Stadtvertreter wollen Taten sehen

Poller oder Schranke für Fußgängerzone?

In der unendlichen Geschichte um eine Lösung für die Treptower Straße wollen Stadtvertreter endlich Taten sehen. Dabei kommt auch eine zuvor als unansehnlich verworfene Option wieder ins Spiel.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Es gibt wohl kaum eine Fußgängerzone mit so viel Autoverkehr.
Es gibt wohl kaum eine Fußgängerzone mit so viel Autoverkehr.
So läuft’s im Umland: In Malchow wurden Poller installiert, um nächtlichen Verkehr von der Insel auszusperren. Allerdings stießen Kosten und Defektanfälligkeit den Initiatoren sauer auf.
So läuft’s im Umland: In Malchow wurden Poller installiert, um nächtlichen Verkehr von der Insel auszusperren. Allerdings stießen Kosten und Defektanfälligkeit den Initiatoren sauer auf.
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Neubrandenburg.

Kurz bevor eine diskussionsreiche Wahlperiode zu Ende geht, reißt endgültig jeder Geduldsfaden. „Es ist an der Zeit, dass die Luft brennt“, macht CDU-Stadtvertreter Hans-Jürgen Schwanke seinem Zorn Luft über ein Thema, das schon seit Jahren viel Rederei, aber kein Ergebnis hervorbringt: Nach wie vor muss die Treptower Straße neben dem Marktplatz-Center als vielleicht meistbefahrene Fußgängerzone der Welt gelten. „Wir machen uns unglaubwürdig“, schimpft auch Jan Kuhnert (Die Linke) über all die Worte, denen endlich Taten folgen sollten, um Autoverkehr und Parksünder fernzuhalten.

Was eine Ecke weiter auf dem Boulevard Turmstraße undenkbar wäre, ist in der Treptower Straße gang und gäbe: Im Minutentakt biegen Autos in die Fußgängerzone ein, deren Fahrer dann in aller Ruhe einkaufen oder essen gehen – ohne einen Blick für die Beschilderung, die lediglich zu festgelegten Zeiten Lieferverkehr zulässt. Um das zu unterbinden, sind schon viele Möglichkeiten geprüft und fast ebenso viele wieder verworfen worden.

Auch der erst vor wenigen Wochen favorisierte Poller, der für Liefer- und Rettungsfahrzeuge entfernt werden könne, wäre „eine schnelle, aber nicht die beste Lösung“, gibt Dirk Schwabe vom städtischen Eigenbetrieb Immobilienmanagement zu bedenken. Die Installation könne im Winter einfrieren und sei dann über Wochen oder Monate unbrauchbar. Das Grundproblem sei indessen, dass die Einmündung der Treptower in die Dümperstraße nun mal aussehe wie ein vierarmiger Kreuzungsbereich. Ratsam sei daher zumindest eine optische Abgrenzung.

Die Option einer andersartigen Pflasterung mit „Gehwegcharakter“ war vor Wochen auch vom beauftragten Planungsbüro als erster Schritt erwogen worden, doch überwog bei den Stadtvertretern die Skepsis gegenüber der Erfolgsaussicht. „Wir erwarten Ergebnisse, und ihr gestaltet“, wirft Schwanke daher der Verwaltung vor. Bis Ostern sollten Poller montiert werden, hatte er im Januar im Betriebsausschuss gefordert – woraus nun durch erneute Einwände nichts wurde. Am Rathaus seien einst innerhalb kurzer Zeit Poller gesetzt worden, erinnert Schwanke: „Es geht also, wenn man will.“ Dass hingegen über die Treptower Straße Jahr um Jahr nur geredet werde, bringt ihn in Rage.

„Es geht um die gefühlte und echte Sicherheit der Fußgänger, wohlgemerkt in der Fußgängerzone“, wird auch Roman Oppermann (SPD) deutlich. Er bringt eine zuvor als unansehnlich verworfene Schranke wieder ins Gespräch: Um der Funktion willen sei die ästhetische Einschränkung vielleicht in Kauf zu nehmen. Am Klinikum zum Beispiel bewähre sich das Schrankensystem. Anliegern und Einsatzkräfte könne mit einer Chipkarte das Öffnen ermöglicht werden, unterstützt SPD-Stadtvertreterin Monika Bittkau den Vorschlag. Einmal mehr will der Betriebsausschuss nun bei einer Sondersitzung am 30. April über Lösungsvarianten diskutieren – und dann tatsächlich eine Entscheidung treffen.

Kommentare (1)

Eigene Politesse. Da haben alle was davon die Stadt bekommt Geld, und der autofahrer ein Knöllchen. Sowas muss man doch auch positiv sehen. Gerade in der Zeit wo die Rathaussanierung so viel mehrausgaben fordert.