EINWEIHUNG IN NEUBRANDENBURG

Sanierter Mudder-Schulten-Brunnen plätschert wieder

Der Herzog und seine Bäckerin sind ans Franziskanerkloster gerückt, und unter ihnen fließt auch wieder Wasser. Einige nutzen das sofort auf ihre Weise.
brunnen eins.jpg
brunnen eins.jpg
Bäckerin Mudder Schulten und ihr Herrscher, Adolf Friedrich IV, lieferten sich einen gepfefferten Schlagabtausch.
Bäckerin Mudder Schulten und ihr Herrscher, Adolf Friedrich IV, lieferten sich einen gepfefferten Schlagabtausch. Thomas Beigang
Kinder der Grundschule Nord lassen gelbe Gummienten im frischen Wasser des neuen alten Brunnens schwimmen.
Kinder der Grundschule Nord lassen gelbe Gummienten im frischen Wasser des neuen alten Brunnens schwimmen.
Neubrandenburg.

Der in vier Jahren 100 Jahre alt werdende Mudder-Schulten-Brunnen hat eine neue Heimstatt gefunden. Statt auf einer Höhe mit dem Fritz-Reuter-Denkmal steht der sanierte Brunnen nunmehr dicht am Neubrandenburger Regionalmuseum. Der veränderte Standort ist Bestandteil der Umgestaltung des Eingangs in die Innenstadt. Noch wenigstens bis Ende November haben Bauarbeiter hier zu tun – unter andern mit dem Setzen stählerner Stelen an beiden Seiten der Stargarder Straße, die an die einst geschlossene Stadtmauer erinnern sollen.

Der Mudder-Schulten-Brunnen, der bis zum Kriegsende unter dem Namen Reuter-Brunnen auf dem Neubrandenburger Marktplatz neben dem 1945 zerstörten Rathaus stand, macht auch seit Freitag seinem Namen wieder alle Ehre. Denn endlich fließt und sprudelt wieder Wasser aus den Schnäbeln der steinernen Rohrdommeln am Fuße des Denkmals. Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt fasste das trockene Dilemma zusammen: „Eine ganze Generation Neubrandenburger hat dort schon kein Wasser mehr sehen können”. Eine neue sogenannte Brunnenstube unter dem benachbarten Kloster und die Sanierung undichter Stellen im Brunnen machen die neuerliche „Wässerung” möglich. Immerhin – 325 000 Euro hat die ganze Angelegenheit gekostet. Auch das Reuter-Denkmal auf der anderen Straßenseite hat eine neues und repräsentativeres Plateau erhalten.

Feierliche Ersteinweihung im März 1923

Das auf den symbolischen Knopfdruck des Rathaus-Chefs sprudelnde Nass nutzen einige Kinder aus der Grundschule Nord gleich auf ihre Weise. Die Stadtverwaltung hat ihnen ein paar Dutzend quietschgelbe Gummi-Entchen spendiert, die werden von den Kleinen gleich ins Wasser gelassen. Wenige Minuten zuvor haben die „Lütten” fasziniert dem verbalen Schlagabtausch zwischen der Bäckerin Mudder Schulten und ihrem Herrscher, Adolf Friedrich IV, gelauscht. Allerdings so viel davon nicht verstanden. Die Bäckerin beschimpfte den Herzog auf plattdeutsch. Den Mann, der es tunlich unterlassen hatte, bei seiner Lieblingsbäckerei in Neubrandenburg die Rechnungen zu bezahlen, die ihm später die wackere Bäckersfrau Mudder Schulten unter die Nase hielt.

Seit den 1920-ern sind Reuters Romanfiguren, Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz und die Bäckersfrau Schultz, als Figurengruppe eines Sandsteinbrunnens dauerhaft im Stadtbild von Neubrandenburg präsent. Ein alteingesessenes Modegeschäft hatte sein 100-jähriges Firmenjubiläum dazu genutzt, der Stadt einen von Wilhelm Jaeger geschaffenen Döchläuchtingbrunnen zu schenken und auf dem Marktplatz südwestlich des alten Rathauses aufstellen zu lassen. Im März 1923 erfolgte die feierliche Einweihung des Brunnens, den zeitgenössische Medien schon bald in Reuter-Brunnen umgetauft haben. In den 1950-Jahren setzte sich dann allerdings die Bezeichnung Mudder-Schulten-Brunnen bei den Neubrandenburgern durch.

Die Wiedereröffnung des Brunnens an seinem neuen Standort war Hundert Neubrandenburgern wert, am Freitagnachmittag in der Stargarder Straße zu erscheinen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage