Die Stadt Neubrandenburg mit Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) und Stadtpräsident Dieter Stegemann (CDU) eri
Die Stadt Neubrandenburg mit Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) und Stadtpräsident Dieter Stegemann (CDU) erinnerten am Dienstag an die Reichspogromnacht 1938. Tim Prahle
Geschichte

▶ Pogromnacht in Neubrandenburg – als alles Jüdische brannte

Anlässlich der Reichspogromnacht in Neubrandenburg hat Oberbürgermeister Silvio Witt vor wachsendem Rechtsextremismus gewarnt.
Neubrandenburg

Rund 100 Menschen haben am Dienstag des Leids der Juden in Neubrandenburg gedacht. Bei der Reichspogromnacht 1938 war die Synagoge in der Poststraße von Anhängern der Nationalsozialisten angezündet worden.

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Nur noch 15 Juden in Neubrandenburg

„Geschäfte wie das des jüdischen Kaufmanns Erich Wolff in der Treptower Straße fielen den Plünderungen und Zerstörungen anheim. Allein der Umstand, dass zum Zeitpunkt der Pogromnacht nur noch etwa 15 Menschen jüdischen Glaubens in Neubrandenburg lebten – in den Jahrzehnten davor ging die Zahl in die Hunderte – zeigt deutlich, unter welch antisemitischer Stimmung die jüdischen Familien auch in unserer Stadt zu leiden hatten”, erinnerte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) in seiner Rede.

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Leichenwagen in Brand gesetzt

Der Rathauschef warnte vor dem wieder erstarkten Rechtsextremismus, der Verrohung der Sprache, die „längst den Schritt aus der Anonymität der sozialen Medien in die öffentliche Debatte vollzogen hat”, und der Naivität, dass so etwas wie vor 83 Jahren nicht wieder passieren könne. 1938 „hätte sich ein Teil der Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger auch nicht vorstellen können, dass SA-Angehörige im Laufe der Nacht die Synagoge, die Kapelle und den Leichenwagen auf dem jüdischen Friedhof in Brand setzen würden, und zu was für menschenverachtenden Gräueltaten das NS-Regime noch fähig sein würde”, sagte Witt.

Um eine Wiederholung zu verhindern, gelte es, die Erinnerungskultur noch stärker in die Gesellschaft zu tragen. Das dürfte nicht nur „durch die Reden einiger weniger Personen an einigen wenigen Tagen im Jahr” passieren, sondern müsse täglich gelebt werden.

 

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