Auf dem Weg in die Umkleidekabine wurden die Fußballer des 1. FC Neubrandenburg 04 von Schweriner Dynamo-Fans bedrä
Auf dem Weg in die Umkleidekabine wurden die Fußballer des 1. FC Neubrandenburg 04 von Schweriner Dynamo-Fans bedrängt. Roland Gutsch
Gewaltbereite Fans

Polizei-Einsatz beim Heimspiel des 1. FC Neubrandenburg

Schwarzer Tag für den Verbandsliga-Fußball: Beim Spitzenspiel des 1. FC Neubrandenburg 04 gegen die Schweriner Dynamos zeigte sich ein Teil der Fans aggressiv und gewaltbereit.
Neubrandenburg

„Ein rabenschwarzer Tag für die Fußball-Verbandsliga.” Mit diesen Worten fasste Mathias Wackerow, Trainer von Tabellenführer 1. FC Neubrandenburg 04, die Geschehnisse am Rande des Top-Heimspiels gegen die ebenfalls aufstiegswillige Mannschaft von der SG Dynamo Schwerin am Samstag-Nachmittag zusammen. Der 34-jährige Coach schüttelte angesichts der aggressiven Stimmung und Gewaltbereitschaft, die hauptsächlich von einigen Anhängern des Schwerin-Teams ausging, den Kopf.

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40 Polizisten mussten eingreifen

Anfänglich in der Halbzeitpause schien die heikle Situation dann nach dem Abpfiff des 1:1-Kicks für ein paar Minuten außer Kontrolle zu geraten. Ein Aufgebot an Polizei-Kräften, in der Spitze geschätzt 40 Leute, waren auf dem Gelände der Neubrandenburger Datzeberg-Sportanlage im Einsatz.

Spieler von Fans angegriffen

Zwei Fußballer aus der FCN-Startelf, die Youngster Jacob Schröder und Lukas Ebel, bekamen sogar Schläge von mitgereisten Fans des Schweriner Vereins ab. „Ich wollte einen davon abhalten, die Sache mit dem Handy aufzunehmen”, erklärte Schröder hinterher – mit aufgeplatzter Unterlippe und Bluterguss über dem Kinn. Die Polizisten setzten einen jungen Mann, offenbar einen der wenigen an der Auseinandersetzung beteiligten Neubrandenburger Zuschauer, per Pfefferspray außer Gefecht.

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Rudelbildung und Gerangel

Die Polizei war nach den Vorkommnissen in der Halbzeit-Pause von den Gastgebern gerufen worden. Ein Teil der knapp 50 Dynamo-Fans hatte zuvor die FCN-Spieler auf dem Weg gen Mannschaftskabine verfolgt, insbesondere Kapitän Daniel Nawotke schien in den ersten 45 Spielminuten ihren Unmut erregt zu haben. Eine bedrohliche Szenerie: Rudelbildung und Gerangel vor der Umkleide.

Die Vereinsordner versuchten vergebens, Abstände herzustellen. „Wir sahen uns gezwungen, Polizei-Kräfte anzufordern”, sagte Club-Präsident Torsten Hanke. Der wurde, als er in der unübersichtlichen Situation nach dem Ende der Partie deeskalierend einwirken wollte, beinah selbst noch zu einer der Zielscheiben aufgeheizter Schweriner. Unterm Strich steht: Was dort abging, war enorm problematisch – zu einer größeren Keilerei kam es dann glücklicherweise doch nicht.

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Spitzenspiel um den Aufstieg

Fußball wurde auch gespielt. Es handelte sich um nicht weniger als das Duell der einzigen zwei Teams aus der höchsten MV-Spielklasse, die tags zuvor beim Nordostdeutschen Fußballverband per Unterlagen-Einreichung ihren Willen bekundet hatten, in die Oberliga aufzusteigen – so sich sportlich die Chance dazu ergibt. Zwischen diesen beiden entscheidet sich am Saisonende, wer hoch darf.

Aus FCN-Sicht lief es eher mäßig. „Nix Gutes” fand Trainer Wackerow an dem Auftritt seiner Mannschaft, „uns ist diesmal wenig bis gar nichts gelungen. Es gibt solche Tage. Das war wie ein schlechter Film. Mit dem Remis-Punkt können wir allerdings zufrieden sein. Weil wir in der zweiten Halbzeit besser waren, geht der auch in Ordnung”.

Frühe Führung für Schweriner

Die Schweriner Dynamos, wie die Vier-Tore-Städter personell gebeutelt, wirkten zunächst zielstrebiger. Ihre überfallartigen Angriffe verwirrten einige Male die Hausherren, die sich zudem durch simple Abspielfehler Ballverluste leisteten. Patryk Wozniak brachte die Landeshauptstädter 1:0 in Front (12. Minute), früh und verdient. Der FCN-Außenbahnrenner Lukas Ebel hatte mit einem Heber an den linken Pfosten Pech. Club-Keeper Benjamin Wegener verhinderte auch im zweiten Abschnitt mit starken Paraden bei Dynamo-Kontern einen höheren Rückstand. Nun hatten freilich die Neubrandenburger Fußballer größere Spielanteile und mühten sich redlich um den Ausgleichstreffer. Der gelang Ebel nach Vorarbeit des eingewechselten Lennard Fassinger, 1:1 (80.). Fast wäre Daniel Nawotke in der Nachspielzeit noch der Siegtreffer geglückt.

Angreifer Danny Blume, eine ehrliche Haut, sagte: „Mit dem Ergebnis müssen wir zufrieden sein, wir hätten auch verlieren können. Gut drauf waren wir diesmal nicht.” Immerhin konnte die FCN-Truppe den Sechs-Punkte-Vorsprung auf die Schweriner, die bislang zwei Partien weniger bestritten haben, halten.

 

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