„Storch Heinar” am Gymnasium
Schulamt weist Beschwerde von AfD-Mann Komning zurück

Findet die Ungewissheit an der Neuen Friedländer Gesamtschule (NFG) nun ihr Ende oder braut sich da noch mehr zusammen?
Findet die Ungewissheit an der Neuen Friedländer Gesamtschule (NFG) nun ihr Ende oder braut sich da noch mehr zusammen?
Paulina Jasmer

Vergangenes Jahr reichte Enrico Komning eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Friedländer Schulleiter ein. Jetzt gibt es ein Urteil.

So überrascht wie Schulleiter Heiko Böhnke war, als er von der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn hörte, ist nun deren Verfasser Enrico Komning. Denn das Schulamt Neubrandenburg hatte die Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen und auch am Verhalten des Schulleiters nichts zu beanstanden. Das teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums dem Nordkurier auf Nachfrage mit.

Der Bundestagsabgeordnete Enrico Komning hatte vergangenes Jahr einen Verstoß gegen die Parteienneutralität gesehen, als vergangenen Oktober Kunstfigur „Storch Heinar“ an der Neuen Friedländer Gesamtschule (NFG) zu Gast war, um das Projekt „Demokratisches Miteinander gegen Ausgrenzung und gegen Diskriminierung“ als Schirmherr zu begleiten.

„Storch Heinar“ als „Demokratie-Botschafter“

„Storch Heinar“ wurde einst von der Jugendorganisation der SPD, den Jusos, als satirische Gegenmarke zum in rechten Kreisen beliebten Modelabel „Thor Steinar“ ins Leben gerufen. Als einer der Mitbegründer gilt der heutige Finanzminister Matthias Brodkorb. Nach eigenen Angaben agieren Figur und das ihm übergeordnete Nachrichtenportal „Endstation Rechts!“, das ebenfalls zu den Jusos gehört, überparteilich. Dafür spricht, dass „Storch Heinar“ 2014 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT), das Teil der Bundeszentrale für politische Bildung angeschlossen ist, zum „Demokratie-Botschafter“ ernannt wurde.

NFG-Schulleiter Heiko Böhnke sieht das ähnlich. „Storch Heinar ist für mich keine politische Organisation, die pro SPD und anti AfD ist, sondern eine, die einen wichtigen Beitrag zur Demokratieerziehung leistet“, sagte er auf Nordkurier-Nachfrage. Bereits vergangenes Jahr betonte Böhnke, nirgendwo sei ein Schild der Sozialdemokraten aufgestellt gewesen.

Koming: Figur wird parteipolitisch eingesetzt

Enrico Komning, Bundestagsabgeordneter der AfD, kommt da auch nach dem Urteil des Schulamtes Neubrandenburg zu einem anderen Schluss. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, dass man „Storch Heinar als parteipolitische Figur an Schulen auftreten lässt, um eine Indoktrination der Kinder voranzutreiben.“

Doch er warte zunächst das Schreiben und die darin enthaltenden Gründe des Schulamtes ab. Denn das sei auch fünf Tage, nachdem der Nordkurier vom Bildungsministerium Antwort erhielt, noch nicht bei ihm eingegangen. Erst dann wolle er auch über weitere mögliche Schritte Auskunft geben. „Ich hab das noch nicht bis zu Ende geprüft, bin mir aber sicher, dass es möglich ist, gegen die Entscheidung vorzugehen“, spekulierte Komning.

Der AfD-Politiker bezweifle allerdings, selbst eine Klagebefugnis zu haben. Doch er wolle in jedem Fall den Eltern zur Seite stehen, die das Urteil ähnlich anzweifeln wie er selbst. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern klagen, während das eigene Kind auf die Schule geht, ist natürlich gering“, muss selbst der Bundestagsabgeordnete zugeben. Seinen Aussagen nach waren es ursprünglich einige Eltern, die besorgt auf ihn zukamen und denen er in seinem Wahlkreis helfen wolle.