NOTRUF

Polizei wird sogar wegen Außerirdischer um Hilfe gerufen

Die Ordnungshüter werden unter Telefon 110 nicht nur zu Unfällen und Straftaten gerufen. Sondern sie werden sogar bei Mahlzeiten, die nicht schmecken wollen, und als Drohpotenzial gegenüber Söhnen missbraucht, die nicht auf ihre Väter hören wollen.
Im Neubrandenburger Polizeipräsidium gingen im vergangenen Jahr mehr als106 000 Notrufe ein. Nicht alle waren Anrufe von
Im Neubrandenburger Polizeipräsidium gingen im vergangenen Jahr mehr als106 000 Notrufe ein. Nicht alle waren Anrufe von tatsächlich in Not geratenenen Mitbürgern. Sophia Weimer
Neubrandenburg.

Die Stimme des Mannes geriet vor lauter Aufregung in höhere Stimmlagen. Er sehe ganz deutlich gerade einen Silberstreifen am Himmel, rief der Mann aufgeregt bei der Polizei in Neubrandenburg an. Ganz ohne Zweifel sei es jetzt soweit und Außerirdische würden auf der Erde landen. Ob es der Polizei gelang, den Mann vom Gegenteil zu überzeugen, weiß niemand ganz genau.

Eine Frau in einer anderen Stadt verzweifelte bei dem Versuch, ihren Telefonakku zu laden. Ob die Polizei nicht ihren Bruder zur Unterstützung vorbeischicken könne, fragte die hilflose Dame unter der Telefonnummer 110. Ein anderer wollte in der Einsatzleitstelle einen Rat einholen vor dem Abschluss eines Versicherungsvertrages. Sicher ist sicher.

Im Jahr 2020 etwas weniger Notufe als 2019

Unfälle, Diebstähle, zu laute Musik, aber auch Chauffeur-Anfragen und Ratsuchende, denen selbst gekochtes Essen nicht schmecken mag: Im Jahr 2020 hat es in der Einsatzleitstelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg (zuständig für die Landkreise Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte) rund 106.600 Notrufe gegeben. Knapp die Hälfte davon zogen einen tatsächlichen Einsatz der Polizei nach sich – also knapp 53.700. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2019 rund 110.100 Notrufe, die in der Neubrandenburger Leitstelle eingingen, daraus ergaben sich seinerzeit 49.300 Einsätze.

Zu den häufigsten Gründen für Einsätze nach Notrufen gehörten Verkehrsunfälle, Gefahrenabwehr und das Prüfen von Beschwerden oder Hinweisen wegen Lärmbelästigung und Ruhestörung, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums am Mittwoch.

Anruf, weil der Sohn vor der Spielkonsole hockte

Generell würden Bürger mitunter aber auch wegen alltäglicher Dinge in der Leitstelle anrufen: So wollte ein offensichtlich überforderter Vater seinen achtjährigen Sohn von der Polizei abholen lassen, weil dieser nicht von der Spielkonsole wegzukriegen war. Auch wer sich aussperrt oder seinen Schlüssel verloren hat, wählt gern mal die 110. Dann allerdings wägen die Beamten stets ab: Ist die Tür zugefallen und im Haus oder in der Wohnung sind zum Beispiel noch Kinder allein, organisiert die Polizei natürlich Hilfe.

125 mal Anzeige wegen Missbrauch des Notrufs

Doch nicht immer ist es mit freundlichen Verweisen an andere Hilfsmöglichkeiten getan: In 125 Fällen hat die Polizei im Bereich des Präsidiums Neubrandenburg im vergangenen Jahr Anzeigen wegen des Missbrauchs von Notrufen gestellt. Im Jahr 2019 waren es mit 135 Fällen sogar noch zehn mehr. Bei den strafbaren Fällen handelt es sich sowohl um Notruf-Streiche oder Meldungen falscher Unfälle oder anderer angeblicher Gefahren.

Kein Kavaliersdelikt: Wer absichtlich Notrufe oder Notzeichen missbraucht oder vortäuscht, dass wegen eines Unglücksfalles oder wegen Gefahr die Hilfe anderer erforderlich sei, kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.

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