Crash mit Fahrschulauto
Polizei sucht Unfall-Flüchter in Neubrandenburg

Nach einem Unfall am Dienstag verschwanden die mutmaßlichen Crash-Fahrer und werden von der Polizei gesucht (Archivfotos).
Nach einem Unfall am Dienstag verschwanden die mutmaßlichen Crash-Fahrer und werden von der Polizei gesucht (Archivfotos).

In Neubrandenburg ereigneten sich an der Hochstraße kurz nacheinander zwei Unfälle. Ein betroffener Fahrlehrer beschreibt nun die Szene – und und das Chaos danach.

Der Schreck sitzt Fahrlehrer Alfredo Adler noch immer in den Knochen – und erst recht seiner jungen Fahrschülerin. Am späten Dienstagnachmittag sind die beiden an der Hochstraße nahe der Oststadt plötzlich mächtig gerammt worden. Das Auto, das den beiden plötzlich im Nacken saß, muss viel zu schnell unterwegs gewesen sein und kam so nicht rechtzeitig zum Stehen. So jedenfalls das Urteil des erfahrenen Fahrlehrers. Der aber danach erleben musste, was auch einen, der von Berufs wegen jeden Tag mit dem Auto unterwegs ist, zum Staunen bringt. Das Fahrzeug wendete plötzlich, scherte in den Gegenverkehr ein und verschwand. „Aber nicht lange“, so der Neubrandenburger Adler. Denn plötzlich war lautes Scheppern zu vernehmen. „Der hat sich dann selbst geschrottet“, so Alfredo Adler lakonisch.

Von einer ordentlichen Unfallaufnahme durch die Polizei konnte trotzdem längst keine Rede sein. Wie der Fahrlehrer inzwischen von einem seiner vielen Kontakte erfahren hat, sollen sich die beiden Insassen des Unfall-Fahrzeugs gleich nach ihrem zweiten Crash aus dem Staub gemacht haben. Nichts besonderes in Neubrandenburg, einer der Hochburgen für unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Ganze 515 Mal im Jahr 2017 verschwanden Autofahrer, die schuld an einem Unfall waren, ohne auf die Polizei oder den Besitzer des anderen Fahrzeugs zu warten.

Vieles an dem Fall ist nur Mutmaßung

Aber selbst in Neubrandenburg ist ungewöhnlich, dass eine komplette Autobesatzung einen Unfall mitten im Berufsverkehr baut, das Fahrzeug dann demoliert stehen lässt und zu Fuß verschwindet. „Noch haben wir die beiden leider nicht ausfindig machen können“, so eine Sprecherin der Neubrandenburger Polizei auf Nordkurier-Nachfrage. Dafür weiß die Polizei aber schon einiges anderes mehr: Die amtlichen Kennzeichen an dem Auto sind nämlich gefälscht. „Nicht gestohlen“, heißt es bei der Polizei. Denn Beamte aus dem Neubrandenburger Polizeihauptrevier haben die Besitzerin der richtigen Nummernschilder in Neubrandenburg aufgesucht und beide Kennzeichen an deren Auto sehen können. „Wir ermitteln bis jetzt wegen Urkundenfälschung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort“, so die Polizeisprecherin.

Alles andere könne man nur mutmaßen. Etwa ob die beiden Flüchtigen betrunken oder bekifft waren oder ob das Auto am Ende sogar gestohlen war. „Weil das Fahrzeug offenbar in den vergangenen Jahren sehr oft verkauft worden ist und so einige Halter und Besitzer besaß, recherchieren die Ermittler noch, wer der letzte Besitzer gewesen ist“, so die Auskunft. Und wenn der oder die bekannt ist, bestünde auch große Hoffnung, die Identitäten der beiden geflohenen jungen Männer festzustellen. Darauf muss jetzt auch der Fahrlehrer Adler warten, um die Schäden an seinem Lehr-Auto regulieren zu können.