MARODE STRAßE

Radfahrer am Tollensesee bei Sturz verletzt – Klage droht

Der Tollensesee ist ein beliebtes Ziel für Radfahrer. Doch am touristischen Ausbau mangelt es. Das wurde jetzt einem Besucher zum Verhängnis. Er erwägt nun eine Klage.
Beat Brunner vom Feriendorf Tollensesee in Tollenseheim sind die Erhebungen und der Zustand der Plattenstraße schon lang
Beat Brunner vom Feriendorf Tollensesee in Tollenseheim sind die Erhebungen und der Zustand der Plattenstraße schon lange ein Dorn im Auge. Tim Prahle
Die Schiffanlegestelle Nonnenhof hat schon bessere Tage gesehen.
Die Schiffanlegestelle Nonnenhof hat schon bessere Tage gesehen. Tim Prahle
Die Badestelle ist bei Touristen und Einheimischen beliebt, eine große Aufwertung erfährt sie allerdings nicht.
Die Badestelle ist bei Touristen und Einheimischen beliebt, eine große Aufwertung erfährt sie allerdings nicht. Tim Prahle
Tollenseheim ·

Diesen Urlaub wird Ingo Roszkamp nicht so schnell vergessen. Die Schulter dürfte ihn ein Leben lang an den Tollensesee erinnern. „Die Ärzte haben schon gesagt, dass sie nie wieder so wird wie vorher“, berichtet der 48-Jährige aus dem Kreis Friesland (Niedersachsen). Mitte August war er mit seiner Frau in der Seenplatte unterwegs. Auf der Plattenstraße im kleinen Ort Tollenseheim passierte es. Der geübte Radfahrer stürzte, brach sich mehrfach die rechte Schulter, dreifach den Handwurzelknochen der linken Hand. Mehrere Tage musste er ins Krankenhaus, der Urlaub war beendet.

Das schlimme Erlebnis wirft ein Schlaglicht auf die Infrastruktur vor Ort. Jene Straße ist sichtlich marode, einzelne Platten sind mehrere Zentimeter angehoben. Ein Armutszeugnis, befindet Beat Brunner, einer von sechs Eigentümern des Feriendorfes Tollensesee. „Das hat doch mit Nostalgie nichts mehr zu tun.“ Bis zum nächsten Sturz sei es nur eine Frage der Zeit. Zumal die Gemeinde Groß Nemerow gerade die Erschließung eines weiteren Feriendorfes bewilligt hat. 21 neue Unterkünfte dürften entstehen. Ein Beweis für die Attraktivität der Region sei das allemal. Lediglich die Infrastruktur hinkt hinterher.

Ohne Fördermittel keine Sanierung möglich

Das weiß auch die zuständige Gemeinde. „Wir haben schon mehrfach versucht, eine Sanierung anzuschieben, aber keine Fördermittel bekommen“, sagt Bürgermeister Wilfried Stegemann. Ohne Fördermittel lasse der klamme Haushalt keine Sanierung zu.

Ein weiteres Problem: Die meisten Radfahrer, die sich auf die Plattenstraße begeben, folgen eigentlich dem 35 Kilometer langen Tollensesee-Radweg, biegen aber am Golfplatz falsch ab. Für Beat Brunner ein Problem der Beschilderung. Für diese ist jedoch die Wirtschaftsförderung des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zuständig. An diese war jedoch noch keiner herangetreten, wie eine Nordkurier-Anfrage ergab.

„Wenigstens Warn-Schilder aufstellen!”

Die abschüssige Plattenstraße und die Beschilderung sind jedoch nicht die einzigen Ärgernisse. Am Ende der Straße tauchen zwei Badestellen auf, die ebenfalls schon bessere Tage gesehen haben. Nach Angaben von Bürgermeister Stegemann werde dort regelmäßig Müll entsorgt. Bevor auf der Zufahrtstraße der Schlagbaum installiert wurde, sei das noch bedeutend mehr gewesen. An den Badestellen selbst wolle die Gemeinde aber nichts ändern.

Gleiches gilt für die Schiffsanlegestelle Nonnenhof am Ende des holprigen Weges. Hier steigen Passagiere des Fahrgastschiffes „Rethra“ ein und aus. Das Geländer weist Roststellen auf, der Mülleimer ist überfüllt. „Der Steg wird regelmäßig gesäubert und seine Standfestigkeit überprüft“, sagt eine Sprecherin der für den See zuständigen Stadt Neubrandenburg. Eine Instandsetzung sei kurzfristig nicht geplant. Ohnehin könne man wegen des Naturschutzgebietes nur äußerst sensibel vorgehen.

