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Erntekrone

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Schmuckstück ist herausgeputzt

Einmal im Jahr, wenn das Getreide eingefahren ist und die Blätter sich zu färben beginnen, treffen sich Frauen und Männer der Gemeinde Röckwitz auf einem der Adamshöfer Bauernhöfe.

Einmal im Jahr, wenn das Getreide eingefahren ist und die Blätter sich zu färben beginnen, treffen sich Frauen und Männer der Gemeinde Röckwitz auf einem der Adamshöfer Bauernhöfe. Die Bauern bringen Getreide, Grill und Hochprozentiges mit: Spätestens jetzt weiß jeder im Ort, dass die Erntekrone gebunden wird. Am Montagabend herrschte auf dem Bauernhof der Familie Asbrock ein hektisches Treiben. Sie stellte in diesem Jahr ihre Scheune zur Verfügung. Das Schmücken der Krone ist eine Sisyphos-Arbeit. Viele kleine Sträuße werden aus den Ähren gefertigt, die dann wiederum von den Frauen an die metallenen Kronenstreben gebunden werden. Und wenn einmal der Draht zum Binden reißt, dann ist Zeit für eine (un-)gewollte Pause: Jetzt wird die erste Runde Hochprozentiges ausgeschenkt, bevor die Arbeit weiter geht. So entsteht Stück für Stück die Zierde des Ernteumzugs. Frühmorgens wird sie dann vom Pastor in der Messe geweiht, bevor sie auf dem Frontwagen des Umzuges, geschmückt mit Sonnenblumen und bunten Schleifen, thront. Das gesellige Binden der Erntekrone ist schon Jahrzehnte Tradition in der Gemeinde. Gisela Schengber erlernte das Handwerk von ihrem Mann, der einst hier Bauer war. Das ist mittlerweile 40 Jahre her. Heute packt sie immer noch mit an.

Jedes Jahr freut sie sich, wenn es wieder auf die Herbstzeit zugeht und das Erntefest vor der Tür steht. "Für mich ist es wichtig, dass der Brauch an die Jüngeren weitergegeben wird, damit er erhalten bleibt." Dies gilt auch für ihre eigene Familie. Obwohl die Tochter nicht in der Landwirtschaft arbeitet, ist sie genauso mit von der Partie. Und auch die Enkel von Gisela Schengber helfen beim Binden der Sträußchen. "Es ist immer wie ein großes Familienfest", stimmt auch Simone Grawe, deren Familie in diesem Jahr den Bauernhof zum Schmücken bereitstellte, zu. Bis in die späten Abendstunden putzen die Adamshöfer und Röckwitzer ihre Erntekrone aus. Nach vollbrachter Arbeit erzählen sie sich in geselliger Runde noch von ihren schönsten Erlebnissen und auch prominenten Besuchen auf ihren Festen. So begleitete einst schon der ehemalige Landwirtschaftsminister Martin Brick (CDU) den Erntefestumzug.