Spiel-Abbruch

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Rassistische Ausfälle bei Neubrandenburger Fußball-Derby?

Motor-Süd-Angreifer Angreifer Gamal Hadjan-Al Hadid (rechts, in einem früheren Spiel) ist aktuell der zweitbeste Torjäger In der Kreisliga-Staffel I
Motor-Süd-Angreifer Angreifer Gamal Hadjan-Al Hadid (rechts, in einem früheren Spiel) ist aktuell der zweitbeste Torjäger In der Kreisliga-Staffel I.
Eckhard Berndt/Archiv

Was war da los beim Neubrandenburger Kreisliga-Derby? Die Rede ist von Rudelbildung, rassistischen Äußerungen und Schubserei. Blau-Weiß sieht sich aber zu Unrecht in der Kritik.

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Aktualisierung: Im Spiel-Bericht kein Wort von Rassismus bei Fußball-Derby
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Von Spaß und Freude im Amateurfußball war in diesem Spiel nichts zu spüren. Das Neubrandenburger Kreisliga-I-Derby zwischen Gastgeber SV Motor Süd III und dem SV Blau-Weiß II endete am Wochenende vorzeitig. Der junge Schiedsrichter Sven Hendrik Brandt sah sich gezwungen, die Partie in der 70. Minute – beim Stand von 4:1 für Motor Süd III – abzubrechen.

Streit zwischen Torwart und Angreifer

Rudelbildung, rassistische Äußerungen, Schubserei – die Darstellungen der Geschehnisse auf dem Kunstrasenplatz am Weidenweg driften auseinander. Da steht Aussage gegen Aussage. Knackpunkt war offenbar eine Auseinandersetzung zwischen Angreifer Gamal Hadjan-Al Hadid, der drei der vier Motor-Süd-Treffer erzielt hatte, und Blau-Weiß-Keeper Andrè Pfitzner.

Kay Herzberg, Trainer des SV Blau-Weiß II, erklärte: „Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Spiel emotional richtig hochgeschaukelt. Ich kann diesen Abbruch nachvollziehen. Wenn sich der Schiedsrichter nicht mehr sicher auf dem Platz fühlt, denn von Ordnern des Gastgebers war weit und breit nichts zu sehen, war seine Entscheidung gerechtfertigt.“

Bis zum Deutschen Fußball-Bund

Motor Süds Abteilungsleiter Ulf Krömer war selbst nicht vor Ort. „Mir haben aber drei Leute unabhängig voneinander berichtet, dass es einen langen Pass auf Gamal gegeben habe, und der sei mit dem Blau-Weiß-Torwart aneinander geraten. Der Keeper soll dann unserem Mann an die Schulter geschlagen haben und daraufhin umgefallen sein, ohne sich zu wehren. Die Blau-Weißen forderten den Spielabbruch. Das ist, was ich gehört habe.“

Der Blau-Weiß-Vorsitzende Andreas Thiedemann war Augenzeuge: „Als die Aktion zwischen den Beiden stattfand, stürmten Motor-Süd-Leute von der Seitenlinie auf den Platz, wodurch eine Rudelbildung ausgelöst wurde. Daraufhin beendete der Schiedsrichter die Partie. Er fühlte sich offenbar bedroht und war der Meinung, diese Situation nicht anders in den Griff zu bekommen. Es war seine Entscheidung, die hat keiner von uns gefordert.“ 

Reinhard Wagenknecht, Chef vom Spielausschuss beim Kreisfußballverband Mecklenburgische Seenplatte, erwartet dieser Tage den Sonderbericht vom Referee. „Wenn der vorliegt, wissen wir Genaueres. Dass diese Sache Kreise im Landesfußballverband und bis hoch zum Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt/Main ziehen wird, ist allerdings schon jetzt klar. Der Eintrag vom Schiedsrichter ins DFB-Net zum Abbruch-Grund lautet – sinngemäß: Rassistische Ausfälle von Blau-Weiß gegen Motor Süd.“

Teilnahme am Spielbetrieb auf der Kippe

Sollte sich das bestätigen, schließt Wagenknecht Höchststrafen nicht aus: „So was geht gar nicht. Wenn das wahr ist, sorge ich dafür, dass Blau-Weiß II nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt.“ Zunächst einmal sei aber das Sportgericht gefordert.

Überrascht und empört zeigte sich Blau-Weiß-Chef Tiedemann von Wagenknechts Äußerungen. „Wie kann man so etwas sagen und sogar von einer Höchststrafe sprechen, ehe es überhaupt irgendeine Untersuchung zu der Angelegenheit gegeben hat! Wir sind keine Rassisten. In diese Ecke lassen wir uns nicht stellen. Meines Wissens gab es von unserer Mannschaft keine rassistischen Sprüche in Richtung Motor Süd.“ Warum der Unparteiische dies als Ursache für den Abbruch angegeben haben soll, könne er „absolut nicht nachvollziehen“.

Trainer Kay Herzberg bezweifelt sogar, dass in dem Schiri-Bericht ein Häkchen hinter „Rassismus“ gemacht wurde. „Ich habe ja die Unterlagen gesehen, darin war von Rassismus überhaupt keine Rede. Darum verstehe ich nicht, dass das nun ein Thema ist“, so der Coach. „Richtig ist, dass unser Torwart in der Auseinandersetzung seinem Unmut Luft gemacht hat. So was passiert manchmal im Fußball. Aber: Das hatte überhaupt nichts damit zu tun, dass es sich um einen ausländischen Spieler auf der Gegenseite handelte. Das war auf keinen Fall rassistisch. Wir haben ja selbst Fußballer aus anderen Ländern bei uns im Verein, und es gibt da keine Probleme.“

Wagenknecht gehört zu jenen Fußball-Funktionären, die den SV Motor Süd Neubrandenburg bei dem Projekt, die ausschließlich aus syrischen Einwanderern bestehende Mannschaft in den Seenplatte-Spielbetrieb zu bringen, unterstützt hat.

Dieser Artikel wurde am Montag, 12. November, aktualisiert. Insbesondere wurden die Aussagen und Einschätzungen des Blau-Weiß-Vorsitzenden Andreas Thiedemann hinzugefügt.