Umbenennung vorgeschlagen
Revolutionärer Name für Neubrandenburger Brücke

Die neu gebaute Brücke über die Eisenbahnschienen in der Demminer Straße. Noch trägt das Bauwerk offiziell keinen Namen. Das soll sich aber ändern.
Die neu gebaute Brücke über die Eisenbahnschienen in der Demminer Straße. Noch trägt das Bauwerk offiziell keinen Namen. Das soll sich aber ändern.

Oberbürgermeister Silvio Witt appellierte an die Stadtvertreter, Neubrandenburg endlich ein Symbol für den friedlichen Systemwechsel 1989 zu geben. Daran gibt es harte Kritik.

Von wegen Eisenbahnbrücke, Brücke Demminer Straße oder gar der alte Name von der Brücke „10. Jahrestag“. Alles kalter Kaffee. Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt hat den Stadtvertretern den Vorschlag auf den Tisch gelegt, das stadteigene Bauwerk auf den Namen „Brücke der friedlichen Revolution von 1989“ zu taufen. Denn, so die Begründung des Verwaltungschefs, der Stadt fehle bislang ein Symbol für die friedliche Revolution. Angesichts des 30. Jahrestages der Geschehnisse im kommenden Herbst sollte das Ereignis durch die Benennung der Brücke sichtbar gemacht werden, heißt es. Denn Brücken, so Witt, können symbolhaften Charakter entwickeln, über Hindernisse hinwegtragen und verbinden.

Das stört Stadtvertreter am Vorschlag

Von wegen Symbol. Der CDU-Stadtvertreter Hans-Joachim Schwanke kann der Idee und dem Vorschlag nichts abgewinnen. „Die Brücke hat doch überhaupt keinen Bezug zu den Ereignissen von damals“, schimpft der Malermeister. Außerdem sei der Name viel zu lang und zu sperrig, so rede doch kein Mensch. „Niemand“, prophezeit Schwanke, „wird die Brücke je so nennen“. Für die Leute bleibe der alte Name oder Eisenbahnbrücke im Sprachgebrauch, so der Ratsherr – der einiges an Diskussionen voraussagt.

Gelassener sieht das Irina Parlow aus der Linken-Fraktion der Stadtvertretung. Sie brauche keinen neuen Namen für die Brücke, so die Kommunalpolitikerin, und erst recht keinen so komplizierten. Und außerdem: „Was hat die Brücke mit dem Herbst 1989 zu tun?“ Es gebe, so die Stadtpräsidentin, die „Chefin“ aller Stadtvertreter, Plätze in Neubrandenburg, die tatsächlich eine Verbindung zu den Ereignissen vom Herbst 1998 besitzen. „Die Kirche St. Johannis etwa oder der Marktplatz, auf dem viele Tausend Menschen demonstrierten.“

Schon einmal für Aufregung gesorgt

Michael Stieber, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung, hat im Gegensatz zu seinen Kollegen, nichts gegen die Taufe der Brücke auf den neuen Namen. Schließlich erinnere in der Stadt kaum etwas an die aufregenden Tage und Wochen im Herbst 1989, da käme die noch namenlose Brücke doch sehr gelegen. Auch Nikolas Mantseris, Grünen-Chef im Stadtparlament, hält die Idee für gut. „Ein gutes Zeichen und Symbol“ wäre das, um der Geschichte zu gedenken, sagt er auf Nordkurier-Nachfrage.

In der letzten Stadtvertretersitzung vor den Kommunalwahlen am 16. Mai sollen die Stadtvertreter über die Namensgebung befinden. Oberbürgermeister Witt hat mit einer Randbemerkung zur Brücke in der Demminer Straße im Herbst 2017 schon einmal für Aufregung gesorgt. Anlässlich der Festveranstaltung zum runden Geburtstag der Reformation Luthers schlug er vor, dem Bauwerk statt des alten Namens „10. Jahrestag“ den Ehrennamen „500. Jahrestag“ zu verpassen. Das fanden, so die Reaktion seinerzeit, viele Neubrandenburger nicht lustig.

Kommentare (5)

Ich bin für den Namen Bogenbrücke, läuft halt nicht mehr geradeaus. Das besondere der Bogen veräuft horizontal.

sorry vertikal

Vielleicht sollte man die Brücke nennen was sie ist. "Ergebnis hirnrissiger Verkehrsprojekte" würde doch hervorragend passen. Nun soll ja noch eine Kreuzung auf die Brücke gebaut werden, damit man als Autofahren geschätzt 300 Meter von der Auffahrt zur Ortsumgehung Woldegker Str. bis zur Demminer Str. spart und die Johannesstr., wo sowieso kein Radweg ist, die nächste Straße für Radfahrer unbefahrbar macht. Man sollte die Stadtplaner mal wirklich einer Qualifikationsüberprüfung unterziehen. Allein der Weg von der Ihlenfelder Vorstadt zum Neuen Friedhof, durch neben und unter der neuen Ortsumgehung hindurch, ist schon mehr als ein Abenteuer und für viele ältere Menschen kaum zu bewältigen. Ein Radweg der kurz hinter einer Kurve im Nirvana endet. Jemand im betagten Alter kommt da gar nicht so schnell auf die andere Straßenseite ohne das eine gefährliche Situation ensteht. Auch neue Streckenführung an der Neustrelitzer Str. würde wohl im jeden ersten Semester Stadtplanung durchfallen. Einseitige Rad und Fußwege auf einer Hauptverkehrsachse muss man erst einmal mit gesundem Menschenverstand erklären können bzw. den Versuch unternehmen. An Dreistigkeit gegenüber dem Bürger kaum zu überbieten. Vielleicht sollte man den ehrenwerten Herren Stadtvertretern (Stadtvertreter heißt das man die Bürger in Ihren Anliegen und Bedürfnissen als Bevollmächtigter Geltung verschafft und nicht dem eigenen Größenwahn folgt) den Dienstmercedes wegnehmen und mal ein Rad bzw. eine Monatskarte zur Verfügung stellt. Damit jene auch einmal in den Genuss der Mobilitätsprobleme der gemeinen Stadtvölkerung kommen.

Herr Schwanke hat vollkommen Recht. Auf so ein Mist muss man erstmal kommen.

"Bürgermeister-Silvio-Witt-Brücke" wäre mein Favorit. Für die Ratsherren bliebe dann je nach IQ ein kürzeres oder längeres Stück der meterhohen Erdwälle oder ein Stück rostigen Geländers am Tollensesee.