Im Brodaer Holz kommt es öfter mal vor, dass Hunde Wild hetzen. (Symbolfoto)
Im Brodaer Holz kommt es öfter mal vor, dass Hunde Wild hetzen. (Symbolfoto) Uwe Zucchi
Förster appelliert an Hundehalter

Pudel im Wald außer Rand und Band

Erneut kam es im Brodaer Holz zu Hetzjagden durch Hunde. Diesmal waren zwei Pudel unbeaufsichtigt im Wald unterwegs. Der Revierleiter des Forstamtes warnt Hundehalter und appelliert an Ämter und Städte.
Neubrandenburg

„Zwei kleine Pudel“, wiederholt Thorsten Loop mehr resigniert als fassungslos. „Einer beige, einer schneeweiß.“ Der Revierförster kann weiterhin nicht nachvollziehen, was er vor einiger Zeit im Brodaer Holz erlebt hat. Ein Waldbesucher sei zu ihm gekommen und hätte erzählt, dass er Hundegekläffe im Forst zwischen dem Gatscher Damm und Broda gehört hat. „Ich bin hin und finde da tatsächlich diese zwei Pudel“, erinnert sich Loop. Samt Glocke und GPS-Sender. „Die beiden waren auf der Spur nach einem Reh aber natürlich chancenlos“, sagt Loop. Als er gebrüllt habe, sei dann einer der beiden weggelaufen, doch der andere stehen geblieben. Dank der Telefonnummer konnte er die Halterin aus Neuendorf schnell ausfindig machen.

Sie hatte mit den Pudeln eine Futter-Schleppe gemacht, also eine kleine Spur im Wald ausgelegt. Dabei hatten die Hunde wohl das Reh bemerkt und sind ausgerissen. „Ich hab ihr dann gesagt, dass einer noch verschwunden ist und sie ihn sofort zu holen hat – bevor ich es tu und diesmal mein Gewehr dabei habe“, so der Förster weiter. Die Frau machte sich sofort auf die Suche. Am Abend kam der Hund dann von alleine.

Thorsten Loop – selbst Besitzer zweier schwarzbrauner Jagdterrier – betont, dass er es selbstredend nicht darauf anlegt, einen Hund im Wald zu erschießen. Doch im äußersten Notfall würde er es tun. „Das heißt, wenn ein Hund ein Wild jagt oder reißt und sich davon auch nicht abbringen lässt“, erklärt er. Theoretisch wäre er schon zum Schießen berechtigt, wenn er unbeaufsichtigte Hunde im Wald auf der Fährte erwischt. In diesem Fall ging die Sache für Wild und Hund glimpflich aus. Die Halterin erhielt ein zweistelliges Verwarngeld. Dabei bleibt es nicht immer. Bereits im Januar hatte Loop einen Schäferhund und einen Border Collie von ihrer Hatz abhalten müssen. Bei dieser verletzte sich ein Rehkitz so schwer, dass der Förster es erlösen musste. Die Halterin damals bekam aufgrund der Schwere ein dreistelliges Bußgeld. Und im Mai fand er – wieder im Broder Holz – erst eine tote Ricke und später auch ein totes Kitz. Auch in diesem Fall vermutete Loop freilaufende Hunde als Übeltäter.

Wildtrieb bleibt dem Hund sein Leben lang erhalten

Dabei verbietet das Landesjagdgesetz Mecklenburg-Vorpommern das Entfernen einer Hundeleine deutlich. Dort steht: „Es ist verboten, einen Hund ohne Genehmigung des Jagdausübungsberechtigten außerhalb der Einwirkung seines Führers in einem Jagdbezirk laufen zu lassen.“ Selbst Polizei- und Hirtenhunde müssen als solche gekennzeichnet sein. Strenge Regeln, die ihren Grund haben. „Es geht zum einen darum, das Wild zu schützen“, sagt Loop. Aber auch für die Hunde selbst sei es gefährlich. Nicht jeder Hund ist einem Wildschwein überlegen. Einem Wolf, der sein Revier verteidigt, erst recht nicht. Bedauerlicherweise beobachtet der Mann vom Forstamt Neubrandenburg nicht, dass Hundehalter sich in der Mehrheit einsichtig zeigen. „Es gibt dann ganz schlaue Exemplare, die machen eine Leine an den Hund und lassen ihn dann damit frei herumlaufen“, sagt er kopfschüttelnd. „Dann sagen diese Leute: ‚Wieso? Mein Hund ist doch an der Leine‘ Doch natürlich muss er auch an der Leine geführt werden.“

Dem Revierleiter sei indes durchaus bewusst, dass Hunde ihren Auslauf brauchen. „Doch es ist die Aufgabe der Ämter und Städte, dafür Sorge zu tragen, indem sie genug Freilaufflächen schaffen“, appelliert er an die Politik. Das Problem dürfe keines der Waldförster und Jäger sein. Und auch die Verantwortung der Hundehalter stellt er deutlich dar. „Es ist völlig egal, wie brav und hörig ein Hund ist. Im Wald gehört er angeleint.“ Denn in beinahe jedem Hund stecke auch ein Wildtier, der Wildtrieb im besten Freund des Menschen bleibt sein Leben lang erhalten. Auch wenn es nur ein kleiner schneeweißer Pudel ist.

zur Homepage