WAHLKAMPF MAL ANDERS

Politiker knien nieder und malen um die Wette

Wie wollen sich junge Politiker für junge Neubrandenburger einsetzen? Das sollten die jeweils jüngsten Kandidaten aufmalen. Keine große Rhetorik, sondern Stifte und Papier. Keine leichte Aufgabe für eher wortgewandte Menschen.
Lars Hessel (links) musste für den jüngsten FDP-Kandidaten einspringen, und malte mit Lars Bünger (CDU), Robert Schnell (AfD) und Martin Jennerjahn (SPD, von rechts) nach dem Startschuss von Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls um die Wette.
Lars Hessel (links) musste für den jüngsten FDP-Kandidaten einspringen, und malte mit Lars Bünger (CDU), Robert Schnell (AfD) und Martin Jennerjahn (SPD, von rechts) nach dem Startschuss von Nordkurier-Reporter Ingmar Nehls um die Wette. Andreas Segeth
Auch Franziska Richter (links, Bündnis 90/Grüne) und Marcel Meister (Die Linke) versuchten rasch, mit wenigen Strichen ihre politischen Ideen zu skizzieren.
Auch Franziska Richter (links, Bündnis 90/Grüne) und Marcel Meister (Die Linke) versuchten rasch, mit wenigen Strichen ihre politischen Ideen zu skizzieren. Andreas Segeth
Dominique Cirstea (rechts) von der Jugendredaktion der Neubrandenburger Zeitung befragte die Kandidaten, was ihre gemalten "Kunstwerke" zu bedeuten haben.
Dominique Cirstea (rechts) von der Jugendredaktion der Neubrandenburger Zeitung befragte die Kandidaten, was ihre gemalten "Kunstwerke" zu bedeuten haben. Andreas Segeth
Neubrandenburg.

Die Hände von Franziska Richter sind grün beschmiert. Passt ja auch zu der Partei, für die sie in die Stadtvertretung einziehen will. Hektisch malt sie einen See und etwas, was wie ein Panzer aussieht.

Eine Minute hat die 25-jährige Studentin Zeit, ihre Ideen für eine Stadtpolitik, die auch Interessen von Jugendlichen berücksichtigt, auf das Papier zu bringen. Viele Besucher des Demokratiefestes kommen dichter an die Bühne auf dem Marktplatz heran, um sich anzuschauen, was die sechs Jungpolitiker kniend malen. „Ich war im Zeichnen nie besonders gut“, gibt Marcel Meister zu, der Die Linke vertritt. Während einige seiner Kontrahenten möglichst viel zu Papier bringen, beschränkt sich Marcel Meister auf ein Motiv.

Die letzten Striche werden gemacht, dann ist die Zeit rum. Jetzt darf jeder Jungpolitiker sagen, was zu erkennen sein soll. Die Kandidaten werden von Dominique Cirstea befragt. Die Abiturientin gehört zur Jugendredaktion der Neubrandenburger Zeitung, die sich diese etwas andere Aktion im Vorfeld der Kommunalwahlen ausgedacht hat. „Für uns ist es nicht nur wichtig, was sie dabei sagen, sondern auch, in welchem Format dies stattfindet.“ Auf witzige Art und Weise hatten die sechs Kandidaten nun eine Chance, zu beweisen, dass ihnen etwas an den jungen Menschen in der Region liegt. „Natürlich hoffen wir, damit auch Jugendliche für das Thema Politik zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeiten der Demokratie aufzuzeigen“, sagt die junge Journalistin.

Neulinge und "alte Hasen"

Der Panzer von Franziska Richter soll übrigens ein Bulldozer sein, der für die Umweltzerstörung steht. Die Studentin ist erst seit zwei Jahren bei den Grünen, hat aber trotzdem einen Spitzenplatz auf der Wahlliste ihrer Partei bekommen. Martin Jennerjahn hat eine Kita gemalt. Denn der 26-jährige Familienvater weiß, wie wichtig ein bezahlbarer Kita-Platz für junge Familien ist. Er zieht für die SPD in den Wahlkampf, ist aber kein Parteimitglied. „Mir hat das Programm der SPD am besten gefallen. Die Ideen sind auch am ehesten zu finanzieren“, meint Politikneuling Martin Jennerjahn.

Junge Menschen für Politik zu interessieren, ist nicht leicht, weiß Linkspolitiker Meister. Der 25-Jährige ist stark aktiv im Kinder- und Jugendbereich. „Das nützt doch nichts. Alle Parteien sind gleich“, sind Sprüche, die er oft hört. Er will das Gegenteil beweisen und meint, dass es als junger Mensch auch einfacher ist, Politik für junge Menschen zu machen.

Nicht nur für junge Leute, sondern für alle Generationen will sich Robert Schnell von der AfD einsetzen. Der 27-jährige Student möchte ein Jugendparlament in der Stadt etablieren. In seiner Partei würde es noch ein paar andere junge Leute geben, sagt Schnell.

Chancen für den Nachwuchs

Der jüngste Kandidat ist der FDP bei der Malaktion leider abhanden gekommen. So musste Rechtsanwalt Lars Hessel einspringen. Mit 46 Jahren natürlich der älteste in der Runde der malenden Politiker. Die Liberalen seien stets offen für junge Köpfe, sagt Hessel, gibt aber auch zu, dass es nicht leicht ist, junge Leute zu gewinnen. „Da befinden wir uns in einer Konkurrenzsituation mit anderen Parteien“, weiß Hessel. Gerade nach der Wahlschlappe, die die FDP auf Bundesebene und im Land kassiert hat, seien die Chancen für den politischen Nachwuchs aber besonders groß.

Kein Neuling ist Lars Bünger, der bereits in Penzlin Stadtpolitik gemacht hat. Jetzt will der 28-jährige Versicherungskaufmann und Student für die CDU in den Kreistag. Bünger findet es wichtig, dass junge Leute sich einmischen, denn schließlich seien die Reformen von heute die Zustände von Übermorgen.

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