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Rohdiamant bröckelt vor sich hin

Das Torhaus ist ein Kleinod. Doch der derzeitige Besitzer hat kein Interesse an dem Haus. Es verfällt zusehends.  FOTO: anett Seidel

Von unserem RedaktionsmitgliedAnett SeidelAls Kleinod bezeichnet ein Immobilienmakler das Kotelower Torhaus. Er hofft, dass ein Käufer dem„Edelstein“ den ...

Von unserem RedaktionsmitgliedAnett Seidel

Als Kleinod bezeichnet ein Immobilienmakler das Kotelower Torhaus. Er hofft, dass ein Käufer dem
„Edelstein“ den nötigen Feinschliff verpasst.

Kotelow.Für 39000 Euro ist das Torhaus in Kotelow zu haben. Im Internet wird das Kleinod derzeit angepriesen. Max Müller vom gleichnamigen Immobilienbüro in Berlin bestätigte das auf Nachfrage des Nordkuriers. Bisher sei die Suche nach einem Käufer jedoch erfolglos gewesen.
„Die Gegend ist schwierig“, begründet Max Müller. Es habe Interessenten aus Berlin gegeben, aber auch aus dem Rheinland. Die potenziellen Käufer haben das Haus besichtigt, sich am Ende jedoch dagegen ausgesprochen. „Die Käufer wollen ein Torhaus am Wasser“, weiß der Immobilienmakler aus Erfahrung. Hinzu kommen die nötigen Investitionen für die Sanierung.
Seitdem das Torhaus 2005 versteigert worden war, hat sich an dem Gemäuer nichts getan. Das fast 300 Jahre alte Haus ist derzeit dem Verfall preisgegeben, und das inzwischen augenscheinlich. Auch die Untere Denkmalschutzbehörde im Landkreis hat das Torhaus nun im Visier und spricht von einem besorgniserregenden Zustand des Hauses.
„Deshalb erhielt der Eigentümer im vergangenen Jahr die Aufforderung, notwendige Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen“, heißt es aus dem Kreis. Die Sicherung sei jedoch nicht in der vorgegebenen Frist erfolgt, „so dass die Untere Denkmalschutzbehörde den Bauherren dazu anhören wird und gegebenenfalls die Sicherung durch Ordnungsverfügung einfordern wird.“

Gemeinde Galenbeck
bangt um Schmuckstück
Die Gemeinde Galenbeck, zu der Kotelow gehört, bangt um ihr Schmuckstück. Dabei ging im November 2005 ein Aufatmen durchs Dorf, als es hieß, das Torhaus sei unter den Hammer gekommen und ein Käufer habe sich gefunden. Von einem Berliner Architekten war die Rede. Die Gemeinde hatte sich seinerzeit dafür ausgesprochen, den Investor bei seinem Handeln zu unterstützen. Das brauchte sie zu keiner Zeit, denn der Käufer hat darauf verzichtet, Hand an dem erworbenen Gemäuer anzulegen. Er ist vom Landkreis über den Denkmalwert seines Objektes informiert worden. Außerdem habe er Hinweise zu Möglichkeiten einer finanziellen Förderung, zu Fragen der Baugenehmigung und zu Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibung von Sanierungskosten erhalten. Vergebens. Vermutlich wusste er gar nicht, wo sich das Haus befindet, als er sein Gebot dafür abgab, wird im Dorf vermutet. Jetzt ist Max Müller am Zug. Der Immobilienmakler steht zu seiner Formulierung vom „Rohdiamanten“. „Es ist groß genug für eine Familie“, wirbt der Immobilienmakler. Der Edelstein benötige aber dringend einen Feinschliff. Mit Liebe, Phantasie und einer Menge Geld lasse sich das denkmalgeschützte Haus restaurieren. Kein leichtes Unterfangen, weiß Max Müller, denn die Auflagen des Denkmalschutzes gelte es dabei zu beachten. Veränderungen an dem Bau seien so gut wie ausgeschlossen. Dennoch hofft der Berliner, für das letzte barocke Torhaus in Mecklenburg-Vorpommern einen Käufer zu finden.

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a.seidel@nordkurier.de