BRUNNENSANIERUNG IN NEUBRANDENBURG

Schönheitskur für Mudder Schulten

Der beliebte Brunnen an der Stargarder Straße soll im Herbst endlich wieder sprudeln. Doch vorher ist an dem 95 Jahren Kunstwerk noch viel Restaurierungsarbeit zu leisten.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Mit vereinter Mannes- und Kraneskraft wurden die Bäckersfrau und ihr herzoglicher Schuldner vom Sockel gehoben.
Mit vereinter Mannes- und Kraneskraft wurden die Bäckersfrau und ihr herzoglicher Schuldner vom Sockel gehoben.
Neubrandenburg.

Ein Neubrandenburger Original ist umgezogen: Nachdem es der resoluten Mudder Schulten durch die Bauarbeiten an der Stargarder Straße zu unruhig wurde, residiert die alte Dame nun im Innenhof des Franziskanerklosters – wo sie in den nächsten Wochen eine Schönheitskur bekommen soll. Schließlich hat sie schon gut 95 Jahre auf den Schultern, die berühmte Bäckersfrau, der Bildhauer Wilhelm Jaeger anno 1923 ein Denkmal setzte: Es zeigt die von Fritz Reuter geschilderte Szene, der zufolge Mudder Schulten im Jahre 1771 den Herzog Adolf Friedrich IV., genannt Dörchläuchting, in aller Öffentlichkeit mit seinen unbezahlten Bäckerrechnungen konfrontierte.

Aus 250 Zentnern Muschelkalk besteht der Brunnen, der eigentlich Reuterbrunnen heißt, aber als Mudder-Schulten-Brunnen viel bekannter ist. Ursprünglich vor dem Rathaus auf dem Marktplatz errichtet, bekam er nach der kriegsbedingten Zerstörung der Stadt ein neues „Zuhause“ an der Stargarder Straße, gegenüber dem Fritz-Reuter-Denkmal. Seit Jahren trocken und lädiert, soll er nun im Zuge der Neugestaltung des gesamten Bereichs am Bahnhofstor neuen Glanz bekommen.

Ein Teil werde auf dem Hof des Franziskanerklosters restauriert, weitere Elemente bei der Firma Restaurierung „Am Oberbaum“ in Berlin, heißt es dazu aus dem Neubrandenburger Rathaus. Anschließend soll Mudder Schulten in Sichtweite des Reuter-Denkmals wieder aufgestellt werden – etwas näher als bisher am Franziskanerkloster, wo das Regionalmuseum sein Domizil hat. Im Herbst soll dank entsprechender Technik auch wieder das lange entbehrte Brunnenwasser zu Füßen von Mudder Schulten und Dörchläuchting sprudeln.

Für die Sanierung und wassertechnische Ausstattung des Brunnens werden rund 250 000 Euro investiert, so die Stadtverwaltung weiter. 1,3 Millionen Euro kostet die Gestaltung des gesamten Bahnhofstors, das mit 763 000 Euro aus Städtebaufördermitteln unterstützt wird. Gestaltet werden dabei die Randbereiche der Wallanlage, der Zwischenraum der aufgebrochenen Stadtmauer und der Platz vor dem Franziskanerkloster sowie die Fläche um das Fritz-Reuter-Denkmal. Zum Entwurf gehören auch rund 20 Stahl-Stelen, jeweils etwa sechs Meter hoch, die die Form der historischen Stadtmauer andeuten sollen.

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