CORONA-LOCKERUNG

Schmalspurbahn in Schwichtenberg darf wieder fahren

Über eine Woche nach der Nordkurier-Anfrage hat die Landesregierung eine Entscheidung getroffen, wie der Fall der Schwichtenberger Kleinbahn zu handhaben ist.
Noch wartet die frisch mit Originalfarbe gestrichene Betriebslok in der Halle.
Noch wartet die frisch mit Originalfarbe gestrichene Betriebslok in der Halle. Tim Prahle
Bislang blieb der kleine Bahnhof in Schwichtenberg verlassen.
Bislang blieb der kleine Bahnhof in Schwichtenberg verlassen. Tim Prahle
Schwichtenberg ·

Für die Betreiber der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn (MPSB) ist es das Ende einer Berg- und Talfahrt der Gefühle. Sie können ihren Betrieb grundsätzlich wieder aufnehmen. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums an den Nordkurier vom Mittwoch hervor.

Schon am Montag hatten sich die Ehrenamtlichen kurz gefreut und dachten, sie könnten am Himmelfahrtsfeiertag ihre historischen Waggons samt Besuchern wieder auf die Gleise schicken. Doch am Dienstag folgte die Ernüchterung. Die Erlaubnis des Amtes Friedland fußte wohl auf einem Missverständnis, wie es Rosemarie Thiede vom Verein ausdrückte. Das Amt nahm die Entscheidung zurück. Wie Bürgermeister Wilfried Block dem Nordkurier sagte, fehle die gesetzliche Grundlage.

Nicht eindeutig in Verordnungen geregelt

Die fehlt tatsächlich. Der Betrieb von Museumsbahnen ist in den Verordnungen der Landesregierung nicht eindeutig geregelt. Als freizeitliches Vergnügen bliebe er verboten, als Museum dürfte sie beispielsweise seit Montag wieder fahren. Über eine Woche hatte das Verkehrsministerium gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen. Der Grund: Mit Spielplatz, Imbisswagen, Museum, Lok-ausstellung und touristisch, eigenwirtschaftlich betriebener Kleinbahn hat die MPSB gleich mehrere Bereiche, die unterschiedlich betrachtet werden müssen und auch noch in die Zuständigkeit verschiedener Ministerien fallen.

„Für diese einzelnen Bereiche sind die jeweiligen Regelungen in der Verordnung der Landesregierung MV zum Übergang nach den Corona-Schutz-Maßnahmen anzuwenden“, schreibt nun das Ministerium. Zum Teil seien Abstimmungen mit dem Gesundheitsamt notwendig. Die Schweriner raten zudem, ein Hygiene-Konzept zu erarbeiten.

Am Herrentag könnte es losgehen

Eine Herausforderung, die die Betreiber nur zu gerne annehmen. „Wir haben schon etwas vorbereitet“, frohlockt Rosemarie Thiede, als der Nordkurier ihr am Mittwoch die gute Nachricht überbrachte. Sie hatte sich zuvor bereits erfolglos beim Bürgertelefon der Landesregierung gemeldet. Der Vorsitzende Harald Zuch hatte auch schon Masken besorgt, eine Plexiglasscheibe sei auch schon eingebaut. Wenn die Abstimmung mit den Behörden gut funktioniere, könne es schon am Herrentag um 10 Uhr wieder losgehen, so die Vereinsschatzmeisterin. Weniger Fahrgäste seien viel besser als gar keine Fahrgäste.

Die Antwort aus Schwerin kam auch deswegen gerade noch rechtzeitig, weil ein anderer Fall im Land zeigt, dass die Verordnung nicht in jeder Verwaltung gleich interpretiert wird.

In Klütz genehmigte Amt die Fahrt

Die Schmalspurbahn in Klütz (Landkreis Nordwestmecklenburg) ist gut mit dem Schwichtenberger Pendant vergleichbar. Auch sie fährt nicht als Teil des öffentlichen Nahverkehrs, wie etwa der „Rasende Roland“ auf Rügen, sondern die Gäste in eine Sackgasse und zurück. Auf ihrer Internetseite kündigen die ehrenamtlichen Betreiber schon länger an, ab Pfingsten wieder zu fahren. Mitsamt Genehmigung des zuständigen Amtes Klützer Winkel, wie eine Nordkurier-Anfrage dort ergab. „Warum sollte ich da andere Maßstäbe ansetzen als bei der Bundesbahn?“, fragte der zuständige Sachbearbeiter im Bürgeramt rhetorisch. Allerdings verwies er darauf, dass selbstredend alle Hygienestandards streng eingehalten werden müssen. Nun können auch die Schwichtenberger einen derartigen Beweis antreten.

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