Der junge Syrer hatte im Februar mehrere Autos demoliert. Die Besitzer werden wohl auf den Kosten sitzen bleiben.
Der junge Syrer hatte im Februar mehrere Autos demoliert. Die Besitzer werden wohl auf den Kosten sitzen bleiben. Archiv
Zwangsräumung

Renitenter Randalierer in Neubrandenburg fliegt raus

Er hat mehrere Autos beschädigt, seine Nachbarn geschlagen und die Kündigung seiner Wohnung ignoriert. Nun wird ein Syrer gezwungen, zu gehen.
Neubrandenburg

Der 24-jährige Syrer, der im Februar dieses Jahres gleich mehrfach parkende Autos im Neubrandenburger Reitbahnweg demolierte, soll kommende Woche endgültig aus seiner Wohnung fliegen. Zwar ist es ruhiger geworden um den jungen Mann, der mit seiner Zerstörungswut einen Gesamtschaden von 25.000 Euro anrichtete, auf dem die Betroffenen aller Voraussicht nach sitzen bleiben werden. Aber: „Auch jetzt haben die Leute immer noch Angst. Keiner möchte ihm über den Weg laufen“, sagt eine ältere Anwohnerin.

Manchmal würde er nachts noch anfangen, laut zu schreien und auf den Heizkörpern herumtrommeln, sodass es im ganzen Aufgang zu hören ist. Lärm und Bedrohungen seien lange Zeit an der Tagesordnung gewesen. Zwei Familien habe der Mann bereits aus dem Haus vergrault. „Die sind vor Kurzem ausgezogen, weil sie es nicht länger ausgehalten haben. Einen Mieter hat er sogar angegriffen und ins Gesicht geschlagen. Mittlerweile hält er sich aber zurück“, sagt die Neubrandenburgerin.

Nur kurze Zeit in der Psychiatrie behandelt

Nach den ersten Randalen wurde er auf Anweisung des Neubrandenburger Amtsgerichts in die geschlossene psychiatrische Abteilung des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums eingewiesen, doch nur wenig später wieder entlassen. Nach Einschätzung der Ärzte habe der 24-Jährige zur Tatzeit an einer „drogenbedingten Psychose“ gelitten. Weitere schwere Straftaten seien nicht mehr zu befürchten, hieß es damals von einem Sprecher des Landgerichts.

Ein schwerwiegender Irrtum, wie erneute Gewaltausbrüche des Mannes bewiesen. Aufgrund der gehäuften Zwischenfälle hatte die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba) als Vermieter schließlich reagiert und dem Syrer die Wohnung zum 31. Mai fristlos gekündigt. „Da er sie nicht freiwillig herausgeben wollte, haben wir im Juni beim Amtsgericht eine Räumungsklage eingereicht“, sagt Vorstandssprecher René Gansewig.

Ende Juli sei der 24-Jährige dann bei Gericht vorgeladen worden, um gemeinsam mit ihm eine gütliche Einigung zu erzielen. „Doch er ist einfach nicht erschienen, woraufhin der Auftrag zur Zwangsräumung der Wohnung erteilt wurde“, so der Neuwoba-Chef. Die Vollstreckung durch den Gerichtsvollzieher werde voraussichtlich in der kommenden Woche erfolgen, hieß es.

Polizei will bei Zwangsräumung unterstützen

Den gewaltbereiten Ruhestörer scheint das allerdings überhaupt nicht zu interessieren. Er hält sich nach wie vor in seiner Wohnung im Reitbahnweg auf, wie der Nordkurier vor Ort feststellte. Sein Briefkasten quillt über und scheint seit Wochen nicht mehr geleert worden zu sein. Erst nach mehrmaligen Klingeln öffnete er einen Spaltbreit die Wohnungstür und machte auf den ersten Blick einen verwirrten Eindruck. Unklar, ob er erneut unter dem Einfluss von Drogen oder starken Medikamenten stand. Über die ganze Angelegenheit reden wollte er allerdings nicht, sondern knallte die Tür laut schimpfend wieder zu.

„Wir wären im Haus alle froh, wenn er hier künftig nicht mehr wohnt“, flüstert eine Nachbarin und fügt im gleichen Atemzug hinzu, dass sie nichts gegen Ausländer hat. Mit den anderen Familien im Aufgang, die unter anderem aus Syrien und Eritrea stammen, würde sie sich sehr gut verstehen. Nur der polizeibekannte Mann sorge immer wieder für Ärger im Viertel.

Es bleibt abzuwarten, wie der 24-Jährige reagiert, wenn der Gerichtsvollzieher vor seiner Tür steht, um die Wohnung räumen zu lassen. „Sollte er Widerstand leisten, werden wir unterstützend eingreifen“, versichert die Neubrandenburger Polizei. Wo der junge Syrer dann künftig untergebracht wird, ist noch unklar.

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