Awo-Pflegezentrum

Bauleiter hat Rechtsstreit mit Döner-Betreiber in Neubrandenburg erfunden

Einen angeblichen Zank vor Gericht zwischen Awo und Döner-Laden soll es, wie Anfang der Woche berichtet, nie gegeben haben.
Dennis Bacher Dennis Bacher
Mittlerweile ist das Bistro, ehemals auf der rechten Seite, Geschichte.
Mittlerweile ist das Bistro, ehemals auf der rechten Seite, Geschichte. Carsten Korfmacher
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Neubrandenburg.

Am Dienstag berichtete der Nordkurier von einem Rechtsstreit zwischen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Neubrandenburg und einem hartnäckigen Imbiss-Betreiber. Gegenstand war der von der Awo geplante Umbau einer ehemaligen Kaufhalle in Neubrandenburgs Südstadt in ein modernes Pflegezentrum. Weil sich in der aufgekauften Immobilie ein Döner-Imbiss befand, dessen Betreiber seinen Standort dem Vernehmen nach nur äußerst ungern verlassen wollte, soll sich der Bau der Awo-Pflegeeinrichtung drastisch verzögert haben. So zumindest berichtete der zuständige Bauleiter der Awo an der Baustelle in der Neustrelitzer Straße neben der Schwimmhalle.

Den angeblichen Rechtsstreit mit dem Imbiss-Chef dementiert Awo-Geschäftsführer Martin Jennerjahn nun aber. Das Bistro sei zu keinem Zeitpunkt Grund für die Verzögerung das Baus gewesen. Man sei sich zwar kurzzeitig mit dem armenischen Imbiss-Betreiber wegen einer Nebenkosten-Zahlung uneinig gewesen, konnte sich in diesem Punkt allerdings relativ schnell einigen.

Zahlung der Fördermittel waren Grund für Stillstand

Warum der Umbau von Kaufhalle in Pflegeeinrichtung nicht schon – wie ursprünglich einmal geplant – zu Beginn des vergangenen Jahres erfolgte, hatte laut Jennerjahn einen einfachen Grund: Die für die Neugestaltung angestrebten und benötigten Fördermittel habe man erst im November 2018 zugesprochen bekommen, weshalb bis dahin schlicht und ergreifend Stillstand am Bau herrschte. „Anschließend setzte der winterliche Frost ein, was beim Mauern nicht unbedingt förderlich ist“, so der Geschäftsführer. Die Betreiber des Bistros „Asterix-NB“ hatten bis dato längst die Immobilie geräumt.

Das bestätigt auch der ehemalige Betreiber Serob Mkrtchyan: „Wegen uns wurde die Baustelle zu keinem Zeitpunkt angehalten, von Gericht war nie die Rede und es hat auch keinen Rechtsstreit gegeben. Wie gefordert haben wir das Gebäude im Oktober geräumt.“ Weil die Awo im geplanten Neubau ein eigenes Bistro vorgesehen hat, so vermutet der Armenier, wollte die Einrichtung keinen konkurrierenden Imbiss in der Nähe wissen. „Deshalb mussten wir gehen.“

Im Winter 2017/2018 kaufte der Wohlfahrtsverband Awo die Immobilie auf, nur durch Zufall erfuhren Serob Mkrtchyan und Ehefrau Anosch, die ebenfalls im Bistro arbeitete, offenbar damals vom neuen Vermieter. Befreundete Anwohner sollen die beiden über die angebliche Änderung im Mietverhältnis informiert haben. „Als ich mich telefonisch erkundigte, wohin denn nun die Miete gehen solle, erfuhr ich von der Kündigung im Sommer.“ Weil die Mkrtchyans viel Geld in die Renovierung steckten, schalteten sie ihren Anwalt an. „Vielleicht entstanden dadurch die Gerüchte des Rechtsstreits“, vermutet der Ehemann. Man einigte sich auf Mitte Oktober 2018 als Auszugstermin.

Anwohner bedauern Wegfall

Am alten Standort wäre das Ehepaar Mkrtchyan gerne geblieben. Auch die vielen unmittelbaren Anwohner im höheren Alter bedauern den Wegfall des Imbisses in der Nachbarschaft offenbar sehr. Serob Mkrtchyan: „Bei vielen wusste man genau, wann das Telefon klingelt und was bestellt wird.“ Auch an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern lieferte der Imbiss seine Speisen bis an die Haustüre. „Wir hatten versucht, der Kundschaft treu zu bleiben, hätten die Miete natürlich auch weiterhin fristgerecht bezahlt. Keine Chance.“

Einen neuen Arbeitsplatz hat das Ehepaar indes schnell gefunden – ebenfalls in der Neustrelitzer Straße. Mkrtchyan kocht seit Ende Oktober in der hauseigenen Cafeteria des Mercedes-Benz-Autohauses Brinkmann, für Angestellte ebenso wie für normale Laufkundschaft. „Wir haben hier viel Glück gehabt, die Kunden kommen zuhauf und meistens schmeckt es ihnen auch“, freut sich der Koch.