Das dürfte für mächtig Erinnerungen an heiße Derbys sorgen: Das Traditions-Team des 1. FC Neubrandenburg
Das dürfte für mächtig Erinnerungen an heiße Derbys sorgen: Das Traditions-Team des 1. FC Neubrandenburg 04 lädt die Männer der einstigen Neubrandenburger Kontrahenten BSG Post und ASG Vorwärts zum gemeinsamen Abend ins Konsulat ein. NK-Montage/Archiv
Witziges Mannschaftsfoto von der BSG Post Neubrandenburg in der Saison 1975/1976.
Witziges Mannschaftsfoto von der BSG Post Neubrandenburg in der Saison 1975/1976. Archiv
Vor 8000 Zuschauern machten die Neubrandenburger Vorwärts-Männer 1978 den Einzug in die Aufstiegsrunde klar –
Vor 8000 Zuschauern machten die Neubrandenburger Vorwärts-Männer 1978 den Einzug in die Aufstiegsrunde klar – ausgerechnet im Derby gegen die BSG Post. Archiv
Eines der Vorwärts-Teams um den starken Bernhard Zuch (hinten, Dritter von links).
Eines der Vorwärts-Teams um den starken Bernhard Zuch (hinten, Dritter von links). Archiv
Derby im knöcheltiefen Schnee des Winters 1979/1980: Post-Verteidiger Klaus-Peter Zühlke (rechts) und Vorwärts-
Derby im knöcheltiefen Schnee des Winters 1979/1980: Post-Verteidiger Klaus-Peter Zühlke (rechts) und Vorwärts-Keeper Heinz Dahms (links) in Aktion. Archiv
Fußball-Treffen

Post und Vorwärts treffen sich – Fußball-Nostalgie im Altbezirk Neubrandenburg

Das Traditions-Team des 1. FC Neubrandenburg 04 lädt die Männer der einstigen Neubrandenburger Kontrahenten BSG Post und ASG Vorwärts zu einem Abend ein.
Seenplatte

Aepinus, Barsikow, Berude, Borowski, Bruhn, Dahms, Harnack Hunger, Krabbe, Lentz, Lüth, Meske, Mehrwald, Metelmann ... – Na, klingelt‘s schon? – Passow, Popp, Prange, Reschke, Romanski, Rosemann, Ruthenberg, Sager, Schröder, Stemmwedel, Störr, Szangolies, Tempel, Tschernatsch, Uteß, Walter, Zallmann, Zühlke. – Spätestens jetzt sollte doch der Groschen gefallen sein!

Zumindest die Freunde regionaler Sportgeschichte, speziell der Neubrandenburger, wissen längst Bescheid. Hier sind von A (wie Aepinus, Angreifer) bis Z (wie Zühlke, Verteidiger) Männer aufgelistet, die in den sogenannten „Ost-Zeiten“ bei der Betriebssportgemeinschaft Post Neubrandenburg oder bei der Armeesportgemeinschaft Vorwärts Neubrandenburg Fußball auf ansprechendem Niveau spielten. Oder: sowohl als auch.

„Zuspruch ist riesig”

Am 19. August soll es um 17 Uhr in der Vier-Tore-Städter Kneipe „Konsulat“ ein launiges Treffen der alten Kämpen geben. Die oben aufgelisteten Herren sind dabei. „Und noch viele mehr“, erzählt Manfred Riebe vom „Traditions-Team des 1. FC Neubrandenburg 04“, das die Sache ins Rollen gebracht hat. „Der Zuspruch ist riesig. Wir hatten nur wenige Tage, nachdem wir mit unserem Vorhaben herausgekommen sind, Zusagen von rund 60 Leuten. Das hat uns selbst ein bisschen überrascht.“

Quasi täglich erhält man weitere Reaktionen: Die Ex-Kicker wollen an dem Erinnerungs-Freitagabend dabei sein, beim „Quatschen und Lachen über die alten Zeiten“ ihre Beiträge leisten. Sogar ein früherer Post-Busfahrer hat sich gemeldet, auch er lässt sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Zumal: Rücktouren von Partien sollen seinerzeit ja selten langweilig gewesen sein.

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Die Traditions-Truppe um „Manni“ Riebe, zu der auch Jürgen „Papi“ Hinz und Wolfgang Jüdes gehören, wird bei der Vorbereitung von Mario Hunger und Burkhard Hanke unterstützt. „Die zwei haben einen guten Draht zur Vorwärts-Seite“, so Riebe. „Aber es war ja ohnehin so, dass viele Post-Spieler, wenn sie damals zur Armee eingezogen wurden, bei Vorwärts landeten.“ Kurze Wege. Dafür gibt es tatsächlich eine lange Reihe Beispiele.

