DIE UNTERSCHÄTZTE GEFAHR AM GLEIS

Polizei warnt Kinder - Bahnanlagen sind kein Spielplatz

Immer wieder betreten Kinder und Jugendliche Bahnanlagen und begeben sich dabei oft unbewusst in Lebensgefahr. Auch Neubrandenburg erlebte in der Vergangenheit schlimme Unglücke.
Tobias Holtz Tobias Holtz
In Neubrandenburg und auf umliegenden Bahn- und Gleisanlagen kam es in letzter Zeit zu keinen gefährlichen Vorfällen. Foto: Stefan Sauer
In Neubrandenburg und auf umliegenden Bahn- und Gleisanlagen kam es in letzter Zeit zu keinen gefährlichen Vorfällen. Foto: Stefan Sauer Stefan Sauer
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IMG_3622.JPG Matthias Lanin
Neubrandenburg.

Es ist schönstes Sommerferienwetter. Zwei Freundinnen sind draußen unterwegs, immer auf der Suche nach der perfekten Fotokulisse. Schnell werden die Mädchen fündig: Ein Selfie auf den Bahngleisen soll es werden. Ein Zug ist weit und breit nicht zu sehen. Sie laufen auf die Schienen, umarmen sich und schauen lächelnd in die Kamera ihres Smartphones. Plötzlich durchbricht ein lautes Rattern ihr Lachen. Mit aufgerissenen Augen starren sie auf den entgegenkommenden Zug, ihre Haare flattern im Fahrtwind. Die Bremsen quietschen – doch es ist zu spät.

Dieses Horrorszenario stammt zum Glück nur aus einem Video, mit dem die Deutsche Bahn junge Menschen aufrütteln möchte, die für ein Foto ihr Leben riskieren. „Selfies im Gleisbett zu machen, hat sich mittlerweile deutschlandweit zu einem gefährlichen Trend entwickelt“, wie Bundespolizeisprecher Stefan Langnau auf Nordkurier-Anfrage mitteilt. Im Bereich der Stadt Neubrandenburg und den umliegenden Bahnanlagen sei es zwar bislang nicht zu derartigen Zwischenfällen gekommen. Dennoch mussten die Beamten allein im vergangenen Jahr 26 Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten, weil sich Personen unerlaubt auf den Gleisen aufhielten, darunter auch einige Kinder und Jugendliche.

„Gerade für die Jüngeren sind Bahnanlagen wie ein Abenteuerspielplatz“, so der Sprecher. Wie tückisch das Spielen dort sein kann, sei ihnen oftmals gar nicht bewusst. Die Sogwirkung vorbeifahrender Züge, der selbst Erwachsene nicht standhalten könnten, werde meist unterschätzt. Sie könne dazu führen, dass Kinder von den tonnenschweren Zügen erfasst, schwer verletzt oder sogar getötet würden.

Herannahende Züge sind viel leiser geworden

Anstatt über eine Brücke oder durch eine Unterführung zu gehen, würde so mancher auch lieber den kürzeren Weg über die Schienen nehmen. „Oft beobachten Kinder, wie Erwachsene dies tun, und machen es ihnen dann einfach nach“, sagt der Bundespolizeisprecher.

Herannahende Züge seien in den vergangenen Jahren zudem viel leiser geworden. Oft hört man sie zu spät, um das Gleis rechtzeitig verlassen zu können. Doch selbst beim vorschriftsmäßigen Überqueren der Bahnübergänge ist Vorsicht geboten, wie ein tragischer Vorfall vom Januar 2018 zeigt. Damals wurde ein 18-jähriger Neubrandenburger an den Gleisen westlich des Reitbahnsees von einem Zug erfasst, weil er über seine Kopfhörer Musik gehört hatte (der Nordkurier berichtete). Darüber hinaus werde oft die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt. „Wenn ein Personenzug mit 160 km/h etwa 100 Meter von einem Menschen entfernt ist, hat derjenige nur noch drei Sekunden Zeit, zu reagieren – danach ist er tot“, macht Stefan Langnau den Ernst der Lage deutlich.

Gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr

Auch das Legen von Steinen oder sonstigen Gegenständen auf die Gleise ist kein Kavaliersdelikt und stellt einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr dar, heißt es von der Polizei. So hatten im März und September 2017 Jugendliche am Mühlendamm einen Baumstamm und mehrere Schottersteine auf die Schienen getragen. Die Züge überfuhren die Hindernisse und trugen glücklicherweise nur einen Blechschaden davon. Verletzt wurde niemand. Dennoch hätte es damals auch ganz anders ausgehen können: „Wenn ein Zug beispielsweise Schottersteine überfährt, werden im schlimmsten Fall Splitter oder ganze Steine wie Geschosse in alle Richtungen geschleudert, was zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen kann“, betont der Sprecher der Bundespolizei.

Er ist froh darüber, dass sich solche Vorfälle in letzter Zeit in Neubrandenburg nicht wiederholt haben. Der Bedarf an Aufklärung sei bei jungen Leuten aber nach wie vor groß. „Wir machen viel Präventionsarbeit an Schulen, um Kinder und Jugendliche für mögliche Gefahren zu sensibilisieren. Unser Appell ist es, dass sich gerade Erwachsene ihrer Vorbildfunktion bewusst sein sollen“, sagt Stefan Langnau.

Wer Kinder beim Spielen an den Gleisen oder andere verdächtige Personen nahe den Bahnanlagen beobachtet, wird gebeten, die für Neubrandenburg zuständige Bundespolizeiinspektion Stralsund unter der Telefonnummer 03831 284320 zu informieren. Hinweise können auch über die kostenfreie Hotline 0800 6888 000 oder im Internet auf www.bundespolizei gegeben werden.

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