STREIT MIT LETZTEM DDR-INNENMINSITER

Prozess gegen Staranwalt Diestel endet wohl mit Vergleich

Ein ehemaliger Partner des Rechtsanwalts Peter-Michael Diestel verklagt ihn auf die Zahlung einer sechsstelligen Summe. Vor Gericht wurde am Mittwoch ohne Diestel verhandelt.
Rechts der Kläger Mario Genth, links Diestels Anwältin Bettina Schleicher. In der Mitte Richter Christian Weidlich. Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel (kleines Bild) erschien nicht zu dem Termin. Gadewolz/Pleul
Neubrandenburg ·

Der Mann, auf den gespannt gewartet wird, erscheint nicht zum Termin im Neubrandenburger Landgericht. Peter-Michael Diestel, der Prominenten-Anwalt aus Zieslow am Plauer See, letzter DDR-Innenminister und gerade frisch aus der CDU ausgetreten, lässt sich bei Richter Christian Weidlich entschuldigen. „Gesundheitliche Probleme”, sagt seine Rechtsanwältin Bettina Schleicher, würden es ihrem Mandanten unmöglich machen, persönlich zu erscheinen.

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Sein Gegenüber betritt das Neubrandenburger Justizzentrum schon eine halbe Stunde vor Beginn des Zivilprozesses. Mario Genth, früherer Kanzleipartner von Diestel, fordert von dem knapp 300.000 Euro aus der gemeinsamen Zeit. Genth besaß nach eigenen Angaben 37,5 Prozent der Gesellschafteranteile der gemeinsamen Kanzlei, die er von einem anderen ehemaligen Anwaltspartner Diestels übernommen haben will. Eineinhalb Jahre, bis zum 30. Juni 2017, habe die gemeinsame Zeit gedauert, das schnelle Ende soll unschön gewesen sein.

Urteil wird im Mai verkündet

Diestel lässt die gemeinsame Sozietät von seiner Anwältin bestreiten, eine Bürogemeinschaft, mehr nicht, sei das gewesen. Genth hingegen bleibt dabei, von dem früheren Partner Diestels, dem Warener Rechtsanwalt Benjamin Richert, für 150.000 Euro Anteile an der Kanzlei erworben zu haben. Noch heute zahle er das Darlehen von damals ab, 1000 Euro jeden Monat.

Die Fronten sind verhärtet – bis Richter Weidlich einen Vergleich vorschlägt, an dem nach einigem Zaudern beide Seiten Gefallen finden. Diestel soll den Restsumme des Darlehens übernehmen und dazu dem Kläger 50.000 Euro zahlen. Anwalt Genth zeigte sich bereit, den Vergleich zu akzeptieren, die Gegenseite bat sich noch Bedenkzeit aus. Das Urteil soll am 12. Mai verkündet werden.

Der 69 Jahre alte Diestel war in der letzten DDR-Regierung von April 1990 bis zur Wiedervereinigung im Oktober Innenminister. Die einst gemeinsame mit dem Kläger betriebene Kanzlei in Potsdam ist geschlossen, das Zentrum der Kanzlei befindet sich auf dem Anwesen Diestels in Zieslow südlich von Malchow am Plauer See.

 

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