Kontrahenten saßen gemeinsam beim Mittag

Post kontra Vorwärts, Vorwärts kontra Post. Das waren in den 1960ern, vor allem in den 1970ern und in den frühen 1980ern die Duelle, die die Gegend elektrisierten. Die Zugpferde dieser Fußball-Region. Es war wie mit den Beatles und den Rolling Stones: Als Fan musste man sich entscheiden. Starke Spiele – meist in der DDR-Liga, seinerzeit die zweithöchste Spielklasse – sind in den Hinterkopf-Archiven.

Torwart Heinz Dahms, von klein auf ein Postler und als einer der lütten „Briefträger“ 1966 bei der Premiere des Fußball-Knabenturniers unserer Zeitung am Start, gehörte der Vorwärts-Elf an, die ausgerechnet durch einen 1:0-Sieg im Bezirksstadt-Derby gegen die BSG Post die Erstliga-Aufstiegsrunde 1978 erreichte. „Ein frühes Tor von Bernhard Zuch entschied das Ding“, denkt der 65-jährige Dahms zurück. „Damals waren 8000 Zuschauer auf dem Ligaplatz, der ja nun neu.sw-Stadion heißt, dabei. Von so einer Kulisse kann unser Fußball heute nur träumen.“

Vor der Partie war der damals 21-jährige Dahms übrigens bei den Schwiegereltern zum Mittagessen eingeladen und saß dort dann Jürgen Steinke gegenüber, einem bekannten Post-Fußballer. „Steini war damals noch mein Schwager und sagte mir voraus: ,Junge, dieses Spiel könnt ihr nicht gewinnen.‘ Der wollte mir Angst machen.“

So gut man einander auch kannte – auf dem Rasen-Rechteck war Schluss mit lustig. Prestige-Angelegenheit. Der Derby-Thrill hatte 1984 freilich ein Ende: Der Dachverband der Armeesportgemeinschaften beschloss zur Straffung ihrer Organisation die Auflösung der ASG Vorwärts Neubrandenburg, zumindest seines Herrenbereichs. Nicht wenige der Fußballer wechselten nach „nebenan“, zur BSG Post.

Weitaus früher wurde Dieter „Charly“ Tschernatsch von einem ASGler zu einem Postler: Von 1959 bis 1967 stand der (ewige) Sonnyboy zwischen den Vorwärts-Pfosten, danach bis 1973 bei besagten „Briefträgern“ im Tor. Ein Gelb-Roter wurde zu einem Gelb-Blauen – und das ohne Einbuße an Beliebtheit bei den Fußball-Anhängern. „Als ich davon erfuhr, dass dieses Treffen am 19. August stattfindet, sagte ich gleich, dass ich komme. Das ist eine feine Sache“, freut sich der mittlerweile 81-Jährige darauf, die alten „Schtoris“ anzuhören oder zum Besten zu geben.

10.000 Zuschauer beim Krimi-Kick gegen Stralsund

Seinen 85. Geburtstag hat im Oktober Jürgen Schröder, der Mann, der für den SC Neubrandenburg als Torjäger und für die BSG Post auch als Coach erfolgreich war. Von 1972 bis 1978 trainierte er die „Erste“. Ein Vereinsrekord, der noch lange halten wird. Steinke, Lewerenz, Berude, Rosemann, Zühlke, Tempel und der mittlerweile verstorbene Goalgetter Michael „Haschi“ Jendrusch, der sich fünf Mal in Folge die Torjägerkrone in der DDR-Liga sicherte, zählten zu seinen Schützlingen.

Im Gedächtnis des Anhangs: Der Krimi-Kick um den Einzug in die Oberliga-Aufstiegsrunde im Frühjahr 1977 gegen Vorwärts Stralsund. 10.000 Zuschauer sahen das 0:1 auf Neubrandenburgs „heiligem Rasen“. Einige kletterten auf Bäume, um zugucken zu können. Manfred Riebe: „Jürgen möchte auch zu unserem Post/Vorwärts-Abend kommen. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.“

Extra aus Chemnitz dabei

Für Thomas Lüth (62), der die meisten DDR-Liga-Partien aller Post-Kicker bestritt, „aber nie ein Vorwärts-Mann war“, ist es keine Frage: „Das wird super. Ich bin dabei.“ Dirk Barsikow erwägt, zu dem Anlass extra aus dem fernen Chemnitz anzurücken. Der war 1989 als Libero aus Fußball-Neubrandenburg zum Erstligisten FC Karl-Marx-Stadt gelotst worden, für den er dann sogar Uefa-Cup-Partien bestritt.

Marco Zallmann, der gleichfalls aus der Post-Fußballschule stammt, wechselte als Mittzwanziger zum FC Hansa Rostock, bei dem er in der Bundesliga Karriere machte. „Marco hat mich gefragt, ob er mit seinen 54 der Jüngste bei unserem Treffen am 19. August sein wird“, lächelt Manfred Riebe. „Mal sehen.“

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