FREISPRUCH IM MORDPROZESS

Richter rügt schlampige Polizei-Arbeit

Ein Mauretanier, der wegen versuchten Mords angeklagt war, ist freigesprochen worden, weil die Indizien nicht ausreichten. Der Richter und der Verteidiger rügten die Polizeiarbeit in dem Fall als schlampig.
Dennis Bacher Dennis Bacher
Der 33-jährige Asylbewerber aus Mauretanien wurde am Dienstag aus der Untersuchungshaft entlassen.
Der 33-jährige Asylbewerber aus Mauretanien wurde am Dienstag aus der Untersuchungshaft entlassen. Felix Gadewolt
Neubrandenburg.

Im Prozess um den versuchten Mord an einem Syrer wurde der angeklagte Asylbewerber aus Mauretanien vom Landgericht Neubrandenburg am Dienstagnachmittag freigesprochen. Die Beweislage reichte am Ende nicht aus, um den 33-Jährigen zu verurteilen. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, seinen Bekannten Anfang Juli 2018 in der Neubrandenburger Oststadt in dessen Wohnung mit einem Holzknüppel und einer Espressomaschine niedergeschlagen, lebensgefährlich verletzt sowie ihn dann beraubt zu haben. Der Syrer überlebte, weil ihn Nachbarn rechtzeitig im Flur fanden und er notoperiert werden konnte. Im Herbst 2018 war der Angeklagte in Frankreich gefasst und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Seit Herbst 2018 in Untersuchungshaft

Wichtigste Indizien waren einerseits Fingerabdrücke des Angeklagten, die auf einem der Tatwerkzeuge gefunden wurden. Weiterhin trug der Mauretanier bei der Festnahme ein Handy des Geschädigten bei sich. Beide Indizien verliefen jedoch im Sande.

Zudem verstrickte sich der Geschädigte im Laufe der Verhandlungen immer wieder in Widersprüche, ordnete dem Täter beispielsweise zunächst weiße Hautfarbe zu, während der angeklagte Mauretanier jedoch deutlich dunklere Haut besitzt.

Selbst die Staatsanwältin musste die Anklage fallen lassen, der Verteidiger des Geschädigten stimmte ihr zu. Auch das Gericht kam zu keiner anderen Schlussfolgerung, weshalb der Angeklagte, der sich seit Herbst 2018 in Untersuchungshaft in Bützow saß, gehen konnte.

Harsche Kritik an der Polizei

Offene Fragen gebe es laut Richter Jochen Unterlöhner zuhauf, eine bloße Vermutung reiche am Ende allerdings nicht aus, jemanden ins Gefängnis zu werfen. In der Frage nach dem tatsächlichen Täter tappt die Justiz nun im Dunkeln.

In seinem Urteil wies Unterlöhner darauf hin, dass die Polizei bei der Untersuchung des Tatorts schlampig gearbeitet habe. Besonders das Versäumnis einer Aufnahme von Blutproben bei einem Blutverbrechen dieses Ausmaßes bemängelte der Richter. Dem Rechtsanwalt des Opfers, Joachim Kahl, sei in seiner 30-jährigen Laufbahn noch keine derart schlampige Arbeit der Polizei untergekommen.

Die Kosten für das Verfahren trägt die Landeskasse.

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Kommentare (5)

"Der Richter und sein Verteidiger rügten die Polizeiarbeit in dem Fall als schlampig." Der Richter und sein Verteidiger ...

Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Beste Grüße, Christoph Schoenwiese

diese Kritik gehört nach Berlin, die Politik hat für Rechtssicherheit und Leistungsfähigkeit der Polizei zum Schutze der Bürger Sorge zu tragen

sich die fachkräfte selber auf den ballon hauen egal

Hat er weistens nach dem Freispruch den Stinkfinger gezeigt? Ich hätte mir das ganz sicher nicht verkneifen können.
Was nun? Bekommt er wenigstens wieder Duldug und Sozialhilfe? Richtung Frankreich abreisen braucht er ja nun nicht mehr, geschweige denn nach Mauretanien.