Jahren aufgebaut und geleitet hat. „Die Sänger kommen aus allen Orten der großen Gemeinde. Der Chor ist ein wichtiges Bindeglied.“ Bis zum Jahresende hat der Altentreptower Kantor Wolfgang Feuerlein die Leitung übernommen. Die Gemeinde habe leider kein Geld, sich einen eigenen Kantor zu leisten.

Wenn ein neuer Pfarrer kommt, hat der auch einige Ideen im Gepäck, die er gern umsetzen möchte. Hildebrandt will das Zusammengehörigkeitsgefühl in der großen Gemeinde Altenhagen-Gültz weiterhin stärken und möchte gern mehr Menschen für die Kirche gewinnen. „Nach den Gottesdiensten möchte ich gern mit den Besuchern Predigtnachgespräche führen. Also mit den Leuten reden, ob die Predigt auch rüberkam, wie sie die bewerten. Damit habe ich in anderen Gemeinden gute Erfahrungen gemacht.“

Aber das müssen die Christen wollen, das könne er nicht erzwingen. Wochenschlussgebete, die nicht unbedingt immer vom Pfarrer abgehalten werden müssen, sollen ebenso ein neues Angebot sein wie auch Bibelkreise. Seine wichtigsten Aufgaben bleiben aber Predigt, Seelsorge und Lehre. „Das kommt bei all den verwaltungstechnischen Dingen, mit denen Pastoren in hohem Maße zu tun haben, oft zu kurz.“

Benno Jucknat, auf dessen Schultern ein großer Teil der Arbeiten der Kirchengemeinde während der Vakanzzeit lag, ist froh, wieder einen Pfarrer in der Gemeinde zu haben. „Er ist ja noch nicht lange hier. Aber er ist ein aufgeschlossener Typ, der auf Menschen zugehen kann. Er ist ein gestandener Pfarrer. Das passt schon“, sagt der Kirchenälteste. Am 7. Oktober um 14 Uhr wird Georg Hildebrandt in der Gültzer Kirche in sein Amt eingeführt.

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