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Rückschlag für den Sonnyboy

Dustin Dirks (rechts) bei einem seiner Neubrandenburger Kämpfe. [KT_CREDIT] FOTO: Archiv

VonManfred HönelHandtuch statt Siegerfaust: Der Berliner Boxer Dustin Dirks, der auch in Neubrandenburg einige Profikämpfe bestritt, erlebt in Hamburg eine ...

VonManfred Hönel

Handtuch statt Siegerfaust: Der Berliner Boxer Dustin Dirks, der auch in Neubrandenburg einige Profikämpfe bestritt, erlebt in Hamburg eine böse
Überraschung im Ring.

Hamburg.Was war da los? Dustin Dirks war mit Basecap und lockerem Laufstil in den Ring der Hamburger Stadthalle gestürmt. Er wollte gegen den Ukrainer Alexander Tscherwijak (32) den WBA-Intercontititel verteidigen. Doch was war das? Dustin sah vom ersten Moment des Kampfes gegen den Boxer aus dem K2-Stall der Klitschko-Brüder nicht durch. Er versuchte, sich hinter einer Doppeldeckung zu verstecken und bekam in der zweiten Runde dennoch einen harten Schlag an den „Ballon“.
Ringrichter Ingo Barabas rettete den Berliner durch Zeitlupenzählen vor dem schnellen Knockout. Es half nicht. Dirks glich im Ring einem Anfänger. Er fand zu dem kleineren Ukrainer einfach keine Einstellung. Dabei hatte Dustins Manager Harald Lange vor dem Fight noch frohlockt: „Dustin hat jetzt 27 Kämpfe, 27 Siege und 20 davon durch K.O. gewonnen. Jetzt muss ein Titelkampf mindestens um die Europameisterschaft her.“
Der ist nun in weite Ferne gerückt. Trainer Otto Ramin warf in der zehnten Runde sogar das Handtuch. Aus der Traum und ein wütender Promotor Wilfried Sauerland schimpfte: „Man kann einen Kampf verlieren. Aber so nicht. Dustin hatte ja bereits in der zweiten Runde keine Kondition mehr. Der kommt mir erst wieder in den Ring, wenn er konditionell auf der Höhe ist.“ Ein völlig ratloser Trainer Otto Ramin bestätigte seinen Arbeitgeber: „Dustin hat große Konditionsmängel. Ich weiß nicht warum.“ Wer aber soll es wissen, wenn nicht der Trainer?
Es wird vermutet, dass beim Gewichtmachen Fehler passiert sind. Dirks hat sich angeblich in die Hände von Ernährungswissenschaftlern begeben. In seiner Umgebung spricht darüber keiner. Aber die Boxer machen seit 120 Jahren ohne Ernährungswissenschaftler Gewicht – und es klappt. Vielleicht sollte Dustin Dirks zu bewährten Methoden zurückkehren.
Der gebürtige 24 Jahre alte Berliner boxt seit 2008 als Profi im Sauerland-Stall. Er ist der ganze Stolz seines Managers und Box-Guru Harald Lange (58). Dirks gehörte zu jener Generation, die bei „Boxen statt Gewalt“ die Freude am Faustkampf erlernte.
Harald Lange erinnert sich: „Dustin war neun, als er in unsere zum Boxsaal ausgebaute Kita in Berlin-Hellersdorf stieß. Der Jung ist ein richtiges Vorbild. Er ist bescheiden und strebsam, pünktlich und fleißig im Training:“ Selbst Startrainer Ulli Wegner konnte sich keinen Reim auf die Niederlage machen: „Wir wussten alles über den Ukrainer. Videos lagen vor. Er hat vor zwei Jahren gegen Eduard Gutknecht geboxt. Otto Ramin ist ein erfahrener Trainer. Ich bin völlig überrascht. Dustin gehört bei uns zu den großen Hoffnungen.“ Wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zum Glück zuletzt.
Deshalb setzen sich Trainer, Manager und Berater zur Analyse zusammen. Wie man das Sauerland-Team kennt, bekommen sie den 24-jährigen Rotschopf schon wieder in die richtige Spur. Den Titel behält Dustin Dirks trotz Niederlage ohnehin, da Tscherwijak mit Übergewicht (79,9 kg) in den Ring kletterte. Das Limit liegt bei 79,4 kg. Nach dem Reglement der WBA bleibt in dem Fall der Intercontititel bei Dirks.