So gibt es bei allen Zuständigen Gründe, die gegen spürbare Maßnahmen sprechen. Der fürs Leben geschädigte Ingo Roszkamp erwägt eine Klage. Er habe die Region insgesamt zwar liebgewonnen. Doch auf jeden Fall müsse etwas getan werden. „Und wenn es erst mal nur Schilder sind, dass Radfahrer besser absteigen sollten.“

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Kommentare (9)

Eigentlich muss der komplette Tollense-Radrundweg mit Warnschildern versehen werden. Letztlich ist es egal, ob man sich beim Verfahren oder auf der richtigen Strecke die Knochen bricht. Der Belag beider lädt nicht zum Radfahren ein. Es sei denn, man will eine Abenteuertour machen. So ist es schön zu sehen, dass parallel zu Bundesstraßen Radwege gebaut werden, weil es dort anscheinend naturverbunden und schadstofffrei sei.

… ich fahre die Seerunde mehrere Male in der Woche. Es gibt Teilstücke, welche in nicht sonderlich gutem Zustand sind, ja. Das Gros aber ist in Ordnung. Der Rest liegt schon ein Stück weit am fahrerischen Können der Pedalritter. Es braucht nicht immer Asphalt sein. Und bei den Akteuren auf E-Bikes wird einem oft genug Angst und Bange. Vollkommen ungeübt wird durch die Landschaft gehobelt was das Rad hergibt. Die im Artikel beschriebene Abfahrt nach Nonnenhof ist allerdings tatsächlich gruselig und gehört überarbeitet, aber nicht Teil der Tollenseseeradrunde.

nicht eine Reaktivierung oder Neubebauung von Nonnenhof blockieren würde, wäre dieser Weg schon längst neu gemacht.
Man sollte Fahrradfahren auch nicht unbedingt als Kilometer-Hatz betrachten.
Bei entspanntem Genussradeln wird man mit viel schlimmeren Wegen fertig, genauso, wie auch auf glatten Wegen allerhand passieren kann.

Warum ist der Tollensesee und deren Umgebung eigentlich nicht für Touristen attraktiv?

Ah, unter anderem deswegen.

Die finanziellen Mittel, mit denen man Fahrradwege aus Gold bauen oder sie zumindest sanieren könnte, sind leider im Moment unterwegs nach Afghanistan zu den Taliban.

Tut uns leid, deutsches Volk - der Topf für euch ist leider leer, da kann man nichts machen.

Oder es liegt im nicht vorhandenen Können oder Wollen der Entscheider in Stadt und Landkreis.
Vor der Kreisgebietsreform war ja immer ein Argument für die mangelnde Erschließung, dass der See zu NB gehört, das Ufer/Land dem Kreis. Und Afghanistan spielte da nie eine Rolle, macht es auch heute nicht wenn ich mir andere Landstriche in MV ansehe. Sei es Waren/M., Usedom, Rügen+Stralsund, den Darss, Wismar, Schwerin, Boltenhagen usw. Überall bekommt man es mit der touristischen Infrastruktur trotz Afghanistan usw. hin, außer am Tollensesee. Zumindest wird dieses Bild vermittelt.

Ein eleganter Bogen! Radfahrer gestürzt - Schuld der böse Ausländer. Nicht schlecht. Gibt es irgendetwas in Ihrer Welt, für das nicht Ausländer schuld sind?

Reisesicherheit in D Platz 51 im internatinalen Vergleich - passt doch -

Die setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Da stehen wir eigentlich gar nicht so schlecht da:(Gesundheit/Hygiene: Deutschland - Platz 1, Kulturelle Ressourcen: Deutschland - Platz 6, Touristische Infrastruktur: Deutschland - Platz 9) Nicht schlecht für ein "abgewirtschaftetes" Land, oder?
Das schlechte Gesamtergebnis mit Platz 51 ist ursächlich in den Anschlägen auf Asylbewerber und geplanten Flüchtlingsunterkünften zu erklären und in Westeuropa auch kein Einzelfall: Frankreich liegt auf Platz 67, Italien auf Platz 70 und Großbritannien auf Platz 78. Ruanda (aktuell Reisewarnung durchs auswärtige Amt) liegt übrigens auf Platz 9. Ich bezweifle, dass dieser Terrorismusindex eine zuverlässige Aussage hat.

auch immer, wenn ich die Waldwege entlang spaziere und wegen den rausstehenden Wurzeln ins stolpern komme.
Wenn verklage ich dann, falls ich mir was brechen sollte? Oder...Warum sind diese Wege nicht beleuchtet usw...?
Es handelt sich doch um ein Rad-und Wanderweg in einem Naturgebiet. Von daher ist eh Vorsicht geboten.
Zum Problem wird es, wenn welche daraus ein sportliches Event machen und ihr Können unter Beweis stellen wollen. Dann passieren auch Mal Unfälle. Klar findet man dann die Schuld schnell bei andere.
Dieser Radfahrer zeigt Mal wieder, dass Deutschland immer mehr zum Klagemeister wird. Nicht selbst, sondern andere sind Schuld.
Trotzdem gute Besserung, danke für die positiven Eindrücke und auf ein baldiges Wiedersehen in MV.
Und ja, in Sachen Tourismus liegt die Umgebung Neubrandenburg weit hinten.